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Kolumne witwe

Bild: getty montage

"Ich würde dich gerne küssen, aber..." – so ist der erste Sex nach dem Tod meines Freundes

Lea ist mit Anfang 30 Witwe geworden. Jetzt beginnt sie wieder mit dem Dating. Folge 6 ihrer Kolumne

lea laufer

Ich bin nervös, als ich bei ihm klingele. Es ist seit dem Tod meines Freundes das erste Mal, dass ich zu jemandem nach Hause gehe, das erste Mal, dass ich jemanden sympathisch und attraktiv finde. Das erste Mal, dass etwas passieren könnte

Falls du die Geschichte von ganz vorne lesen möchtest, hier geht es los:

Er öffnet mir die Tür, bietet mir Essen an und nach einer Wohnungsschau inklusive schlafender Tochter im Kinderzimmer, sitzen wir auf dem Sofa und führen das Gespräch vom ersten Treffen fort.

Meistens redet er, schnell und lebendig, immer wieder fährt er sich mit der Hand durch die Haare, um sie aus dem Gesicht zu streifen.

Ich merke, dass ich ihn mag.

Es ist noch kalt und irgendwann holt er zwei Decken. Wir sitzen nebeneinander, mit Abstand, aber näher rückend. Er redet über Wirtschaftspolitik, über das Ende seiner großen Liebe, über den Wunsch nach einem Leben woanders.

Ich schaue ihn an und würde ihn gerne küssen. Aber das Gesprächsthema bietet wenige Ansatzpunkte für romantische Interaktionen und sowieso ist da die Hemmschwelle.

Das alles ist schon so lange her, ich weiß noch nicht mal, wie ich anfangen soll. Also mache ich nichts. Irgendwann geht er auf Toilette. Eine dating-erfahrene Freundin hat sich auf WhatsApp erkundigt, wie das Treffen läuft.

"Gut, würde ihn küssen, aber weiß nicht wie…." Sie antwortet, "Los jetzt, wenn du ihn magst dann starte einfach was, go in!"

Ich fühle mich wie ein Volltrottel. In dem Moment kommt er aus dem Bad, nimmt einen Schluck Wein und erkundigt sich freundlich lächelnd, ob ich eine Nachricht wegen meiner Kinder bekommen hätte.

Hat die Babysitterin geschrieben? Ist alles ok?

Ich entscheide mich für die Flucht nach vorne.

"Nein, alles ok, aber ich würde dich gerne küssen und weiß nicht, wie ich über mich selber hinweg komme." Ich zeige ihm die Nachricht meiner Freundin, lächle entschuldigend und voller Resignation über mich selbst. 

Er lacht kurz, dann zieht er mich an sich, lässt seine Hand über meinen Nacken an meinen Hinterkopf gleiten und küsst mich als wäre dies der letzte Kuss vor dem Einschlag eines Meteoriten und dem Ende der Welt. Es ist, als hätte ihm jemand ein "go" gegeben für etwas, dass er während des ganzen Gesprächs geplant hat.

Ich bin so überrascht, es ist wie eine Welle, die mich vollkommen wegschwemmt. Innerhalb kürzester Zeit liegt er auf mir und ich fühle eine Erektion. Alles fühlt sich wahnsinnig gut an. Ich genieße, was passiert, trotzdem fühle ich mich, als wäre ich nicht ich selbst, als würde ich die Situation von außen betrachten.

Irgendwann hören wir auf – die Babysitterin hat morgen eine Prüfung und muss früh raus. Er entschuldigt sich für seine Zügellosigkeit, so sei er nunmal. Aber er würde mich auf jeden Fall besser kennenlernen wollen. Er sagt das mit dem Lächeln eines Jägers, der gerade ein Wild geschossen hat und begleitet mich zur Tür.

In den nächsten Tagen bin ich ich ziemlich neben mir, aufgekratzt und unruhig. Dann schreibt er und fragt, ob wir uns treffen wollen. Diesmal kommt er zu mir, die Kinder schlafen bei den Großeltern. Er hat selbst gebackenen Kuchen mitgebracht.

Irgendwann küssen wir uns wieder, wie auch beim ersten Mal bin ich wahnsinnig steif. Wieder betont er atemlos, mir Zeit geben zu wollen, er habe Verständnis dafür, dass es vielleicht nicht leicht sei.

Kurz frage ich mich, ob Sex beim dritten Date zu früh ist und denke dann "fuck it, jetzt ist es an der Zeit" und ziehe ihn in mein Schlafzimmer.

Es ist der zweite Mann, mit dem ich in meinem Leben schlafe.

Der Sex ist gut. Ich bin überrascht, wie leicht es mir fällt, kein schlechtes Gewissen, keine Flashbacks in meine langjährige Beziehung, keine Vergleiche zu diesem einen anderen Mann.

Trotzdem stimmt irgendwas nicht. In den kommenden Wochen und Monaten treffen wir uns, der Ablauf eines jeden Abends ist unweigerlich klar. Ich mag ihn immer noch sehr, aber was fehlt, ist ein Gefühl von Gelassenheit oder Unbeschwertheit, die ich mit meinem Freund fast von der ersten Minute an hatte.

Obwohl ich ihn mag, fühle ich mich seltsam fremd an seiner Seite.

Wenn er redet habe ich zunehmend das Gefühl, er redet für sich. Wenn ich etwas erzähle, schaut er mich manchmal freundlich, aber verständnislos an, lächelt und küsst mich.

Der Sex bleibt gut, aber auf eine gewisse Art und Weise distanziert. Ich mag ihn sehr und manchmal male ich mir aus, wie wie es sein könnte, wenn es etwas wird, etwas Festes.

Aber eigentlich weiß ich schon, dass das nicht passieren wird. Irgendwann gehen wir spazieren als er sagt; "Ich glaube, bei uns fehlt etwas. Vielleicht funktionieren wir besser als Freunde?"

Er wirkt ernsthaft bedrückt, ich bin traurig und gleichzeitig erleichtert. Wieder alleine zu Hause würde ich gerne weinen, aber es klappt nicht. Also hole ich das Handy raus und reaktiviere Tinder.

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Jana (Name von der Redaktion geändert) ist 33 Jahre alt, gelernte IT-Systemkauffrau und alleinerziehende Mutter. Ihre Tochter wurde im März 2017 geboren, Jana trennte sich im September 2017 von ihrem Mann und bezieht seit Januar dieses Jahres Hartz IV – weil sie für ihre Tochter da sein möchte, wie sie sagt. Das Elterngeld ist im März 2018 ausgelaufen.

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