In den USA liegen viele Hoffnungen auf dem Ebola-Medikament Remdesivir.
In den USA liegen viele Hoffnungen auf dem Ebola-Medikament Remdesivir.Bild: iStockphoto / digicomphoto

Christian Drosten erklärt das Problem um Covid-19-Mittel Remdesivir

03.06.2020, 14:01

In den USA setzen die Ärzte ihre Hoffnungen auf das Ebola-Mittel Remdesivir, um Corona zu bekämpfen. Das Mittel wird gespritzt und hemmt die RNA-Polymerase, stört somit die Replikationsfähigkeit des Virus im Körper. Auch in Deutschland laufen klinische Studien zu dem Medikament, doch in der Masse wird Remdesivir als Wundermittel wohl nicht zum Einsatz kommen, glaubt Christian Drosten.

Im NDR-Podcast "Coronavirus Update" vom Dienstag erklärt der Virologe warum. Zwei wichtige Probleme stehen dabei im Vordergrund.

Problem 1: Remdesivir wurde nur bei schweren Verläufen getestet

"Das große Problem beim Remdisivir ist: Die Studien, die jetzt gemacht wurden, hat man in der Intention gemacht, Patienten wirklich zu helfen, denen es nicht gut geht. Und das sind bei dieser Erkrankung leider eben die Patienten, die schon länger infiziert sind", so der Mediziner.

Bedeutet: Die bislang mit Remdesivir behandelten Patienten befanden sich bereits in der zweiten Woche der Erkrankung. Erst dann kommen sie ins Krankenhaus. Da sei die Virusreplikationsphase im Körper aber eigentlich schon vorbei, erklärt der Wissenschaftler. Um zu helfen, will man eigentlich vorher ansetzen.

"Man muss dieses Medikament verabreichen, wenn die Patienten noch mild erkrankt sind, also noch keine schwere Infektion haben. Und da ist es sehr schwer, eine klinische Entscheidung zu treffen, selbst in Studien. Zu sagen: 'Das ist ein Patient, dem geht es eigentlich ganz gut, jetzt geben wir dem trotzdem mal diese Substanz, die schwer verfügbar ist.' Das ist natürlich eine Entscheidung, die man so schwer treffen kann und darum wissen wir im Moment nicht wirklich, wie das Remdesivir eigentlich bei frühen Verläufen wirkt."
Christian Drosten

Problem 2: Die Produktion des Mittels ist aufwendig

"Ein anderes Problem ist, dass Remdesivir nicht allzu leicht zu synthetisieren ist", so Drosten weiter. Er sei zwar kein Pharmazeut, doch wenn man sich die Dosismenge anschaue, die ein Patient während des gesamten Krankheitsverlaufs brauche, käme man auf ziemlich hohe Zahlen, die man so schnell nicht produzieren könne, zumindest nicht "bei der jetzigen Dareichungsform, also einer intravenösen Gabe und das kann man nicht so leicht erhöhen, wenn ich das richtig verstanden habe." Das Fazit: In Einzelfällen mag Remdesivir also eine Lösung sein, im praktischen Leben hilft es der Masse aber noch nicht.

(jd)

"Triage-Entscheidungen sind im Grunde schon getroffen worden" – Präsident von Sachsens Ärztekammer über die Situation in Kliniken

Seit Anfang November schon verschieben Kliniken in ganz Deutschland elektive – also nicht notfallmäßige – Operationen, um die Belastung durch an Covid-19-Erkrankten unter Kontrolle zu bekommen. Doch das könnte schon bald nicht mehr ausreichen. In den letzten Tagen werden Stimmen lauter, die Triage-Entscheidungen unausweichlich auf Kliniken zukommen sehen. Im Corona-Hotspot Sachsen gilt ab 22. November die neue Notverordnung, die auch einen Teil-Lockdown für die Bevölkerung umfasst. Die Krankenhäuser in Sachsen, dem Bundesland mit der niedrigsten Impfquote, sind vollkommen ausgelastet. Watson hat mit Experten gesprochen, was die überfüllten Intensivstationen für die Behandlung von Patienten bedeuten und wie eine Triage-Entscheidung getroffen wird.

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