Der Berliner Virologe erklärt das Aerosolrisiko im öffentlichen Verkehr.
Der Berliner Virologe erklärt das Aerosolrisiko im öffentlichen Verkehr.
Bild: imago images / Christian-Ditsch.de

Immer mehr Menschen in Bus und Bahn: Drosten erklärt, wie sicher das ist

26.05.2020, 18:38

Inzwischen ist bekannt: Der Aerosol-Austausch ist für die Übertragung von Corona-Viren enorm wichtig. An der frischen Luft stecken sich weltweit deutlich weniger Menschen an Covid-19 an, als zu Hause oder im öffentlichen Nahverkehr. Das bestätigten zuletzt mehrere Studien aus China und Japan.

Ist Bus und Bahnfahren also gefährlicher als man dachte? Der bekennende Öffi-Fan Christian Drosten äußerte sich dazu am Dienstag im NDR-Podcast "Coronavirus Update". Obwohl das schwierig zu bewerten sei, gäbe es in puncto Bus und Bahn durchaus "Sicherheitsüberlegungen", sagt er.

Der Nahverkehr

Busse mit kleinen Fenstern und ohne Klimaanlage seien beispielsweise riskant, vermutet er. "Da bin ich mir nicht sicher wie hoch der Luftumsatz ist, ob man da nicht wirklich auch ein Aerosol-Risiko haben könnte", so der Forscher

U-Bahnen seien da schon besser. Allerdings nur, wenn sie entsprechend ausgestattet wären, was selten der Fall ist. Als Beispiel nennt Drosten die Berliner Linie U2, die noch sehr alte Wagons besäße: "Da merkt man im Sommer, dass kein hoher Luftumsatz ist. Da wird es ganz schön heiß. Das ist natürlich die Frage, wie man damit umgeht." In China wären die Bahnen sehr neu und in Großstädten so konstruiert, dass sie an jeder Station kompletten Durchzug erleben.

Die beste Alternative

"Allerdings ist es schon so, dass gesagt werden sollte: Es ist Sommer und man kann auch Fahrrad fahren."
Christian Drosten

Der Fernverkehr

Regionalbahnen schätzt er sicherer ein. "Ich gehe davon aus, dass dort ein erheblicher Luftumsatz besteht. Da sind ja feste Klimaeinrichtungen. Da müsste eine ganz schöne Umwälzung stattfinden und auch Austausch. Es könnte sein, dass da ein geringeres Aerosol-Risiko besteht."

Und zuletzt, für den Laien vielleicht überraschend: das Flugzeug. Dort sitzen zwar viele Menschen lang und eng zusammen, trotzdem sei es verhältnismäßig sicher. "Da weiß man, dass das Aerosol-Risiko eigentlich gering ist", sagt Drosten. In der Vergangenheit hätte sich gezeigt, dass immer nur bestimmte Luftkanäle und Sitzreihen für Tröpfcheninfektionen relevant sind und der Rest verschont bleibt. Die Luftzirkulation funktioniert also besser, als man denkt, "ansonsten geht man nicht davon aus, dass das ganze Flugzeug betroffen wäre von einem Aerosol. Da gibt es Daten, die das zeigen."

(jd)

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