Händewaschen schützt vor Corona-Ansteckung. In der Öffentlichkeit ist das aber nicht immer möglich.
Händewaschen schützt vor Corona-Ansteckung. In der Öffentlichkeit ist das aber nicht immer möglich.Bild: iStockphoto / Sucharas wongpeth

Tropenmediziner fordert öffentliche Stationen zum Händewaschen

30.03.2020, 13:29

Nach dem Händewaschen ist vor dem Händewaschen. Dieses Mantra dürfte derzeit so ziemlich jeder befolgen, der sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen will.

Doch gerade im öffentlichen Raum, also da, wo die Gefahr einer Infektion mit Sars-CoV-2 sehr groß ist, gibt es selten die Möglichkeit, der Handhygiene nachzugehen. Und Desinfektionsmittel ist in diesen Zeiten ungefähr so schwer zu bekommen wie Klopapier. Wer nicht zufällig vor einer (meist kostenpflichtigen, sonst vermutlich widerlichen) öffentlichen Toilette steht, wenn er oder sie Händewaschen möchte, sitzt also auf dem Trockenen.

Der Tropenmediziner Christian Kleine von der Missioklinik Würzburg hat daher nun angeregt, öffentliche Stationen zum Händewaschen einzurichten. Kleine war vor seiner Rückkehr nach Deutschland mit Ärzte ohne Grenzen auf dem afrikanischen Kontinent im Einsatz, unter anderem im Kongo und Liberia. Dort hat er Menschen für den Kampf gegen das Ebola-Virus ausgebildet.

Im Gespräch mit "Zeit Online" sagte Kleine am Sonntag: "Das Erste, was die liberianische Regierung getan hat als Reaktion auf Covid-19, war Stationen zum Händewaschen einzurichten." Im ganzen Land seien Eimer aufgestellt worden, in denen sich Wasser und Seife oder eine niedrig dosierte Chlorlösung befänden.

Keine Keimschleuder

Wenn ihr jetzt denkt: Igitt, da waren ja schon Hundert womöglich verseuchte Hände vor mir in dem Eimer – dann solltet ihr Kleines Ausführung lesen: Demnach werden die Hände nicht im Eimer gewaschen, sondern mit dem Eimer.

"Öffnet man ein Ventil (am Eimer, d. Red.), kommt etwas Wasser heraus und man kann sich die Hände damit waschen", sagte Kleine der "Zeit". Solche Eimer könnten vor Supermärkten stehen, in U-Bahnstationen, an Tankstellen oder vor öffentlichen Gebäuden. In Deutschland habe er solche Händewasch-Stationen noch nicht gesehen.

Kleine kritisiert: "Es wird viel gepredigt, dass sich jeder die Hände waschen soll. Nur wo? In der Öffentlichkeit sehe ich keine Möglichkeit dafür."

Eine Handwasch-Station in Liberia zu Zeiten der Ebola-Epidemie.
Eine Handwasch-Station in Liberia zu Zeiten der Ebola-Epidemie.Bild: imago images / ZUMA Press

Der Vorteil solcher Stationen wäre, dass jeder, der Gebäude oder Geschäfte betritt, vorher die Möglichkeit bekommt, sich die Hände zu waschen. In Krankenhäusern und öffentlichen Einrichtungen wird ein ähnliches Verfahren bereits angewandt: Dort stehen Spender mit Desinfektionsmittel.

Bitte Abwischen

Händewaschen sei allerdings nur eine Säule der Infektionsbekämpfung, so der Tropenmediziner. Weil das Coronavirus nach derzeitigem Wissensstand hauptsächlich über Tröpfcheninfektion verbreitet wird, empfiehlt Kleine das Desinfizieren von relevanten Oberflächen im öffentlichen Raum, etwa in Treppenhäusern.

Treppengeländer, Rolltreppenhandläufe oder Fahrkartenautomaten sollten mehrmals täglich abgewischt werden. "Im Einzelnen mag es das geben, aber in der Fläche habe ich das noch nicht beobachtet", so der Mediziner über den Umgang hier in Deutschland.

(pcl)

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