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Fasten im Ramadan: Muslimin verrät Schwierigkeiten – und welche Tricks helfen

Das abendliche Festmahl in familiärem Kreis ist für viele Muslim:innen das Highlight des Tages (Symbolbild).
Das abendliche Festmahl in familiärem Kreis ist für viele Muslim:innen das Highlight des Tages (Symbolbild).Bild: iStockphoto / ferlistockphoto
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Fasten im Ramadan: Muslimin verrät, was die Schwierigkeiten sind – und welche Tricks helfen

23.03.2023, 11:5619.04.2023, 11:37
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Kurz nach dem Frühlingsstart beginnt am Abend des 22. März für Millionen von Muslim:innen die jährliche Fastenzeit Ramadan, die bis zum 21. April dauert. Gläubige, die den Ramadan begehen, dürfen vor Sonnenuntergang nichts essen, nichts trinken, nicht rauchen und keinen Sex haben. Es gibt aber Ausnahmen von der religiösen Pflicht zum Fasten, zum Beispiel für Kinder, Kranke, Schwangere und Reisende. Am Ende gibt es ein großes Fest des Fastenbrechens, Eid al-Fitr oder auch Zuckerfest genannt.

Selin (Name v.d.Red.geändert), ist eine 21-jährige Muslimin aus Bayern. Watson erzählt sie, wie sie das Fasten im Ramadan erlebt und welche Herausforderungen es dabei gibt.

"Was der Ramadan für mich bedeutet? Der Ramadan ist eine ganz besondere Zeit für gläubige Muslime, die das Fasten durchziehen. Es hört sich vielleicht komisch an, aber es ist eine sehr besinnliche Zeit, wo sich jeder auf sich konzentriert und seinen inneren Frieden findet. Während des Ramadan fokussiert man sich auf andere Sachen. Man achtet zum Beispiel mehr darauf, wie man redet oder mit wem man etwas beredet, also dass man nicht lästert. Man ist auch ein bisschen aktiver, was das Religiöse angeht und betet regelmäßiger.

Vor dem Abendessen wird traditionellerweise gebetet.
Vor dem Abendessen wird traditionellerweise gebetet.Bild: iStockphoto / ferlistockphoto

Während des Ramadan findet man wieder mehr zu sich selbst, verbindet sich aber auch miteinander. Es geht um Gemeinschaft: Gleichgesinnte kommen zusammen, auch viele Verwandte aus anderen Städten kommen zu Besuch, und alle essen zusammen. Das ist richtig schön.

"Man merkt erst während des Ramadan, wie viel man aus Gewohnheit isst."

Ich habe das erste Mal mit zehn oder elf Jahren gefastet. Da habe ich 'Teilzeitfasten' gemacht, so haben wir das genannt. Meine Schwester und ich haben also einen halben Tag gefastet, damit wir uns daran gewöhnen. Das erste Mal so richtig gefastet habe ich mit 14 Jahren.

Ob einem das Fasten schwerfällt, kommt darauf an, in welcher Phase des Ramadan man sich befindet. Am Anfang ist man immer hoch motiviert und tut sich nicht so schwer, weil es die ersten Tage sind. Manchmal fällt einem das Nicht-Trinken schwerer und manchmal das Nicht-Essen. Es kommt immer darauf an, was man davor gegessen oder getrunken hat. Wenn man am Abend davor viel Cola getrunken hat zum Beispiel, kriegt man morgens schnell Durst. Aber man passt sich relativ schnell an und weiß irgendwann auch: Was muss ich essen, damit es mir am Tag danach bestmöglich geht. Aber es ist generell tagesabhängig, wie schwer das Fasten fällt.

Ich finde, man merkt erst während des Ramadan, wie viel man aus Gewohnheit isst. Also gar nicht, weil man Hunger hat, sondern einfach, weil man etwas in der Hand haben oder den Mund bewegen muss.

Der normale Tagesablauf im Ramadan ist so: Man steht frühmorgens vor der Morgendämmerung auf, isst etwas – es gibt einen Zeitpunkt, wo man fertig gegessen haben muss – und danach betet man. Ich schaue immer, dass ich relativ kurz vor knapp esse, damit ich dann noch Zeit zum Schlafen habe. Im Studium ging das eigentlich immer ganz gut, da habe ich eigentlich die meiste Zeit bis Mittag geschlafen. Abends gibt es dann erst wieder zum Sonnenuntergang Essen.

Wenn ich am nächsten Tag nicht früh raus muss, bleibe ich vom Fastenbrechen bis zum Sonnenaufgang wach und esse zwischendurch. Wenn ich weiß, dass ich am nächsten Morgen zur Arbeit muss, dann esse ich beim Fastenbrechen und stehe kurz vorm Sonnenaufgang auf und esse da kurz noch einmal etwas.

Abends kommt während des Ramadan die Familie zum Essen zusammen.
Abends kommt während des Ramadan die Familie zum Essen zusammen.Bild: iStockphoto / ferlistockphoto

Der Tag vergeht dann relativ schleppend, vor allem die ersten Tage, weil die Zeit nicht vergeht. Vor allem, wenn man nicht arbeitet, zieht sich das ein bisschen. Man ist auch tagsüber meistens noch ein bisschen angeschlagen oder müde und schwach. Das ist ja klar, wenn man nichts isst und nichts trinkt.

"Es passiert auch immer mal wieder, egal ob am Anfang, Mitte oder Ende, dass man aus Versehen etwas isst."

Die beste Ablenkung ist schlafen. Das kann man natürlich nicht immer machen. Ich gehe zum Beispiel oft mit meiner Schwester spazieren, die auch fastet. Das ist zwar ein bisschen anstrengend, aber die Zeit vergeht viel schneller. Denn meistens kommen die Hungerattacken so eine Stunde vor dem Fastenbrechen.

Es passiert auch immer mal wieder, egal ob am Anfang, Mitte oder Ende, dass man aus Versehen etwas isst, weil man sich zum Beispiel einen Finger mit Essen dran abschleckt. Es steht aber geschrieben, dass das überhaupt nicht schlimm ist, weil man ja nicht absichtlich etwas isst oder trinkt. Wenn das Fasten aber richtig bewusst gebrochen wurde, dann muss man damit aufhören.

Man muss auch dazu sagen, das Fasten ist nicht dazu da, um die Leute zu quälen oder dass sie sich da durch irgendwas durchkämpfen, sondern es geht auch darum, ein bisschen Selbstbeherrschung zu erlernen. Meine Mama hat zum Beispiel Schwierigkeiten mit dem Fasten, weil sie Migräneanfälle kriegt, wenn sie nichts isst. Deshalb ist es schon vorgekommen, dass sie das Fasten abbrechen musste. Wenn es gesundheitlich oder körperlich nicht geht, dann muss man es lassen.

Beim Fastenbrechen gibt es viele Leckereien.
Beim Fastenbrechen gibt es viele Leckereien.Bild: iStockphoto / ferlistockphoto

Am Abend des Ramadan ist dann das Iftar, das Fastenbrechen und da zählt man wirklich die Minuten, bis es so weit ist. Nach dem Fastenbrechen fängt eigentlich der Tag erst richtig an, habe ich das Gefühl. Denn dann hat man wieder Energie, man isst zusammen und das ist die schönste Zeit des Tages oder auch der schönste Monat, weil so viele Familienmitglieder und Freunde zusammenkommen. Man hat also einen Monat lang jeden Abend ein Festessen. Am liebsten breche ich mein Fasten mit Datteln. Das "richtige" Essen ist mir eigentlich egal. Viel mehr freu’ ich mich auf meinen Kaffee und die Süßigkeiten danach.

"Man steht bestimmt mindestens fünfmal auf, um zur Toilette zu gehen, weil man so viel getrunken hat."

Man kann aber trotz des vielen Essen ganz gut schlafen, weil man einfach oft müde ist und den ganzen Tag ohne Energie irgendeiner Tätigkeit nachgehen musste. Aber man steht bestimmt fünfmal auf, um zur Toilette zu gehen, weil man so viel getrunken hat und den ganzen Tag über nicht.

Ich habe während meiner Werkstudentenzeit gefastet, da habe ich auch relativ viel gearbeitet. Es war meinen Arbeitgebern auch bewusst, dass ich faste. Ich habe manchmal gesagt: 'Mein Kopf macht gerade nicht mehr mit, ich brauche kurz etwas länger.' Ich bin jemand, der Zucker braucht, um sein Gehirn auf Trab zu bringen. Wenn ich nichts esse, merke ich schon, dass die Konzentration ein bisschen herunterfährt. Aber ich habe das offen kommuniziert und es war kein Problem.

"Das Zuckerfest ganz am Ende ist eine Belohnung, aber es ist auch ein bisschen traurig, dass der Ramadan vorbei ist."

Ich habe schon oft die Frage gehört: Ist das nicht ungesund, gar nichts mehr zu essen und zu trinken? Ich habe aber das Gefühl, dass der Körper das sogar will und dass man sich wieder wohler fühlt, weil man weiß, wann man wirklich Hunger hat und wann nicht. Dieses Gewohnheitsessen fällt auch nach dem Ramadan noch eine Zeit lang weg.

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Lustige Kommentare kommen oft von Nicht-Muslimen, die nicht fasten. Da kommt dann typischerweise so was wie: 'Bei uns im Keller sieht Allah nicht, wenn du isst.' Oder: 'Mach Türen und Fenster zu und trinkt etwas, das sieht ja keiner.' Oft zieht man sich aber auch gegenseitig unter Fastenden auf, wenn man aus irgendwelchen Gründen rumzickt. Da sagt man: 'Okay, die braucht jetzt etwas zu essen.'

Das Zuckerfest ganz am Ende ist eine Belohnung, aber es ist auch ein bisschen traurig, dass der Ramadan vorbei ist. Man hat auch eine Zeit lang nach dem Ramadan immer kurz diesen kleinen Schock beim Essen: Darf ich eigentlich gerade essen oder nicht? Das ist ein ganz komisches Gefühl, so eine Leere. Aber relativ schnell spielt sich der Alltag wieder ein, und alles ist auf Anfang. Man versucht aber, ein bisschen was vom Ramadan für sich in den Alltag mitzunehmen."

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