Mit Kindern im Restaurant zu essen kann eine Herausforderung sein. ein Restaurant an der Ostsee hat die Kleinen nun komplett verbannt.
Mit Kindern im Restaurant zu essen kann eine Herausforderung sein. ein Restaurant an der Ostsee hat die Kleinen nun komplett verbannt. Bild: www.imago-images.de / Maskot

Restaurant verbannt Kinder – heftige Kritik: "Stellt einen gesellschaftlichen Tiefpunkt dar"

21.04.2022, 17:49

Viele Leute kennen die Situation: Man möchte nach einem anstrengenden Tag in einem Restaurant abends schön essen gehen und abschalten – doch das quengelnde Kleinkind am Nachbartisch verdirbt einem die Stimmung. Oder andersherum: Man möchte mit der ganzen Familie essen gehen, aber sobald eines der Kinder Pieps macht, strafen die anderen Gäste einen mit bösen Blicken.

Kinder und Restaurants passen nicht mehr zusammen: So sieht es Ricarda Biebl, die in ihrem Wirtshaus "Schipperhus" deshalb eine harte Maßnahme ergriffen hat – hier sind nur noch Kinder ab 12 Jahren erlaubt. Die Schuld an der Misere gibt die Wirtin teilweise den Eltern.

In diesem Restaurant sind Kinder verboten

Kinder, die mit Buntstiften die Wände bemalen, barfuß mit sandigen Beinen den Tisch hochklettern und oben mit Tomatensoße herumkleckern, gab es davor auch in dem Wirtshaus an der Ostsee – die Gegend um Dierhagen ist schließlich ein beliebtes Ferienziel für Familien.

Doch auch andere, kinderlose Gäste wollten ihren Urlaub an der Ostsee genießen und dabei nicht von lauten Kindern beschallt werden. Bitten darum, die Kinder ruhig zu halten, kamen laut Ricarda oftmals nicht gut an. "Wir wurden wüst beschimpft – wie eigentlich immer, wenn wir etwas sagen", berichtete die Wirtin der "Bild"-Zeitung. "Das große Problem sind nicht die Kinder – sondern die Eltern! Es gibt nur noch wenige, die sich wirklich um die Erziehung ihrer Kinder bemühen. Die meisten saßen hier und guckten ins Telefon, während ihre Kinder schreiend durchs Lokal rannten", beklagt sie sich.

Maßnahme sorgt für anonymen Hass im Netz

Wirtin Ricarda Biebl entschloss sich deshalb zu der radikalen Maßnahme: "Familien mit Kindern unter 12 Jahren werden bei uns nicht mehr bewirtet", steht in einer kleinen Anmerkung auf der Website der Wirtschaft. Die Inhaberin erzählte "Bild", dass sie große Angst vor dieser Maßnahme gehabt hatte – "obwohl Hotels für Erwachsene oder Spa-Bereiche ab 16 Jahren das Normalste der Welt sind."

Und die Sorge der vierfachen-Mutter war nicht unbegründet: Seitdem nur noch Kinder ab 12, Jugendliche und Erwachsene Zutritt zum Wirtshaus haben, hagelt es ihren Angaben zufolge Kritik und Beleidigungen.

Negative Google-Bewertungen von Eltern

"Familien mit Kindern unter 12 Jahren dürfen nicht in diesem Restaurant speisen. Hunde dürfen aber bestimmt rein. Bravo, das stellt wirklich einen gesellschaftlichen Tiefpunkt dar", echauffierte sich ein Gast im Netz. Diese Anschuldigung ließ die Inhaberin nicht auf sich sitzen: "Hunde toben nicht unbeaufsichtigt durch das Restaurant während des Aufenthaltes", konterte sie.

"Kinder unter 12 sind am Abendtisch unerwünscht. Das ist an Arroganz und Ignoranz kaum zu übertreffen", schrieb ein Anderer aufgebracht.

Liest man sich das Feedback zum Restaurant auf Google durch, fällt schnell auf: Die meisten 1-Sterne-Bewertungen wurden von wütenden Eltern verteilt, denen der Service verweigert wurde und die sich nun über "Diskriminierung" aufregen.

"Wir werden als Kinderhasser beschimpft"

Stefan Biebl-Piesker, Ricardas Ehemann und Koch im "Schipperhus" erzählte der Zeitung, dass der anonyme Hass nur noch schwer auszuhalten sei: "Wir werden als Rassisten beschimpft, als Kinderhasser. Einer fragte, wie unser Geschäft überlebt – ob wir nachts noch anschaffen gehen." Sogar über einen Verkauf des Geschäfts habe das Paar bereits nachgedacht.

Kinderlose Gäste freuen sich über das "ruhige Ambiete"

Doch ihre Maßnahme trifft auch auf viel positive Resonanz: Einige Gäste freuen sich neben dem guten Essen auch über das "ruhige Ambiente" ohne quengelnde Kinder. "Die Wirtsleute haben sich diese Entscheidung sicher nicht leicht gemacht und sie haben meinen Respekt", schrieb ein Gast solidarisch. "Die betroffenen Eltern sollten einmal in sich gehen und lieber Selbstreflexion betreiben, anstatt unsachlich auf die Wirtsleute loszugehen."

(fw)

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