Man muss seine Kinder nicht immer mögen, findet unsere Autorin.
Man muss seine Kinder nicht immer mögen, findet unsere Autorin.Bild: iStockphoto / Hakase_
watson-Kolumne

Mutter redet Klartext: "Warum ich mein Kind auch mal scheiße finden darf"

23.01.2022, 13:1623.01.2022, 17:16

"Schonungslos ehrlich" – die Mama-Kolumne ohne Insta-Filter

Unterhalte ich mich mit anderen Eltern, wird öfters mal gemeckert, wie unerträglich das eigene Kind gerade sei. Weil es sich vielleicht in einer Entwicklungsphase befindet. Das Beschweren geht jedoch immer nur bis zu einem bestimmten Punkt. Dann rudern sie zuverlässig zurück. Der Tenor gegen Ende: "Naja, so sind sie halt, die kleinen Mäuse." Als sollte ich bloß nicht denken, sie würden ihr Kind – aka die kleine, im Grunde ja doch süße Maus – hassen.

"Und trotzdem gibt es fast täglich Situationen, in denen sie mich nicht nur nerven, sondern in denen ich sie richtig scheiße finde – ohne Einschränkung."

Die Journalistin Alexandra Zykunov hat es mal sehr treffend bei Instagram beschrieben. Dort beschwert sie sich nämlich nicht nur viel über das Patriarchat sondern auch über das Leben mit Kindern und die damit einhergehende Belastung. Am Ende einer solch ehrlichen Beschwerde schrieb sie dann, sie sei es satt, immer hinterherschieben zu müssen, dass sie ihre Kinder natürlich trotz allem liebe.

Unsere Autorin berichtet über die unschönen Seiten des Mutterdaseins – schonunglos ehrlich.
Unsere Autorin berichtet über die unschönen Seiten des Mutterdaseins – schonunglos ehrlich.bild: emmy lupin studios
Unsere Autorin...
...wurde mit Anfang 30 Mutter. Und kommt noch immer nicht damit klar, dass ihr altes, schönes Leben seitdem vorbei ist. Sie ist wütend, dass Eltern nie den Mut hatten, zu erzählen, was es wirklich bedeutet, ein Kind zu haben. Aus diesem Grund legt sie alle zwei Wochen den Finger in die Wunde – und berichtet schonungslos. Und weil sie weiß, dass Mütter sehr giftig werden können, wenn es um ihr Heiligstes geht, bleibt sie lieber anonym. Die täglichen Entrüstungsstürme ihres Sohnes reichen ihr völlig aus.

Genau so geht es mir auch. Würde ich meine Kinder nicht lieben, wäre ich schon längst in Therapie, um die Ursache dafür herauszufinden und die Problematik im besten Fall zu beheben. Also ja, ich liebe meine Kinder. Und trotzdem gibt es fast täglich Situationen, in denen sie mich nicht nur nerven, sondern in denen ich sie richtig scheiße finde – ohne Einschränkung. Und ich finde, Eltern haben das Recht, das vor anderen Eltern auch genau so zu formulieren, ohne dafür verurteilt zu werden.

Wenn ich meinen Sohn dreimal darauf hinweise, mit dem schweren Stein, der im Haus sowieso nichts zu suchen hat, bitte vorsichtig umzugehen und dieser dann prompt auf die Küchenfliesen knallt? Scheiße! Wenn er von der Kinderärztin einen Lutscher zur Belohnung angeboten bekommt und er ihn ihr wortlos aus der Hand reißt und wegläuft? Scheiße! Wenn er auch mit vier Jahren immer wieder fragt, wohin ich gehe, sobald ich den Raum verlasse? Scheiße!

"Tollpatschige, unachtsame Menschen waren noch nie mein Fall. Jetzt habe ich das Prachtexemplar zu Hause sitzen."

Tollpatschige, unachtsame Menschen waren noch nie mein Fall. Jetzt habe ich das Prachtexemplar zu Hause sitzen. Ich selbst bin kommunikativ, freundlich und hilfsbereit. Mein Kind dagegen spricht einfach nicht mit Menschen, die er nicht bereits seit Stunde Null kennt. Und eines war ich nie, ein Klammeraffe. Am liebsten würde ich schreien: Nein, ich mache keine Weltreise und bin ab sofort zwei Jahre on Tour. Ich laufe jetzt nach unten zur Wäsche und befinde mich dann Luftlinie 2,50 Meter unter dir!

Da ich schon dabei bin, ehrlich zu sein: Manchmal finde ich meinen Sohn auch richtig eklig. Wenn ich ihm den Hintern abwischen muss und beim Betreten des Badezimmers fast umfalle, weil es bestialisch stinkt. Wenn er, um mich zu ärgern, seinen Zeigefinger ins Ohr bohrt und anschließend grinsend zu mir sagt: "Soll ich Ohrenschmalz bei dir abschmieren?" Einfach nur widerlich. Und in dem Moment spielt es keine Rolle, dass Gestank und Worte von einem Menschen stammen, den ich selbst zur Welt gebracht habe.

Ich verstehe einfach nicht, warum ich mein eigenes Kind milde betrachten sollte. Natürlich handelt es sich um ein schutzbedürftiges, unvollständig entwickeltes Wesen und ich kann beruhigen, ich würde ihm nie sagen, dass er sich gerade so verhält, wie wir früher nervige Kinder bezeichneten – als Arschlochkind. Aber mein Empfinden hat keine eingebaute Kinderbremse. Eines kann ich sicher sagen: In meinem bisherigen Leben als Mutter habe ich schon jede Emotion durchlaufen, von ganz oben bis zum Tiefpunkt.

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