Robert Habeck fordert in Deutschland lebende Personen dazu auf, Energie zu sparen.
Robert Habeck fordert in Deutschland lebende Personen dazu auf, Energie zu sparen.Bild: dpa / Britta Pedersen
Exklusiv

Wirtschaftsminister Habeck ruft zum Energie-Sparen auf – Forderung spaltet Menschen in Deutschland

01.07.2022, 15:29

Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine betreffen Menschen in Deutschland aufgrund der gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise schon länger in ihrem Alltag. Doch seit gut zwei Wochen ist Energiesparen die Devise – und das nicht nur aufgrund der hohen Preise.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte nach verminderten Gaslieferungen Russlands dazu aufgerufen, bereits im Sommer Energie, und damit Gas, einzusparen. Damit soll im kommenden Winter, sollte die Liefersituation sich noch verschlechtern, die Gasversorgung in Deutschland für alle – Privathaushalte und Wirtschaft – gewährleistet werden.

Auch wenn es im Falle von Versorgungsengpässen die Privathaushalte zuletzt treffen würde, denn sie gehören zu den geschützten Kunden und für sie würde die Gasversorgung im Zweifelsfall zuletzt eingestellt: Bürgerinnen und Bürger müssen laut Experten damit rechnen, dass die Energiepreise weiter steigen.

Robert Habeck geht beim Energiesparen mit gutem Beispiel voran: Er habe seine tägliche Duschzeit nochmal deutlich verkürzt, sagte er vor Kurzem im Magazin "Spiegel". Schließlich ist das Duschen, zumindest über den Sommer, eine der wirksamsten Methoden, um Energie (und damit Geld) zu sparen.

Denn: Eine tägliche Dusche von acht Minuten kostet rund 450 Euro im Jahr. Die Duschzeit zu halbieren, kann daher ein erster wirksamer Schritt sein. Doch was halten in Deutschland lebende Menschen von dem Sparaufruf? Sind sie bereit, für ein hehres Ziel persönliche Einschränkungen in Kauf zu nehmen?

In einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsunternehmen Civey im Auftrag von watson durchführte, beantworteten die Teilnehmer folgende Frage: Wie bewerten Sie die Aufforderungen von Wirtschaftsminister Robert Habeck, Energie zu sparen, um im kommenden Winter die Versorgung aller deutschen Haushalte zu gewährleisten?

Knappe Mehrheit unterstützt Habecks Sparkurs

Und die Antwort lautet: Rund 52 Prozent der Deutschen unterstützen die Aufforderungen von Robert Habeck, Energie zu sparen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. 34 Prozent der Befragten gaben ihre Einstellung zu den Sparmaßnahmen sogar als "sehr positiv" an. Ob dies wirklich aus Solidarität, wie von Habeck gefordert, oder eher aus Sorge um steigende Eigenkosten geschieht, bleibt dabei unklar.

Negativ standen dieser Forderung insgesamt 36 Prozent der Befragten gegenüber, davon 9 Prozent "eher negativ". 27 Prozent lehnten das Soli-Sparen gänzlich ab und beantworteten die Frage mit "Sehr negativ". Grundsätzlich scheinen die Befragten eine klare Haltung zum Thema Energie sparen zu haben, denn unentschieden waren lediglich 12 Prozent.

Zustimmung vor allem bei Anhängerschaft von Grünen und SPD

Ausgewertet nach Wahlabsicht ergab sich 90 Prozent Zustimmung unter den Wählern der Grünen. Wähler der SPD stimmten mit 71 Prozent dafür, 35 Prozent der Anhänger der FDP beantworteten die Frage mit Zustimmung. Für die Ampelkoalition ist das wohl in der Gesamtheit als positiv zu bewerten.

Doch auch bei Wählern der Opposition kassiert der grüne Wirtschaftsminister noch eine solide Unterstützung seiner Sparansage: CDU/CSU-Anhänger bewerten ihre Einstellung zum Energiesparen zu 45 Prozent als positiv, 41 Prozent sind dagegen.

Bei den Wählern der Linken steht das Energiesparen nicht so hoch im Kurs: Hier beläuft sich die Zustimmung nur noch auf 31 Prozent, dagegen ist eine Mehrheit von 59 Prozent. Wähler der AfD sehen in Habecks Energiesparkurs keine Lösung und geben mit 89 Prozent eine deutliche Absage. Nur 6 Prozent der AfD-Wähler sind bereit, aus Solidarität Energie zu sparen.

Je älter, desto mehr Zustimmung

Die höchste Zustimmung erreicht Habecks Energiesparpolitik in den jüngsten und den ältesten Altersgruppen: 51 Prozent der 18-29-jährigen Befragten, und sogar 57 Prozent der Befragten im Alter über 65 Jahren reagierten mit Zustimmung. Die Befragten im Alter zwischen 30 und 49 Jahren stimmten mit 47 Prozent für das Energiesparen, ab 50 stieg die Zustimmung noch mal um drei Prozentpunkte auf die Hälfte der Befragten an.

Ob das Ergebnis der Altersauswertung wohl Rückschlüsse darauf ziehen lässt, dass ein Teil der älteren Befragten sich noch an die Ölkrise der 70er Jahre erinnert? Auch damals waren Tempolimits, autofreie Sonntage, weniger Heizen und alternative Energiequellen schon mal Thema – und die Debatten ähnlich wie heute. Anlass war der Nahostkonflikt und die dadurch verursachte Ölpreiskrise.

Leere Autobahnen wegen der Ölpreiskrise in den 70ern.
Leere Autobahnen wegen der Ölpreiskrise in den 70ern.Bild: dpa / Werner Baum

Als der Nahostkonflikt eskaliert, nutzen die OPEC-Staaten ihre neugewonnene Hegemonie als Druckmittel: Sie verkündeten, dass sie so lange jeden Monat fünf Prozent weniger Öl fördern würden, bis die Israelis sich aus den besetzten Gebieten zurückziehen. So wurde auch damals das Energiesparen zur Bürgerpflicht und ein neues Bewusstsein entstand – für globale Zusammenhänge und Abhängigkeiten. Denn zum ersten Mal wurde deutlich: Energie ist Sicherheitspolitik.

In den urbanen Gebieten mehr Zustimmung zum Sparen als auf dem Land

Je dichter besiedelt eine Region, desto positiver werden die Aufrufe des Wirtschaftsministers wahrgenommen. In Regionen mit sehr niedriger Bevölkerungsdichte stimmen 45 Prozent der Befragten fürs Sparen. Die Zustimmung steigt kontinuierlich an, in den Gebieten mit mittlerer Bevölkerungsdichte stimmt bereits mehr als jeder Zweite positiv für das Energiesparen. In Gebieten mit sehr hoher Bevölkerungsdichte, also in den Städten, sind es 61 Prozent.

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