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Fragen der Liebe

Liebe und Dating: Schnell verliebt und schnell gelangweilt – was dahintersteckt

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Kaum kennengelernt und schon knistert es gewaltig: Wer sich schnell verknallt, kennt das.Bild: pexels / Katerina Holmes
Fragen der Liebe

Schnell verliebt und schnell wieder gelangweilt – was steckt dahinter?

04.02.2024, 08:23
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Es gibt Menschen, die sich immer wieder verlieben. Die nach nur einer intensiven Unterhaltung mit einer fremden Person direkt Schmetterlinge im Bauch spüren und von Seelenverwandtschaft sprechen. Und das immer wieder. Verbirgt sich dahinter ein tieferliegendes Muster?

Wir haben darüber mit Dr. Nasanin Kamani gesprochen. Sie ist Ärztin auf dem Gebiet Psychiatrie und Psychotherapie sowie Buchautorin ("Date Education", EMF Verlag).

Nasanin Kamani Dating Liebe Expertin
Expertin in Sachen Liebe: Nasanin KamaniBild: privat

Was löst überhaupt die ständige Verliebtheit aus? "Da können einige Faktoren eine Rolle spielen", sagt die Ärztin.

Verlieben als paradoxe Vermeidungstaktik

Manchmal fehle die grundsätzliche Bereitschaft für eine "lang anhaltende Beziehung mit Tiefe". Dann würden die Betroffenen lieber "von einer aufregenden Kennenlernphase zur nächsten" springen, betäubten sich im "emotionalen Rausch" anstatt an ihrer offenbar vorliegenden Angst vor Verbindlichkeit und Nähe zu arbeiten, erläutert die Therapeutin.

"Sollten Ruhe und Sicherheit in familiären Bindungen oder in prägenden Partnerschaften gefehlt haben, ist es möglich, dass ich diese als langweilig oder befremdlich empfinde."
Expertin Nasanin Kamani

Für manch eine:n ist diese Art des schnellen Verliebtseins auch eine Taktik, ganz andere Probleme im Leben zu übergehen. "Das Verlieben kann eine unterbewusste Strategie sein, um andere Emotionen abzuwehren, etwa innere Leere und Identitätsprobleme, Depressivität, Ängste und Selbstwertkonflikte", weiß Kamani.

Auch frühere Beziehungserfahrungen sowie Mechanismen aus der Kindheit tragen zum Drang nach ständig neuer Romantik bei. Wer Drama gewöhnt war, fühlt sich in einer ruhigen Liebesbeziehung dann paradoxerweise unruhig. Das geschieht oftmals unbewusst. Die Ärztin führt aus:

"Sollten Ruhe und Sicherheit in familiären Bindungen oder in prägenden Partnerschaften gefehlt haben, ist es möglich, dass ich diese als langweilig oder befremdlich empfinde und mich lieber wiederholt in intensive Gefühlszustände versetze"

Ein vierter großer Faktor sei das Selbstwertgefühl. Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl würden dazu neigen, andere Personen "zu idealisieren und auf ein Podest zu heben". Wenn diese Zuneigung dann auch noch auf Gegenseitigkeit beruht, "fühlt man sich für eine gewisse Zeit stark, erfüllt und selbstbewusst", erklärt die Therapeutin. Und das kann süchtig machen.

Ein Dopaminrausch, der beim Abflachen zur Trennung führt

Ständig Verliebte erleben also immer wieder aufs Neue das freigesetzte Dopamin einer anfänglichen Verliebtheitsphase. So schnell wie diese Gefühle jedoch aufflammen, erlöschen sie auch wieder.

Dann kann es richtig wehtun, warnt Kamani: "Insbesondere, wenn der Zugang zu einer guten Selbstfürsorge, mit authentischen sozialen Beziehungen, Hobbys und ähnlichem fehlt, um die Situation gesund zu bewältigen."

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"Seit wann bist du Single?" "Seit gestern!" Der nächste Liebeskick wartet nicht lange.Bild: pexels / Yan Krukau

Daher machen sich die Betroffenen dann, oftmals unterbewusst, gleich wieder die Suche nach dem nächsten Liebesrausch und deuten jedes kleine Signal von einem für sie attraktiven Menschen als Flirtversuch. Ein Teufelskreis.

Übrigens sind nicht nur Singles von dieser Form der "Liebessucht" betroffen. Auch innerhalb einer Beziehung kann es sein, dass eine Partei sich sprunghaft immer wieder fremdverknallt. Wer das an sich beobachtet, kann sich laut der Ärztin ein paar hilfreiche Fragen stellen, zum Beispiel diese:

"Wie fühle ich mich aktuell in meiner Partnerschaft, womit bin ich zufrieden, was stört mich? Stehe ich meinem Partner emotional nah und wenn nicht: Woran liegt das? Hat die Kommunikation nachgelassen, gemeinsame Unternehmungen, die Intimität?"

Wenn die Beziehung einem wichtig ist, lohnt es sich, diese Gefühle als Anlass zu nehmen, in den oder die Partner:in sowie sich selbst hineinzuhorchen "und an der Bindung zu arbeiten, statt dem Gefühlsrausch nachzugehen", sagt Nasanin Kamani.

Echte Liebe oder nur die Sucht nach Dopamin?

Dass man sich auch einmal rauschhaft verliebt, ist normal. Doch welche Warnzeichen deuten darauf hin, dass man Opfer eines Musters ist?

"Sollte ich merken, dass ich mich immer dann emotional distanziere und die Bindung infrage stelle, sobald die anfängliche Verliebtheit nachlässt und das aufregende Kennenlernen in eine verbindlichere und damit auch ruhigere Phase übergeht, dann könnte das auf tieferliegende Ängste hindeuten", erklärt Kamani.

Diejenigen sollten sich fragen, ob sie bereit sind, sich längerfristig auf eine andere Person einzulassen. "Falls ich das im Grunde möchte, mich aber jedes Mal 'entliebe', sobald der Gefühls-Kick abflaut, lohnt es sich, näher hinzusehen", empfiehlt die Therapeutin weiter. Diesen Kreislauf könnte man gegebenenfalls mit therapeutischer Hilfe durchbrechen.

Tipps für chronisch Vielverliebte

Es gibt aber auch Möglichkeiten, dem eigenen Muster selbstständig entgegenzuwirken. Kamani rät:

"Sollte ich feststellen, dass ich mich nur dann glücklich und erfüllt fühle, wenn ich mich gerade verliebt habe, vielleicht sogar ein wenig süchtig nach dem Verliebtheits-Kick bin, kann es helfen, mir eine ganz bewusste Auszeit vom Flirten und Dating zu nehmen".

So können chronisch Vielverliebte herausfinden, wie sich das Leben ohne diesen ständigen Gefühlsrausch anfühlt. Die Therapeutin empfiehlt, während dieser Zeit genauer in sich selbst hineinzuhören. Was fehlt? Sind da unverarbeitete Verletzungen? Gibt es andere Dinge, wie Hobbys oder die Familie, die zu Freude und innerer Balance verhelfen könnten und vernachlässigt wurden?

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Häufig ermöglicht erst der Abstand einen klaren Blick auf die eigentlichen Bedürfnisse und die Erkenntnis: Auch andere Dinge im Leben können so schön sein, wie das Gefühl des Sich-Verliebens. Sie kommen nur etwas subtiler daher.

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