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Fragen der Liebe

Liebe und Beziehung: Wann Neid in der Partnerschaft zum Problem wird

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Wenn der Lieblingsmensch etwas besitzt, was man selbst gerne hätte, wird es kompliziert.Bild: iStockphoto / fizkes
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Auf Gehalt oder Charisma: Ist Neid in der Partnerschaft normal?

31.12.2023, 10:01
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Neid ist ein Tabuthema, denn niemand fühlt ihn gern. Das Gefühl, sich selbst zu degradieren, indem man auf Eigenschaften oder Besitztümer anderer neidisch ist, ist dabei stets präsent. Besonders dann, wenn innerhalb einer sonst liebevollen Bindung das Gefühl von Neid aufkommt.

Auch wenn der Neid eine menschliche Grundemotion darstellt, kann er uns zu merkwürdigen Selbstzweifeln bringen. Meist konkurriert man unter dem Antrieb von Neid mit Menschen auf der Arbeit oder im Freundeskreis. Dort kann er sowohl antreiben als auch hemmen.

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Doch was, wenn man ausgerechnet auf die Person neidisch ist, mit der man ein gemeinsames Leben plant? Mit der Person, mit der man nachts das Bett und morgens den Frühstückstisch teilt? Kann das dann überhaupt Liebe sein?

Wir sprachen über die Auswirkungen und Präsenz von Neid in Partnerschaften mit Christian Hemschemeier. Er ist Diplom-Psychologe und arbeitet als Paar- und Singletherapeut und Autor.

Psychologe Paartherapeut Christian Hemschemeier
Psychologe Christian HemschemeierBild: privat / Christian Kerner

Neid innerhalb einer Beziehung kann unterschiedliche Gründe haben: Status, Ausstrahlung, Optik, Familienverhältnis, Einkommen (besonders mit Blick auf den Gender Pay Gap ein großes Thema), oder auch die treue Freundesgruppe. Von kaum einer anderen Person bekommt man so tiefe Einblicke in das jeweilige Leben, wie von dem Partner oder der Partnerin. Dass Neid innerhalb einer Partnerschaft also keine Rarität darstellt, ist demnach verständlich.

Aber keine Sorge, wenn du schon einmal Neid in einer Liebesbeziehung empfunden hast. Das schlechte Gewissen ist hier nicht (immer) notwendig. Die Frage ist nämlich – wie so oft – wie man mit dem Neid umgeht.

Tatsächlich drückt Neid nur das Begehren nach etwas aus, was einem selbst fehlt. Das muss nicht immer mit Missgunst einhergehen, sondern kann innerhalb einer romantischen Beziehung auch bedeuten, dass man eine Eigenschaft oder ein Attribut an dem anderen bewundernswert findet.

Neid auf Eigenschaften, die man selbst gern hätte

Laut einer Studie von Elitepartner (2020) werden vor allem soziale Fähigkeiten und Charakterzüge der Partnerin oder des Partners beneidet. Weniger geht es um Geld oder Besitz. Besonders häufig tritt das Gefühl von Neid auf, wenn es um die positive Lebenseinstellung, das selbstbewusste Auftreten, das Allgemeinwissen und den Humor des Partners oder der Partnerin geht.

Aber auch viel Freizeit, Sportlichkeit und eine interessante Lebensgeschichte sind Neid-Themen. Laut Christian Hemschemeier kommt der Neid allem voran in dem Bereich auf, "in dem man selbst den größten Mangel erlebt".

"Neid heißt 'nur': Da hat jemand etwas, was ich auch gerne hätte."
Psychologe Christian Hemschemeier

Auf den Neid folgt jedoch oft schnell das schlechte Gewissen. Denn im Grunde wollen die meisten ja großherzig sein und den Erfolg des liebsten Menschen feiern – ohne jegliche negative Emotionen. Doch wie kann es überhaupt sein, dass Neid in einer Beziehung entsteht? Schließlich konkurriert man doch in einer Liebesbeziehung nicht, sondern agiert als Team.

Primeval Caveman Wearing Animal Skin Trying to make a Fire with Bow Drill Method. Neanderthal Kindle First Man-Made fire in the Human Civilization History. Making Fire for Cooking.
Antriebsfeder des Fortschritts: Der Nachbar hat Feuer? Das will ich auch!Bild: iStockphoto / gorodenkoff

"Neid ist eines der großen Grundgefühle des Menschen", erklärt Psychologe Christian Hemschemeier. "Die Grundgefühle kann man nicht einfach abschalten, wenn man in einer Beziehung oder Freundschaft ist", fährt er fort. "Emotionen entstehen evolutionär vor unserem Denken und sollen uns helfen."

Das macht den Neid somit nicht gleich zu einem blinkenden Warnsignal in einer Beziehung. "Neid heißt 'nur': Da hat jemand etwas, was ich auch gerne hätte". Viel mehr kommt es auf den Umgang mit den Gefühlen an. "Die entscheidende Frage ist: Wie gehe ich damit um?", erklärt er weiter.

Heißt viel Neid auch wenig Liebe?

Das Gefühl von Neid heißt also nicht gleich, dass man seinem Partner oder seiner Partnerin etwas missgönnt oder sogar an der Liebe zweifeln muss. "Ich kann sagen, 'Ich bin neidisch' und gleichzeitig gönnen. Dann ist alles gut. Gehe ich aber ins Ego und Nicht-Gönnen, dann hat es mit Liebe nichts mehr zu tun", erklärt der Psychologe.

"Zugeben, dass man neidisch ist – wenigstens innerlich – hilft schon sehr."
Psychologe Christian Hemschemeier

Neid an sich schmälert also nicht die Qualität der Liebe? "Nein", sagt Hemschemeier deutlich. "Der Umgang mit diesem Gefühl sagt aber schon gewaltig etwas aus. Ich darf neidisch sein. Wenn ich meinem Partner aber Erfolg nicht gönne, dann wird es schwierig."

Doch wie distanziert man sich von Neid, wenn man sich deswegen schlecht fühlt? Selbstbewusst dazu stehen, meint der Therapeut: "Ganz einfach. Ich gebe liebevoll und mit lockerem Ton zu: 'Boah, ich bin echt neidisch! Will ich auch!'"

Wann wird Neid gefährlich für die Beziehung?

Erst wenn das eigene Ego ins Spiel kommt, wird es für die Beziehung brenzlig. "Der Umgang mit Neid ist total easy, wenn man das Gefühl vom Nicht-Gönnen trennt", erklärt er. "Dann braucht man nichts zu unterdrücken. Wenn man aber nicht gönnen kann, dann hat man ein Ego-Problem".

Unterhaltsam: Auch der Thriller "Fair Play" widmet sich dem Thema.Video: YouTube/Netflix

Dabei, gibt er zu bedenken, wisse man doch eigentlich:

"Nur weil ich meinem Partner etwas nicht gönne, bekomme ich nicht mehr. Im Einzelfall kann das mal schwierig sein. Einfach zuzugeben, dass man neidisch ist – wenigstens innerlich – hilft schon sehr."

Denn es ist doch so: Mit niemandem sonst teilt man eine gute Nachricht, ob beruflich oder privat, lieber, als mit der oder dem Partner:in. Daher sollte es fairerweise auch eine Selbstverständlichkeit sein, dass wir uns für einen nahestehenden Menschen freuen – selbst wenn gleichzeitig auch ein wenig Neid aufkommt...

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