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Discounter Netto wirbt mit nackten Tatsachen: Vage Erklärung vom Supermarkt

Weniger ist mehr. Oder: Wenn nichts mehr geht, dann halt nackt.

So oder so ähnlich dachten wohl die Werbestrategen des Discounters Netto bei der Erstellung ihrer neuen "Nackte Tatsache"-Kampagne, die seit dieser Woche auf zahlreichen Plakatwänden und in Werbekatalogen zu sehen ist.

"Kaufe unverpackt, spare Plastik" heißt es in den Anzeigen. Ohne genauer zu erklären, warum das Model neben dem Slogan eigentlich nackt sein muss. Eine Erklärung für die Motiv-Auswahl findet sich auch auf der Website des Discounters nicht. Dort heißt es lediglich, dass Netto mit der Aktion Kunden zum plastikfreien Einkauf anregen wolle.

In den sozialen Netzwerken waren wenige angeregt. Eher erregt. Allerdings vor Wut. Zahlreiche Nutzer warfen dem Discounter eine sexistische Kampagne vor. Der Discounter selbst äußerte sich zunächst nicht öffentlich zu der Kritik.

Auch die Konkurrenz von Netto bemühte sich in der Vergangenheit, den eigenen Plastikverbrauch zu reduzieren. Keiner setzte allerdings Nacktmodels ein. In der Werbung führen nackte Protagonisten in Kampagnen regelmäßig zu Beschwerden beim Deutschen Werberat, der sexistische Beiträge rügen kann. Finanzielle Folgen hat eine solche Rüge für ein Unternehmen jedoch nicht. Zumindest nicht direkt.

Die Hoffnung des Werberats besteht darin, dass durch die öffentliche Rüge Medien negativ über die jeweilige Kampagne berichten – und der erhoffte Werbeerfolg so ausbleibt. Ob das wiederum klappt, entscheidet nur einer: der Kunde.

Der Deutsche Werberat erklärt gegenüber watson, dass es seit Freitag circa 90 Beschwerden zu der Werbekampagne von Netto gegeben habe: "Wir haben das Unternehmen zu einer Stellungnahme aufgefordert, so besagt es die Verfahrensordnung. Wir wollen dem Unternehmen die Chance geben, sich zu äußern." Nun warte man die Frist ab, die in der Regel eine Woche betrage. Das sei das einzige, was der Werberat aktuell zu dem Verfahren sagen könne.

Folgende Szenarien seien dann möglich: Wenn Netto Einsicht zeigt und die Werbung zurückzieht, werde das Verfahren beendet. Wenn nicht, erhalte das Unternehmen die Chance die Werbekampagne entsprechend zu ändern. Wenn es dem nicht nachkomme, entscheide in letzter Instanz das Gremium des Deutschen Werberats, ob die Werbung weiter beanstandet und im Zweifelsfall öffentlich gerügt werde.

Auch watson hat den Discounter um eine Stellungnahme gebeten, wie es zu der diskussionswürdigen Werbeaktion gekommen ist.

Netto antwortete am Montag zunächst, dass man mit bis zu 100 unverpackten Obst- und Gemüseartikel die größte Auswahl in der Discounterlandschaft anbiete. "Netto setzt sich in seinem Sortiment nachhaltig zur Plastikreduktion ein. Wir gehen dem Verpackungsmüll in der Obst- und Gemüseabteilung mit 'nackten Tatsachen' an den Kragen: Seit dem 14. Oktober 2019 zeigt Netto für zwei Wochen mit unserer Unverpackt-Kampagne auf humorvolle, polarisierende Art, wieso weniger manchmal mehr ist: Weniger Hülle bedeutet in der Obst- und Gemüseauswahl weniger Plastikmüll."

Die Hüllen ließen in der Marketingkampagne auch die Models fallen: "Bei einem weiblichen und selbstverständlich auch bei einem männlichen Modell: Umweltschutz geht jeden an und ist gleichberechtigt! Mit Witz und einem provokanten Augenzwinkern zeigt Netto, warum mehr 'Nacktheit' in der Frischeabteilung wichtig ist und macht damit auf das gesellschaftlich relevante Thema aufmerksam." Das Thema unverpacktes Obst und Gemüse stehe visuell im Fokus der Kampagne und die Posen der Models seien bewusst humorvoll inszeniert mit einer positiven Wortwahl.

(as/pb)

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Ab jetzt AfD-Osten? So ein Quatsch!

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