Leben
beautiful young woman warming her hands on the street in winter

Im Winter kann dein Körper ganz schön leiden (Symbolbild). Bild: Getty Images

Die Nase läuft, der Rücken schmerzt: Das macht Kälte mit deinem Körper

Der Winter ist wie der grummelige, unbeliebte Onkel unter den Jahreszeiten: Erträglich ist er nur, wenn du schon eine Tasse Glühwein intus hast.

Was in der Theorie wie eine traumhafte Winterlandschaft aussieht, ist in Wahrheit ein grau-matschiges Brachland mit eisigem Wind und zu viel "Last Christmas" im Radio: So richtig wohl fühlt sich im deutschen Winter wohl kaum jemand.

Zudem hat die Kälte einen immensen Einfluss auf deinen Körper: Abgesehen davon, dass du dich häufiger erkältest und gefühlt ständig müde bist, erlebst du vielleicht weitere körperliche Reaktionen im Winter, die du dir nicht so recht erklären kannst. Ein paar davon im Überblick:

Deine Nase läuft, sobald du raus gehst

Die Temperaturen draußen sind bei nahezu null Grad, aber es hilft nichts: Du musst vor die Tür. Sobald du nur ein paar Schritte gegangen bist, läuft deine Nase wie ein kaputter Wasserhahn – obwohl du ansonsten keine Anzeichen von Schnupfen zeigst.

Das liegt daran, dass deine Nase versucht, die kalte Luft aufzuwärmen, bevor sie in deine Lungen eintritt. Dabei wird auch mehr Sekret produziert, denn kalte Luft hat in der Regel eine geringere Feuchtigkeit als warme, erklärt Mediziner David King auf dem Wissenschaftsportal "The Conversation". Auch warme Heizungsluft kann die Schleimhäute austrocknen. Deswegen reagiert die Nase mit einer erhöhten Schleimproduktion, sagt Katharina Stölzel, leitende Oberärztin an der Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde-Klinik der Charité, gegenüber dem "Tagesspiegel".

Gegen zu trockene Heizungsluft hilft regelmäßiges Lüften und feuchte Handtücher oder ein Schälchen mit Wasser auf der Heizung. Auch kannst du dir überlegen, einen Luftbefeuchter zu besorgen. Gegen die Schniefnase helfen allerdings nur Taschentücher.

Deine Augen tränen

Ähnlich wie deine Nasenschleimhäute könnten auch deine Augen im Winter gereizt werden: Dann tränen sie besonders stark. Zu diesen "Reflextränen" komme es, weil die Luft bei Kälte meist sehr trocken ist, erläutert Gerald Böhme vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Trockene Heizungsluft könnte den Effekt verstärken. Wer unter trockenen und tränenden Augen im Winter leidet, sollte also auch auf ausreichende Luftbefeuchtung im Raum achten. Zur Not kannst du auch zu Augentropfen greifen. Frag in diesem Fall am besten in der Apotheke oder beim Arzt um Rat, welche Augentropfen für dich am besten geeignet sind. Böhme empfiehlt zum Beispiel Mittel mit Hyaluronsäure. Das liegt daran, dass Hyaluron Wasser bindet.

Du kriegst Mini-Stromschläge

Gerade im Winter passiert es häufig: Jedes Mal, sobald du einen Tür- oder Fenstergriff aus Metall anfasst, kriegst du eine gewischt. Auch diese Mini-Stromschläge lassen sich auf die trockene Luft zurückführen.

"Bei trockenem und kaltem Wetter enthält die Luft sehr wenig Feuchtigkeit", erklärt Meteorologe Matthias Habel gegenüber dem "Berliner Kurier". "Sie ist daher ein sehr schlechter elektrischer Leiter. Unser Körper lädt sich dann besonders gut und schnell auf, entsprechend häufiger und intensiver bekommen wir im Winter den unangenehmen Stromschlag."

Gesundheitlich bedenklich sind die Stromschläge übrigens nicht. Nur ein bisschen unangenehm.

Dein Rücken tut plötzlich weh

Wenn du durch die Kälte läufst, neigst du vielleicht dazu, deinen Kopf einzuziehen und deine Schultern anzuspannen: Das schützt dich zwar vor Kälte, sorgt allerdings auch für Verspannungen. Zudem führt Bewegungsmangel allgemein zu Rückenschmerzen – "sommers wie winters", sagt Orthopäde Frank Stehn.

Im Winter fällt es dir möglicherweise besonders schwer, den inneren Schweinehund zu überwinden. Damit ist die Kälte also nur ein indirekter Auslöser.

Wenn es dir zu kalt ist, draußen Sport zu treiben, kannst du auch zu Hause ein paar Yoga- oder Pilates-Übungen machen.

Das Herzinfarktrisiko könnte steigen

Eine schwerwiegendere Auswirkung der winterlichen Kälte auf deinen Körper könnte ein erhöhtes Herzinfarktrisiko darstellen. Dazu untersuchten Forscher der Lund Universität in Schweden mehr als 280.000 Menschen, die zwischen 1998 und 2013 einen Herzinfarkt erlitten. Die Ergebnisse der Studie zeigen: Bei Temperaturen von unter null Grad bekamen im Schnitt vier Menschen mehr einen Herzinfarkt als an Tagen mit über zehn Grad.

Das könnte daran liegen, dass sich bei Kälte deine Blutgefäße stärker zusammenziehen und dadurch der Blutdruck in deinem Körper steigt. Die meisten Menschen vertragen das gut, erklärt Moman Mohammad, einer der Studienautoren. "Bei Menschen mit atherosklerotischen Plaques in den Herzkranzgefäßen könnte das allerdings einen Herzinfarkt auslösen." Gesundheitlich vorbelastete Menschen könnten also stärker betroffen sein.

Ob ein direkter Zusammenhang zwischen der Kälte selbst und den Herzinfarkten vorliegt, können die Forscher allerdings nicht sagen. Auch hier könnte ein veränderter Lebensstil im Winter Auslöser sein. Deswegen solltest du auch im Winter darauf achten, dich genügend zu bewegen und dich nicht zu fett- und zuckerlastig zu ernähren.

Auch bei Kälte auf ausreichend Bewegung und Flüssigkeit achten

Kalte, trockene Luft und Heizungsluft können deinen Körper ganz schön fordern. Deswegen solltest du auch im Winter auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser und ungesüßten Tees achten. Das schützt deine Haut und deine Schleimhäute vor dem Austrocknen. Gemeinhin wird empfohlen, täglich zwei Liter Flüssigkeit zu dir zu nehmen.

Und selbst wenn es schwerfällt: Auch bei kaltem Wetter solltest du dich ausreichend bewegen. Ob du einen zügigen Winter-Spaziergang machst oder Übungen auf deiner Yoga-Matte zu Hause, bleibt dir überlassen. Beides kann aber Rückenschmerzen im Winter vorbeugen und deine allgemeine Gesundheit stärken.

(ak)

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