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Menschen warten in einer langen Schlange auf dem Gehweg am Corona-Testcenter des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes Hessen. Bild: dpa / Frank Rumpenhorst

Warten auf den Corona-Test: "Alle, die sich hier aufregen, können gleich gehen!"

Bisher infizierten sich in Deutschland rund 39.500 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus. Etwa 220 davon starben. In Italien sind es hingegen gut 74.300 bestätigte Fälle und 7.500 Tote. Dadurch kommt schnell die Frage auf, warum es hierzulande im direkten Vergleich viel weniger Corona-Todesfälle gibt als in anderen Ländern.

Die Antwort dazu fällt simpel aus: Prävention. "Wir machen extrem viel Labordiagnostik", erklärte Virologe Christian Drosten kürzlich bei einer Pressekonferenz. Demnach führten die Labore hierzulande jede Woche rund ein halbe Million Tests auf das Coronavirus durch. Oder anders gesagt: Auf Abstrich, folgt Abstrich, folgt Abstrich. Arbeit im Akkord. Will man meinen.

Leider bricht in so manchem Fall die Realität mit dem Bild. So auch bei einer Frau aus Stuttgart. In einem Leserbrief an "t-online" sprach sie über den langen Weg von den ersten Symptomen bis zum Corona-Test.

Es hat gut angefangen

Da die Symptome von Covid-19 denen einer Erkältung oder Grippe ähneln, ist es für viele Menschen schwierig, sie zuzuordnen. Telefonische Absprachen mit medizinischem Fachpersonal kann die Zuordnung erleichtern.

Die Frau berichtete:

"Nachdem ich Fieber bekam, rief ich auf Anraten meines Schwagers (Internist und Chefarzt) die Corona-Nummer an. Alles wirkte top organisiert."

Betroffene aus Stuttgart t-online

So ging ein Mitarbeiter mit ihr einen Fragebogen durch und kündigte den Besuch einer Ärztin an. Der kam ein paar Stunden später. Es folgte wieder ein Gespräch. Einen Abstrich gab es nicht. Stattdessen stellte die Ärztin eine Bedingung: Erst wenn der Erstkontakt als positiv bestätigt wird, gibt es eine Überweisung für einen Test.

Viele kranke Menschen

Einen Tag später, an einem Sonntag, wurde der Erstkontakt als positiv bestätigt und die Überweisung kam. Doch es folgte die nächste Hürde: Die Frau wurde zu einer Fieberambulanz überwiesen. Die öffnete allerdings erst am Montag, Termine waren ebenfalls nicht drin.

Als sich die Frau zu der Ambulanz aufmachen wollte, waren die Bedingungen nicht die besten für einen Auswärtstrip:

"Ich hatte 38,4 Grad Fieber, mir dröhnte der Kopf und die Gliederschmerzen waren stärker als am Vortag. Immerhin ließ der Husten nach. Also warf ich mir Paracetamol ein, und fuhr los."

Betroffen aus Stuttgart t-online

Um halb zehn Uhr morgens parkte sie auf dem Gelände der Fieberambulanz. Sie wurde gebeten, sich in eine Schlange zu stellen. Zwischen den Wartenden ein Abstand von 1,5 Metern. Klar, wo, wenn nicht da? "Hinter mir reihten sich immer mehr Menschen ein. Die meisten husteten und machten einen kranken bis sehr kranken Eindruck", schreibt sie. Die Stimmung war gedrückt.

Der Kampf um den Test

Über eine Stunde musste sie warten, bis sie in den Container gelangte, in dem die Corona-Tests gemacht werden sollten. Nach diversen Maßnahmen, Hände desinfizieren, Atemmaske aufsetzen, Versicherungskarte einlesen, sollte sie sich hinsetzen.

Die Betroffene bekam ein Formular und wurde nervös. Sie hatte Angst, dass die anderen das Formular schneller ausfüllen würden. Zittrig führte sie den Stift über das Papier. Plötzlich folgte der Gedanke, noch länger warten zu müssen.

"Ich merkte, wie mir die Tränen kamen."

Betroffene aus Stuttgart

Nach einer halben Stunde hörte sie, wie sich ein paar Männer vom Sicherheitsdienst vor dem Container über die Stuttgarterin lustig machten. Sie stand auf. "Alle, die sich hier aufregen, können gleich gehen! Müssen sich ja nicht testen lassen, die Deppen!“, sagte einer der Sicherheitsmänner und sie setzte sich wieder.

Nach einer weiteren knappen halben Stunde, kam sie dran. Vorbei war es aber nicht.

Wann kommen die Ergebnisse?

Beim Arzt folgten weitere Probleme. Nachdem er die Temperatur der Betroffenen gemessen hatte, sagte er, dass er sie nicht teste. Kein Fieber. Blöd nur, dass die Frau vorher mehrere Tabletten Paracetamol eingeworfen hatte, um ihre Krankheitssymtpome während der Wartezeit zu lindern. Sie weinte. Erklärte ihre Lage. Und der Arzt testete sie doch. Auf die Frage, wann die Ergebnisse kommen, sagte er:

"Wenn der Test positiv ist, werden Sie benachrichtigt. Wenn er negativ ist, sind wir nicht sicher... vielleicht dann auch. Es kann aber vier bis fünf Tage dauern"

t-online

Aktuell ist es schwierig

Die Schilderungen zeigen, wie sehr das Gesundheitssystem zu kämpfen hat. Und noch ist unklar, wie sich die Lage entwickelt. "Wenn das der Anfang ist, will ich nicht wissen, wie es weitergeht", sagt die Betroffene.

(tkr)

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