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Open-Ear-Kopfhörer: Die neuen Shokz OpenFit Air im Test

Shokz hat zwei neue Kopfhörer auf dem Markt gebracht.
Shokz hat zwei neue Kopfhörer auf dem Markt gebracht. bild: shokz
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Hype um Open-Ear-Kopfhörer: Wir haben die neuen Shokz OpenFit Air ausprobiert

05.06.2024, 14:32
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Als vor einigen Wochen in Berlin der Halbmarathon stattgefunden hat, haben sich allerlei Teilnehmer:innen den Regeln widersetzt. Der Internationale Leichtathletik-Verband hat das Tragen von Kopfhören bei Laufwettbewerben untersagt – dennoch ist eine überwältigende Anzahl mit Musik auf den Ohren gelaufen. Und viele von ihnen mit der Marke Shokz.

Das ließ sich allein deshalb gut erkennen, weil das Design aus der Masse hervorsticht: Die OpenRun-Kopfhörer verlaufen hinter dem Kopf und übermitteln den Ton durch Knochenschall-Technologie, bei der Vibrationen über die Wangenknochen direkt zum Gehörorgan geleitet werden.

2011 wurde Shokz gegründet, seit 2020 sind Kopfhörer auch in Deutschland vertreten. "Damals war Shokz noch ein Exot", sagt Thomas Zhang, Sales Manager in der Dach-Region von Shokz, der während der gesamten Vorstellung seine Kopfhörer um den Hals hängen hat, bei einem Presseevent Anfang Mai.

Shokz-Kopfhörer erleben einen Hype

Laut einer Marktforschungsanalyse von Frost & Sullivan ist Shokz im Hinblick auf das Verkaufsvolumen im Jahr 2023 die globale Nummer eins in den Bereichen Sport sowie Open-Ear-Kopfhörer gewesen. Das ursprünglich aus China stammende Unternehmen hat in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufstieg hingelegt und erlebt innerhalb der Sport- und Technikblase aktuell einen Hype.

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Am 5. Juni hat Shokz zwei neue Produkte auf den Markt gebracht: die Open Swim Pro, Multisport-Kopfhörer speziell für Athlet:innen. Und die OpenFit Air, ein massentauglicheres Modell, das für Sport und Lifestyle konzipiert wurde. Watson hat die OpenFit Air bereits vorab testen können.

Was sind überhaupt Open-Ear-Kopfhörer?

Vorerst: Was sind eigentlich Open-Ear-Kopfhörer und was hat Shokz damit zu tun? Open-Ear-Kopfhörer unterscheiden sich insofern von In-Ear- und Over-Ear-Kopfhörern, als der Gehörgang hierbei freilegt. Und darauf hat sich Shokz spezialisiert: Alle Modelle des Unternehmens sind Open-Ear-Kopfhörer.

Genauer muss zwischen der Knochenschall-Technologie und der Direct-Pitch-Technologie unterschieden werden. Die OpenFit Air, die wir getestet haben, funktionieren mit letzterer. Sie werden mittels Ohrbügel am Ohr fixiert und liegen gewissermaßen auf der Ohrmuschel.

Zu den Daten: Die OpenFit Air kosten 139 Euro und wiegen lediglich 8,7 Gramm. Der Akku hält mit einer einzigen Aufladung bei Musikwiedergabe sechs Stunden, bis 28 Stunden mit Ladeetui. Bei Gesprächszeit hält der Akku 4,3 Stunden und mit Etui bis 20 Stunden.

Bei dem Vorgängermodell, den 199 Euro teuren OpenFit, sei der Sound etwas besser, sagt Zhang. Diese sollen weiterhin zu kaufen sein. Ohnehin seien beide Modelle sehr ähnlich: "Gutes Design wollen wir natürlich beibehalten." Die Kopfhörer seien ein Allrounder, der ein breites Zielgruppenspektrum abdecken soll. Man habe sich, sagt Zhang, vor allem dem größten Verbesserungswunsch der Kund:innen anpassen wollen: dem Preis.

Die OpenFit-Air-Kopfhörer von Shokz im Test

Tatsächlich ist es erstaunlich, wie schnell sich der Körper an die Kopfhörer gewöhnt und sie nicht mehr als Fremdkörper wahrnimmt. Die Passform ist gleichzeitig eng am Ohr und bleibt auch beim Joggen stabil in der Position. Gerade im Vergleich zu regulären Kopfhörern ist das ein merkliches Update. Anders verhält es sich beim Sound.

Weil die Kopfhörer qua Design auf dem Ohr aufliegen, leidet die Soundqualität im Vergleich zu konventionellen Kopfhörern. Vor allem der Bass kommt hierbei an seine Grenzen, insgesamt kann der Sound bei bestimmten Passagen blechern und scheppernd klingen. Eine bessere Qualität erreicht man nur, wenn man die Kopfhörer in das Ohr drückt – nur lässt es sich so auf Dauer kaum laufen.

Die OpenFit Air sollen auch Lifestyle-Produkt sein.
Die OpenFit Air sollen auch Lifestyle-Produkt sein. bild: shockz

Und das ist das Problem: Die Kopfhörer werden nämlich nicht nur als Sportkopfhörer vermarktet, sondern sind laut Zhang auch im Lifestyle-Segment angesiedelt. Eine Rechnung, die so aber nicht aufgeht.

Die Shokz-Kopfhörer bedienen ein Untermarktsegment bei Laufkopfhörern, für Menschen, denen Sicherheit wichtig ist, die aber nicht so viel Wert auf die Klangqualität legen. Beim Laufen und vor allem beim Fahrradfahren ist es ein im Zweifel lebenswichtiges Feature, die Umgebung wahrzunehmen – das Alleinstellungsmerkmal von Open-Ear-Kopfhörern.

Open-Ear-Kopfhörer: Segment mit enormem Wachstum

Das stößt aber an seine Grenzen, wenn die Noise Cancelling gewöhnten Ohren plötzlich das erbarmungslose Rattern der U-Bahn in all seinen Oktaven wahrnehmen.

Auch gibt es Abweichungen in der Bedienung: Im alltäglichen Gebrauch ließen sich Lautstärke und Lieder problemlos über die Ohrhörer bestimmen. Beim Joggen kam es aber zu teils nervtötenden Komplikationen, wenn die Lautstärke partout nicht mehr zu reduzieren war oder die schweißnassen Finger von der Möglichkeit der passgenauen Bedienung zurückgewiesen wurden.

Insgesamt, sagt Zhang, hätten sich die Anforderungen der Nutzer:innen bei Kopfhörern verändert. Ein Bericht vom Halbleiterhersteller Qualcomm belegt, dass Tragekomfort und Preis die wichtigsten Kaufkriterien sind – vor Batterielaufzeit und Soundqualität.

"Die Menschen tragen immer länger ihre Kopfhörer, deshalb brauchen sie welche, die angenehm sind, gleichzeitig aber eine gute Klangqualität haben", sagt Zhang. Und gerade bei Open-Ear-Kopfhörern scheinen sich Kund:innen dabei abgeholt zu fühlen. Daten des deutschen Marktforschungsinstituts zeigen, dass der Absatz von Open-Ear-Kopfhörern im Jahr 2023 um 180 Prozent gestiegen ist.

"Kein anderes Segment wächst so schnell, wie das Wireless OpenEar-Segment", sagt Zhang. Es bleibt also abzuwarten, ob der Spagat zwischen Sport und Lifestyle künftig besser gelingt.

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