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Wird über Arbeitsverträge verhandelt, geht es häufig auch um die Befristung. Für Arbeitnehmer ein schwieriges Thema. Bild: Getty Images

Interview

Tipps zum Berufseinstieg: Was du über befristete Arbeitsverträge wissen musst

Die Zeiten, in denen Berufseinsteiger in einem Betrieb landen und dort die nächsten Jahrzehnte bleiben, sind längst vorbei. Heute sind befristete Stellen Alltag. Mal läuft ein Vertrag ein Jahr, mal zwei und manchmal auch nur ein halbes. Für Neulinge in der Arbeitswelt bedeutet das häufig ein Menge Unsicherheiten. Langfristig planen ist ebenfalls nicht drin. Es wird wohl kaum jemand einen Kredit für ein Haus aufnehmen, wenn er Angst davor hat, irgendwann zahlungsunfähig zu sein, weil der Arbeitsvertrag nicht verlängert wird.

Doch keine Sorge: Irgendwann muss ein Vertrag entfristet werden. Stellt sich nur die Frage nach dem Wann und Wie. Außerdem wäre es doch interessant zu erfahren, ob ein befristetes Verhältnis Vorteile für Arbeitnehmer bietet. Darüber sprachen wir mit dem Juristen Alexander Dubrovskij, der sich in der Kanzlei Gansel Rechtsanwälte unter anderem mit dem Thema Arbeitsrecht beschäftigt.

"Die Vorteile bei einem befristeten Arbeitsverhältnis liegen ganz klar beim Arbeitgeber."

watson: Wann muss mein Vertrag entfristet werden?

Alexander Dubrovskij: Es gibt im Teilzeit-Befristungsgesetz bestimmte Bedingungen, die eine Befristung einhalten muss. Dabei ist die kalendermäßige Befristung der wichtigste Fall. Zum einen ist da die sachgrundlose Befristung. Dabei muss, vereinfacht gesagt, nach einem bestimmten Zeitraum der Vertrag entfristet werden. Und dafür gibt es zwei Parameter: Einmal wäre da die Gesamtdauer von zwei Jahren. Darüber hinaus kann nicht weiter befristet werden.

Außerdem kann ein Vertrag nacheinander befristet werden, was oft als Kettenbefristung bezeichnet wird. Das darf aber nur dreimal passieren. Beide Parameter müssen im Zusammenspiel betrachtet werden. Zum einen dürfen mehrmalige Befristungen nicht den Zeitraum von zwei Jahren überschreiten und innerhalb dieser zwei Jahre darf der Arbeitgeber nicht viermal, etwa für sechs Monate, befristen.

Kann der Arbeitnehmer in bestimmten Fällen auch über zwei Jahre hinaus befristen?

Ja, hier kommt die Sachgrund-Befristung ins Spiel. Die kann ständig weiterlaufen, sprich das Arbeitsverhältnis kann immer wieder befristet werden. Dafür muss dann aber bei jeder erneuten Befristungsvereinbarung eine Begründung vorliegen – vor allem, wenn eine Befristung über viele Jahre hinweg erneuert wird. Natürlich muss hier genau geschaut werden, ob eine ständige Befristung nicht sogar rechtsmissbräuchlich ist. Der Angestellte kann die Befristung mit einer sogenannte Entfristungsklage auf Ihre Wirksamkeit gerichtlich prüfen lassen. Wie bei einer Kündigungsschutzklage beträgt die Frist zur Klageerhebung drei Wochen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

"Laut Teilzeit- Befristungsgesetz kommt es zu einer stillschweigenden Vertragsverlängerung, wenn der Arbeitgeber nicht widerspricht."

Wie sähe denn so ein Sachgrund aus?

Im Gesetz sind unterschiedliche Gründe genannt. Die zwei Hauptgründe in der Praxis wären etwa ein längerer Ausfall, bei dem eine Stellung mit einer Vertretung besetzt werden muss. Ein typisches Beispiel ist da die Elternzeitvertretung. Arbeitnehmer können bis zu drei Jahre in Elternzeit gehen, die Vertretung kann in diesem Fall also für denselben Zeitraum befristet eingestellt werden. Außerdem ist da noch die Frage nach dem Bedarf im Betrieb. Ist der zeitlich beschränkt, wäre das auch eine Begründung für eine längere Befristung.

Kann eine Entfristung nach Ablauf des festgelegten Zeitraums auch automatisch erfolgen oder muss diese immer vereinbart werden?

Theoretisch kann der Vertrag auch dadurch entfristet werden, dass der Arbeitnehmer nach Ende der Befristung mit Wissen des Arbeitgebers weiterhin zur Arbeit geht. Denn laut Teilzeit- Befristungsgesetz kommt es zu einer stillschweigenden Vertragsverlängerung, wenn der Arbeitgeber nicht widerspricht. Das machen aber die wenigsten. Normalerweise wird ein neuer Arbeitsvertrag geschlossen. Ist der Arbeitgeber jedoch unaufmerksam, kann er das durchaus vergessen.

Wessen Verantwortung ist es, eine Vertragsverlängerung anzusprechen?

Das kann man gar nicht so genau sagen. Streng genommen haben beide Vertragsparteien zur Sorge zu tragen, ob und wie sie das Arbeitsverhältnis verlängern wollen. Im besten Fall sollte vorher eine Lösung gefunden werden, damit alle Parameter eingebunden werden können. Handelt es sich bei einem Verhältnis etwa um eine kurzzeitige Befristung, sollte abgesprochen werden, dass dieser Zeitraum auch als Probezeit dient, damit im Anschluss keine weitere Probezeit im Arbeitsvertrag landet.

"Befristete Verträge haben keine gesetzlich festgelegten Kündigungsmöglichkeiten."

Wie lang darf die Probezeit bei einem befristeten Vertrag sein?

Das hängt nicht von der Befristung ab. Die Probezeit bleibt bei sechs Monaten.

Gelten dieselben Kündigungsfristen für befristete und unbefristete Verträge?

Nein. Das Gesetz sieht die Möglichkeit einer ordentlichen Kündigung nicht vor, verbietet diese jedoch nicht. Hier kommt es darauf an, was vertraglich oder tariflich festgelegt wurde. Das gilt aber nicht für außerordentliche Kündigungen, diese kann nicht ausgeschlossen werden. Dafür braucht es dann aber einen entsprechend wichtigen Grund, sodass das Arbeitsverhältnis nicht einmal zum Ende der Befristung weitergeführt werden kann.

Habe ich bei einer Entfristung ein Anrecht auf neue Vertragskonditionen?

In der Regel bleiben die Vertragskonditionen gleich. Natürlich gibt es die Möglichkeit, vertragliche Konditionen neu zu verhandeln, Pflicht ist das aber nicht.

Welche Vorteile haben befristete Verträge?

Die Vorteile liegen ganz klar beim Arbeitgeber. Durch Befristungen ist er flexibel, kann sich an seine betrieblichen Bedürfnisse anpassen und den Arbeitnehmer austesten, er kann das Risiko für Kündigungschutzprozesse minimieren. Für den Arbeitnehmer hingegen resultiert das in einer fehlenden Planungssicherheit. Gut, er wird nicht an den Arbeitgeber angebunden und kann schnell weg, wenn es ihm nicht gefällt. Aber gravierende Vorteile hat ein befristetes Verhältnis für den Arbeitnehmer nicht. Nicht umsonst werden befristete Verträge als „Schreckgespenst“ für Arbeitnehmer bezeichnet.

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