Hannah und Chris sind schon lange ein Paar – seit einigen Jahren auch in einer offenen Beziehung.
Hannah und Chris sind schon lange ein Paar – seit einigen Jahren auch in einer offenen Beziehung.privat
Liebe & Sex

Kann eine offene Ehe funktionieren? Ein Pärchen erzählt

20.11.2022, 08:53

Hannah Kerschbaumer, bekannt als ehemalige Bachelor-Kandidatin aus dem Jahr 2021, und ihr Partner Chris Sander sind eigentlich ein ganz normales Pärchen. Sie lieben sich und haben Sex miteinander – und manchmal eben auch mit anderen.

Die beiden leben seit einigen Jahren in einem Beziehungskonstrukt, von dem viele denken, dass es unmöglich ist: die offene Beziehung. In ihrem Fall sogar die offene Ehe. Auf Instagram thematisieren sie ihren Beziehungsstil auch öffentlich, auch wenn sie dafür viel Gegenwind in Kauf nehmen müssen.

watson hat Hannah und Chris gefragt, warum sie in einer offenen Ehe leben wollen, wie sie mit Vorurteilen umgehen und wie dieses Konzept ihre Ehe beeinflusst.

watson: Warum habt ihr euch entschieden, es öffentlich zu machen, dass ihr in einer offenen Ehe lebt?

Hannah Kerschbaumer: In einem Gespräch mit einer Bekannten von mir habe ich erwähnt, dass ich in einer offenen Beziehung lebe. Sie fand das unglaublich spannend und war extrem interessiert, weil sie sich das gar nicht vorstellen konnte. Da ist mir aufgefallen, dass es noch Klärungsbedarf gibt und dass es interessant ist, unterschiedliche Lebensmodelle und Konstrukte aufzuzeigen. Und zu zeigen, dass man kein Freak ist, wenn man dieses Beziehungsmodell fährt. Ich habe dann ein Video dazu gemacht und das hatte sehr viele Aufrufe.

Habt ihr dieses offene Beziehungsmodell von Anfang an gehabt?

Hannah: Wir waren am Anfang monogam und das würde ich auch immer empfehlen, wenn mich jemand fragt. Um ein Fundament zu bauen. Später haben wir dann die Beziehung geöffnet.

"Falls ich mal Kinder haben möchte, könnte ich mir gut vorstellen, dass unsere Ehe zu dem Zeitpunkt geschlossen wäre."
Hannah Kerschbaumer über ihre offene Ehe

Und wie entscheidet ihr, ob eure Ehe gerade offen oder geschlossen ist?

Hannah: Also per se immer, wie es uns guttut, auf was wir gerade Lust haben und in welcher Lebensphase wir sind. Das ist zum Beispiel auch so in Zukunft, falls ich mal Kinder haben möchte, dann könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass unsere Ehe wahrscheinlich zu dem Zeitpunkt geschlossen wäre.

Wer von euch hatte denn nun die Idee, die Beziehung zu öffnen? Von wem ging der Impuls aus?

Chris Sander: Keiner spezifisch, das kam im Gespräch mit Freunden auf. Dadurch, dass wir das Thema allgemein hatten.

Hannah: Das kam immer wieder auf, das ist ein Berliner Thema gewesen, ähnlich wie mit dem KitKat Club: Man weiß, es gibt solche Fetisch-Parties und deshalb redet man darüber. Genauso haben wir über unterschiedliche Beziehungsmodelle gesprochen, wie Polyamorie und natürlich offene Ehen oder Beziehungen. Es war auch im Freundeskreis so, dass sich Leute zwar über alles geliebt haben, aber immer wieder fremdgegangen sind und sich danach getrennt haben. Und das war immer mit einem großen Fragezeichen von unserer Seite versehen: Wenn ihr euch liebt, warum trennt ihr euch dann? Also das war ein Ausrutscher, es war ein Fehler, aber es war halt auch nur Sex.

Johanna, du bist ja bisexuell. Spiel das Geschlecht eine Rolle, also darfst du nur mit Frauen Sex haben?

Chris: Nein, das Geschlecht ist ganz egal.

Habt ihr denn Regeln aufgestellt für die offene Beziehung?

Chris: Wir hatten uns schon von Anfang No-Gos und Sachen überlegt, die wir nicht wollen: zum Beispiel in den eigenen vier Wänden oder zum Beispiel mit Freunden oder Bekannten. Das waren allerdings alles Punkte, die aus unserer Sicht irgendwo selbstverständlich sind, aber trotzdem haben wir das natürlich durchdiskutiert. Und seitdem ziehen wir das so durch.

"Die Grundregeln: Keine Freunde, keine Bekannten, nicht zu Hause, natürlich Verhütung, jedes Date nur einmal."
Hannah Kerschbaumer über die Regeln ihrer offenen Ehe

Erzählt ihr euch denn gegenseitig, wenn ihr etwas mit einem anderen hattet?

Chris: Eigentlich nicht, das ist aber schon vorgekommen. Aber die Idee ist, dass wir uns das nicht erzählen. Hannah vor allem, sie will es nicht wissen. Aber das ist alles auch kein Dealbreaker.

Hannah: Genau. Also ich habe ganz viel Kopfkino und ich möchte keine Vergleiche, weil ich finde, dass man sich viel zu viel vergleicht und auch reininterpretiert. Deswegen habe ich von vornherein gesagt, dass ich es nicht wissen möchte. Aber wenn es besonders witzig war oder wenn irgendwas Interessantes passiert, haben wir natürlich schon drüber geredet. Aber in der Regel reden wir nicht darüber.

Dürft ihr denn eine Person mehrmals treffen?

Hannah: Nein, immer nur einmal. Das ist eine der Grundregeln: keine Freunde, keine Bekannten, nicht zu Hause, natürlich Verhütung, jedes Date nur einmal. Natürlich kommunizieren wir das vorher auch der anderen Person gegenüber.

"Jedes monogame Paar ist von Eifersucht geprägt. Nur, dass wir natürlich eine viel lockerere Einstellung dazu haben."
Chris Sander über offene Beziehungen

Hat sich eure Beziehung verändert, seit ihr sie geöffnet habt?

Hannah: Nein, nicht so wirklich. Wir mussten gucken, wie geht es uns dabei, es gab mehr Status-Updates. Da war mehr Kommunikation, manche Regeln wurden nachjustiert. Und dann hat das immer besser funktioniert. Und so ist es jetzt einfach das Normalste der Welt. Der größte Irrglauben der Leute ist, dass wir jeden Abend auf Tinder unterwegs sind, um das auszuleben. Aber das ist nicht so. Wir sind eigentlich nur in einer offenen Ehe für die Situation, wenn man sagt: Ich war auf der Party, ich hab jemanden kennengelernt, es war unglaublich toll und dann hätte ich gerne mit ihm oder ihr schlafen wollen, aber konnte nicht, weil ich in einer Beziehung war. Und genau für diesen Fall haben wir die offene Ehe. Das ist aber nicht jede Woche so.

Chris: Genau, es dominiert nicht den Alltag.

Wie geht ihr denn mit Eifersucht um?

Chris: Ich glaube, so wie alle anderen Paare auch. Jedes monogame Paar ist von Eifersucht geprägt. Nur, dass wir natürlich eine viel lockerere Einstellung dazu haben, weil wir viele Sachen für selbstverständlich nehmen. Also ich neige sowieso nicht sonderlich dazu und Hannah auch nicht.

Hannah: Nein. Aber wenn, spreche ich darüber oder sage: Ey, ich bin eifersüchtig. Dann reden wir darüber und dann ist es auch schon wieder passé. Aber wir sind nicht eifersüchtig aufgrund von irgendwelchen Dates. Wir würden es auch gar nicht mitbekommen, wenn der andere auf einem Date wäre. Das ist nicht so, dass ich mit meinem Hund beim Fernsehen sitze und er ist unterwegs und ich weiß, dass er heute Sex hat. Das passiert gar nicht, weil es eben situativ ist. Also wenn Chris zum Beispiel ein Geschäftsessen hat und da kommt eines zum anderen, dann ist es so.

Welchen Vorurteilen begegnet ihr denn so öffentlich mit eurem Beziehungsmodell?

Hannah: Wir sind nur eine Freundschaft plus, wir sind bindungsunfähig, es war eine Alibi-Hochzeit, um Steuern zu sparen. Dass wir moralbefreit sind, weil wir "rumpoppen wie die Hunde". (lacht) Ich liebe Social Media. Das ist auch ganz schön böse. Das kommt oft und ist absoluter Quatsch. Oh, und dass wir nicht verhüten.

"Es ist so, dass unsere Beziehung an oberster Stelle steht."
Hannah Kerschbaumer über ihre offene Ehe

Und was, wenn einer von euch beiden keine Lust mehr auf eine offene Ehe hat?

Hannah: Es ist so, dass unsere Beziehung an oberster Stelle steht. Und wenn ich oder Chris es nicht mehr möchte, dann können wir jederzeit das Beziehungskonstrukt komplett ändern. Es geht eigentlich nur darum, glücklich sein. Das vergessen die Leute ganz gerne, die darüber urteilen. Es ist total fine, dass sie ihre Meinung haben. Und ich bin halt glücklich. Ich bin happy, ich vertraue, ich liebe. Es ist einfach alles gut.

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Die Inflationsrate ist in den letzten Monaten immer weiter gestiegen. Im Oktober stieg sie auf 10,4 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit 1951 – seit mehr als 70 Jahren. Vergangene Woche veröffentlichte das Statistische Bundesamt den vorläufigen Inflationswert für den November. Der liegt bei plus 10 Prozent. Dass das Folgen hat, ist mittlerweile keine Neuigkeit mehr. Die Preise sind drastisch gestiegen. Die Deutschen sparen, wo sie können.

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