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Wie können Angehörige ihren erkrankten Partner unterstützen? (Symbolbild) Bild: Getty Images

Interview

Schwere Krankheit in der Beziehung: Wann das Kümmern belastend wird

Stundenlanges Warten mit einem geliebten Menschen in Behandlungsräumen, zittern vor Untersuchungsergebnissen, mit Krankenkassen telefonieren und dann noch waschen, putzen, kochen. Leidet jemand an einer schweren Erkrankung, müssen Angehörige oft doppelten Einsatz zeigen. Körperlich und emotional kann das zermürbend sein – auch wenn das nicht leicht zu akzeptieren ist.

Schließlich braucht jeder Mensch Zeit für sich. Und sei es nur, um etwas Kraft zu tanken. Denn die Diagnose einer schweren Erkrankung stürzt auch Angehörige zunächst in ein emotionales Chaos. Befinden sie sich mit dem Patienten in einer Partnerschaft, wird es zusätzlich kompliziert.

Schwere Krankheiten wie Krebs können die Beziehung belasten

Nicht ausschließlich, aber oft stellt eine Krebsdiagnose eine besondere Herausforderung für eine Partnerschaft dar. Die langwierige und schwere Erkrankung bedeutet eine psychische und körperliche Belastung – vor allem für den Betroffenen, aber auch für dessen Partner.

Die Psychologin Tanja Zimmermann beschäftigt sich seit einiger Zeit mit der Frage, wie sich solche schweren Erkrankungen auf eine Partnerschaft auswirken können. Im Gespräch mit watson erklärt sie am Beispiel Krebs, was Angehörige tun können, um einen erkrankten Geliebten eine Stütze zu sein, ohne sich selbst außer Acht zu lassen.

watson: Wie wirkt sich eine Krebsdiagnose auf die Partnerschaft aus?

Tanja Zimmermann: Da gibt es zwei Varianten. Zum einen kann sie die Bindung in einer Beziehung verstärken. Die Partner raufen sich zusammen und verlassen sich aufeinander. Angehörige können es als positiv und bedeutsam empfinden, für den anderen da zu sein. Für beide Seiten besteht so die Möglichkeit, aus der Situation gestärkt herauszugehen. Leider kann eine Krebsdiagnose aber auch negative Auswirkungen auf eine Beziehung haben.

Und wie sehen die aus?

Krebs kann eine permanente Belastung bedeuten. Dadurch kann sich das psychische Wohlbefinden der Betroffenen verschlechtern. Selbiges gilt für die Kommunikation. Denn gerade in Bezug auf Krebs fehlen einem schon mal die Worte, was ja nur zu verständlich ist. Wir haben schon häufiger beobachtet, dass sich bei Paaren nach einer Diagnose eine gewisse Sprachlosigkeit über Ängste und Sorgen entwickelt.

"In Bezug auf Krebs fehlen schon mal die Worte."

So ein Schicksalsschlag kann doch auch schnell zur Trennung führen.

In Studien zeigt sich keine höhere Trennungshäufigkeit im Falle einer Erkrankung. Das hängt auch damit zusammen, dass so ein Schicksalsschlag wie eine Krebsdiagnose zwei Menschen zusammenschweißen kann.

Bild

Tanja Zimmermann Bild: privat

Dabei ist wahrscheinlich auch entscheidend, ob und wie die Paare miteinander sprechen.

Natürlich. Für die Betroffenen ist es in der Regel das erste Mal, dass sie mit dem Thema konfrontiert werden. Gerade über Ängste wird da nur selten gesprochen. Zwar ist das verständlich, doch trotzdem sollten solche Themen nicht ignoriert werden – das gilt für Erkrankte und Angehörige gleichermaßen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sie sich entfremden. Um das zu vermeiden, empfehle ich über Ängste, Sorgen, aber auch positive Gedanken offen zu sprechen.

Besteht dabei nicht auch die Gefahr, dass Angehörige alles zu sehr ins positive Licht rücken?

Das passiert häufig. Zwar ist es gut gemeint, alles positiv zu betrachten, doch das kann auch zu Problemen führen. Hat jemand etwa Angst vor der Chemotherapie und der Partner versucht ihn ständig abzulenken, könnte sich dieser nicht ernst genommen fühlen. Deshalb ist es wichtig, eine Balance zu finden. Überhaupt nicht über die Erkrankung zu sprechen, ist genauso wenig hilfreich, wie sie den ganzen Tag zum Thema zu machen.

Gerade in Beziehungen spielt auch Fürsorge eine Rolle – bei einer Krebserkrankung umso mehr. Worauf sollten Angehörige achten?

Oft haben Angehörige das Gefühl, voll und ganz da für den anderen da sein zu müssen. Dadurch kann es passieren, dass der Partner in eine Art Bemutterungsrolle fällt. So beginnt er etwa darauf zu achten, dass der Betroffene seine Tabletten nimmt oder seinen Behandlungsterminen nachkommt. Das kann ihn auf Dauer nerven. Außerdem kann es bei Angehörigen vorkommen, dass sie jede Regung ihres Partners interpretieren.

Hilfe für Betroffene

Eine Krebsdiagnose reißt Patienten und Angehörige mit einem Schlag aus dem gewohnten Alltag. Das ist für beide Seiten schwer zu verarbeiten. Oft hilft es, mit Menschen in einer ähnlichen Situation zu sprechen, etwa um Erfahrungen auszutauschen. Die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung für Selbsthilfegruppen bietet eine Datenbank an, in der Betroffene gezielt nach Selbsthilfegruppen und ihre Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen suchen können.
Link: https://www.nakos.de/adressen/datenbanksuche/

Was meinen Sie damit?

Stöhnt der Betroffene etwa, interpretieren die Partner etwas hinein. Ob ihre Einschätzung richtig ist, wissen sie aber nicht. Da kann Fürsorge schnell unangenehm werden. Deshalb ist es wichtig, miteinander zu sprechen. Angehörige können ihre Beobachtungen schildern und nachfragen. Die andere Seite kann sich dann entsprechend äußern.

"Fürsorge kann schnell unangenehm werden."

Es gibt auch Menschen, die sich ihrem Partner im Falle einer Krankheit völlig hingeben. Inwieweit schaden sich Angehörige damit?

Das kann sich von Paar zu Paar unterscheiden. Wenn allerdings jemand seine eigenen Bedürfnisse vollständig in den Hintergrund stellt, kann es zur Trennung kommen. Menschen brauchen ihren Freiraum. Man kann sich nicht 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche um alles kümmern. Angehörige sollten entsprechend schauen, wo und wann sie sich erholen können. Das ist allerdings etwas, das sich viele nicht zugestehen. Sie wollen ständig da sein und das ist auf lange Sicht ungünstig.

Schwierig ist es auch, wenn Kinder involviert sind. Sollten sie über die Krankheit aufgeklärt werden?

Es ist besonders wichtig, die Kinder zu informieren. Schließlich bemerken auch sie, wenn etwas in der Familie nicht stimmt. Und in dem Punkt ist die Fantasie viel schlimmer als die Realität. Entsprechend müssen Eltern erklären, was aktuell passiert, was das bedeutet und dass die Kinder keine Schuld dran haben. Kinder haben oft ein egozentrisches Denken, also sie glauben, dass sie bestimmte Dinge beeinflussen. Sie suchen also den Fehler bei sich. Gerade deshalb sollten Kinder nicht außen vor bleiben.

Aktuell führt Tanja Zimmermann zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen eine Umfrage zum Thema Krebs in der Partnerschaft durch. Patienten und Angehörige können unter folgenden Links daran teilnehmen:

Angehörige:
https://ww2.unipark.de/uc/partnerschaft_angehoerige
Erkrankte:
https://ww2.unipark.de/uc/partnerschaft/

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