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Grundschullehrerin kündigt aus Erschöpfung – und gibt Eltern die Schuld

22.06.2019, 17:3822.06.2019, 18:17

Jessica Gentry ist Grundschullehrerin. Sie war Grundschullehrerin. Denn sie hat vor Kurzem ihren Job gekündigt. Weil sie es einfach nicht mehr ausgehalten hat.

Die junge Mutter aus Harrisonburg im US-Bundesstaat Virginia erläuterte ihre Beweggründe für diesen radikalen Schritt in einem Facebook-Post.

Viele würden wohl denken, sie hätte ihren Job wegen der schlechten Bezahlung verlassen. Doch das sei falsch.

Sie unterrichte leidenschaftlich gern, aber sie hätte es einfach nicht mehr ausgehalten.

  • "Die Kinder heutzutage haben sich verändert." Doch das sei falsch, schreibt Jessica: "Kinder sind Kinder. Eltern haben sich verändert. Die Gesellschaft hat sich verändert. Die Kinder sind nur die unschuldigen Opfer." Eltern arbeiteten zuviel, würden die ganze Zeit am Handy hängen und Kinder ihnen keine sichere Umgebung mehr geben. Kinder würden sich nur dort auffällig benehmen, wo sie sich sicher fühlten. Und das sei eben nicht mehr zuhause, sondern in der Schule. Denn dort würden ihnen zum ersten Mal Grenzen gesetzt.
  • "Mein psychisches und körperliches Wohlbefinden war jeden Tag gefährdet. Denn ich wusste, dass eure Kinder mehr verdienen, als sie bekommen. ...Mitanzusehen, wie sie mit schmutzigen Klamotten und aus einem chaotischen Zuhause in die Schule kommen...und zu wissen, dass ich ihnen in einer Klasse mit 20 anderen Schülern nicht mehr geben kann...das lässt einen zerbrechen."

Darum habe sie gekündigt. Sie habe einsehen müssen, dass sie diesen Kindern nicht helfen könne, wenn sie selbst daran zerbreche.

Jessicas Post wurde seit seiner Veröffentlichung am 13. Juni schon mehr als 210.000 mal geteilt.

Viele User, etliche Lehrerinnen darunter, kommentierten ihren Post voller Dankbarkeit:

"Das ist so wahr. Ich kann nicht nachvollziehen, wie Eltern denken können, dass immer die Schule verantwortlich ist. Wenn man Veränderung möchte, sollte die zuhause anfangen."
Facebook-Userin Connie Good Hess

In einem Interview mit "WHSV" sagte Jessica, dass es ihr so schwer gefallen sei, die Probleme in der Schule nicht mit in ihr eigenes Familienleben zu nehmen. "So viele trauen sich nicht, etwas zu sagen. Es geht nicht um die Bezahlung. Darum ging es nie und darum wird es nie gehen. Es geht um Respekt."

In Deutschland gibt es nach einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin keine andere Berufsgruppe, die so stark von psychosomatischen Krankheiten betroffen sei, wie Lehrer.

Ist es Zeit, dass wir auch hierzulande die Sorgen von Lehrkräften ernster nehmen sollten? Schreibt uns!

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