Breakdown unter dem Weihnachtsbaum? Immerhin sehen wir dabei gut aus.
Breakdown unter dem Weihnachtsbaum? Immerhin sehen wir dabei gut aus. Bild: iStockphoto / CentralITAlliance
Weihnachten

Ein Weihnachtssack voller Mental Load: Warum Geschenke immer Frauensache sind

20.12.2022, 18:26

Es ist wieder diese Zeit des Jahres: duftende Plätzchen und Punsch, Kerzen und Adventskalender, Weihnachtsfeiern und die Vorfreude auf Geschenke unterm Tannenbaum. Tagsüber arbeiten wir entspannt bei Weihnachtsmusik vor uns hin und abends sitzen wir gemütlich mit einer Tasse Tee vor einem Buch oder schauen "Tatsächlich Liebe". Genau so ist die Vorweihnachtszeit für die meisten überhaupt nicht. Und mit den meisten, meine ich: Frauen. Und vor allem Mütter.

Vielleicht haben Männer ja diese besinnliche Weihnachtszeit, von der immer so viel gesprochen wird, die man in allen Filmen und auf Instagram sieht. Wenn du es nur wirklich willst und genug Duftkerzen aufstellst, deinen Weihnachtspulli anziehst und eine Riesentasse Tee trinkst, dann kannst auch du eine entspannte Weihnachtszeit haben. Wenn nicht, selber Schuld. Da hast du wohl was falsch gemacht.

Das Versprechen einer besinnlichen Weihnachtszeit ist wohl die größte Lüge seit dem kapitalistischen Wohlstandsversprechen. Und auch hier: Wer es nur genug will, kann es schaffen. Wer es nicht schafft, ist selber schuld. Dass die gesellschaftlichen und politischen Strukturen dahinter der Kern des Problems sind? Geschenkt.

Ganz schön anstrengend, so eine Shopping-Marathon an Weihnachten!
Ganz schön anstrengend, so eine Shopping-Marathon an Weihnachten!pexels-leeloo-thefirst

Und wo wir schon bei Geschenken sind. Für die meisten Frauen ab einem bestimmten Alter und Verantwortungslevel bedeutet der Dezember Stress hoch drei und Mental Load mal hundert. Mental Load bedeutet übersetzt mentale Belastung, die "durch das Organisieren von Alltagsaufgaben entsteht, die gemeinhin als nicht der Rede wert erachtet werden". Das Schöne dabei ist: Dieser Stress ist unsichtbar und stört daher die Weihnachtsromantik und überhaupt das kapitalistische Bild einer sorgenden Weihnachtswunderland-kreierenden Frau oder Mutter nicht.

Beschenk dich doch selbst!

Die schmutzige Wahrheit dahinter? Der Wahnsinn beginnt für Mütter schon zwei Wochen vor dem "Stresszember" und zwar mit der Befüllung der Adventskalender für die Kinder.

Natürlich könnte man einen Kalender kaufen, aber erstens schmeckt die Schokolade meistens furchtbar, zweitens sind Kalender mit Bildern drin stinklangweilig und drittens wissen wir noch, wie sehr wir selbst als Kinder auf selbst gefüllte Adventskalender abgefahren sind. Also: kaufen. Da kann man immerhin auch ab und an mal eine Mandarine reinschmuggeln.

Die Organisation – oder bei manchen sogar das Basteln – der Adventskalender selbst, das Überlegen der 24 kleinen Geschenke, der Einkauf dessen und die Befüllung sind in vielen Fällen Angelegenheit der Mutter. Und das ist erst der Startschuss für einen ganzen Weihnachtssack an Erledigungen.

Meistens zum unpassendsten Zeitpunkt trudeln dann noch nach und nach die Anrufe ein. Von den Eltern: "Welches Weihnachtsgeschenk willst du? Und bei der Gelegenheit: Was wünschen sich der Partner, Kind eins, zwei, drei denn Schönes zu Weihnachten? Ach ja, und wenn du eh schon dabei bist, kannst du das nicht gleich selbst besorgen? Wir überweisen dann das Geld."

Wunschliste statt Weihnachtswunder

Dieser Anruf erfolgt dann noch ein weiteres Mal von den Schwiegereltern. Wahlweise auch von den Geschwistern und engsten Freunden, die natürlich ebenfalls Stress haben und sich keine zu großen Gedanken um ein schönes Geschenk für die Kinder oder den Partner machen wollen.

Also darf sich Frau nicht nur einmal für die ganze erweiterte Familie Weihnachtsgeschenke überlegen, sondern das alles in dreifacher Ausführung! Macht je nach Konstellation so an die circa 30 Geschenkideen. Die Geschenke unter dem Baum verdanken wir also keinem Wunder, schon gar nicht dem Weihnachtsmann, sondern meist einer Frau. Vielleicht wäre es Zeit, sich mal bei ihr zu bedanken statt bei einem alten weißen Mann mit Bart. Der wahrscheinlich das ganze Jahr nur herumliegt, Plätzchen isst und die Elfen für sich schuften lässt. Woher sonst kommt denn sonst dieser enorme Bauch?

Meine mentale To-do-Liste wird so lang, dass sich das Betriebssystem aufhängt. Mein Gehirn verpufft vor lauter Druck in mikroskopisch kleine Teile und ward nicht mehr zusammengeklaubt bis zum Ende dieser besinnlich-schaurigen Konsumschlacht.

Versteht mich nicht falsch: Ich finde es an sich gut, dass man vorher lieber fragt, womit man eine Freude machen kann, bevor man unnötiges Zeug verschenkt. Lieber weniger oder bewusster etwas verschenken, bevor das Zeug dann irgendwo herumliegt und verstaubt oder wieder zurückgegeben wird und somit noch mehr Arbeit verursacht. Aber warum müssen immer wir Frauen uns die Geschenke überlegen? Und das nicht nur für unsere Geschenke an die Familie, sondern in dreifacher Ausführung für alle Mitglieder unseres Haushalts.

Mir kommt es so vor, als würden viele meiner Angehörigen gar nicht erst versuchen, sich auch mal selbst Gedanken zu machen, was dem oder der zu Beschenkenden gefallen könnte. Lieber sofort nachfragen und die Aufgabe auf andere abwälzen. Wie praktisch.

Plätzchen backen mit Kindern macht Spaß, aber auch ziemlich viel Sauerei.
Plätzchen backen mit Kindern macht Spaß, aber auch ziemlich viel Sauerei.bild: pexels / алекке-блажин

Dass wir Frauen und Mütter gerade in der Weihnachtszeit noch einen riesigen Haufen anderer Dinge zu erledigen haben, bedenkt niemand. Den Adventskranz basteln oder besorgen, die Wohnung dekorieren, Wintersachen für die Kinder kaufen, Geschenke für den Nikolaustag organisieren, Plätzchen backen und Weihnachtsfeiern für die Kinder organisieren und besuchen sind nur einige davon. Dazu kommt oft noch die Betreuung der kranken Kinder in der Winter-, sprich Erkältungszeit, die den Mental Load nochmal schwerer macht.

Ganz ohne Weihnachtskitsch geht es auch nicht

Ja klar, ich höre schon den Einwand: Lass doch den ganzen Schnickschnack weg. Wer braucht schon Deko, selbst gebackene Plätzchen und Geschenke zu Weihnachten? Ist ein valider Einwand. Aber denk mal an deine eigene Kindheit und an Weihnachten, falls du das Glück hattest, all diese Dinge zu bekommen. Wie hat sich das angefühlt? Aha. Und würdest du das missen wollen? Ich nicht.

Und darum tue ich mir den ganzen Stress trotz allen Gemeckers dann doch an: Weil nichts glücklicher macht als Plätzchenduft oder Raachamannlrauch in der Nase oder das hypnotisierende Betrachten einer sich drehenden Pyramide um flackernde Kerzen. Weil diese tägliche Vorfreude der Kinder auf ihre Adventstürchen direkt nach dem Aufstehen Gold ist. Und weil ich den Menschen, die ich liebe, einfach gerne eine Freude bereite und sie mit Geschenken überrasche.

Klar, hier beißt sich das Rentier in die Nase, das ist mir bewusst. Denn das Beharren auf Geschenken unter dem Weihnachtsbaum bedeutet, dass ich selbst ebenfalls ein Opfer kapitalistischer Marketing-Genies bin, die aus dem Weihnachtsmann einen Coca-Cola-Truckfahrer mit einer Wagenladung Geschenke gemacht haben. Aber es geht mir nicht nur um Geschenke an Weihnachten.

Viele dieser weihnachtlichen Vorbereitungen können nämlich auch richtig viel Spaß machen, wenn man nicht permanent überlastet wäre. Mit ein bisschen Hilfe ginge das. Ich verlange dabei gar nicht viel. Niemand muss zum Plätzchenbacken vorbeikommen oder meine Wohnung schmücken.

Es würde mir reichen, wenn sich Freunde, Partner und Familie Mühe gäben, sich ihre Geschenke selbst zu überlegen und zu besorgen. Versucht es zumindest. Hört mal ein bisschen zu, wovon die Kinder erzählen, so schwer ist das meist nicht. Zapft eure eigenen Gehirnströme an, statt all die Denkarbeit routinemäßig an die Mamas zu schieben, die ohnehin schon all das alltägliche Aufgabenmanagement balancieren.

Und wenn ihr mir schon nicht bei den Geschenkideen helft, dann erlaubt mir doch endlich dieses Jahr einfach mal zu wichteln, in Drei-Christkinds-Namen! Damit ich auch mal ein bisschen Zeit für den Weihnachtsmarkt habe.

Supermarkt: Kult-Brauerei verbannt gleich mehrere Bier-Sorten

Pandemie, Inflation und Energiekrise haben so manchem Unternehmen in den letzten Monaten und Jahren geschadet. Viele Firmen sahen sich gezwungen, sich zu verkleinern und Kosten einzusparen – so auch die Oettinger Brauerei. Um sich über Wasser zu halten, musste sie in den letzten Monaten einige Maßnahmen ergreifen.

Zur Story