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Ein Traum aus Schokolade, Vanille und Erdbeere: das Fürst-Pückler-Eis. Bild: Getty Images

Meinung

Fürst-Pückler-Eis: Woher der Name kommt – und warum er nicht mehr zeitgemäß ist

Nicht selten sind Gerichte nach prominenten Personen benannt. Die Sachertorte nach dem Konditor Franz Sacher, der Bismarckhering nach dem Politiker Otto von Bismarck, der Kröplinkuchen nach dem Journalisten Tim Kröplin. Gut, letzterer existiert nicht. Anders als das Fürst-Pückler-Eis, dessen Namensgeber Fürst Hermann von Pückler-Muskau ist. Eine heute im Angesicht der gurken-, keksteig- und käsekuchenübersättigten Eisauslagen wohl eher bodenständige Variation.

Schokolade, Vanille und Erdbeere geschichtet, in einer Waffel serviert. In seiner Einfachheit ein Genuss. Doch woher kommt diese Kreation und wer war eigentlich Hermann von Pückler-Muskau? Dem gehen wir auf den Grund. Schnappt euch eine Pückler-Waffel, lehnt euch zurück und genießt den kleinen Exkurs in Geschichte.

Doch seid gewarnt: Gut möglich, dass euer Eis hiernach einen faden Beigeschmack bekommt.

Pückler, der Ästhet

Beginnen wir bei der Biografie. Fürst Hermann von Pückler-Muskau lebte von 1785 bis 1871 unter anderem in Muskau, Sachsen. Seiner Zeit war er Landschaftsarchitekt und Reiseschriftsteller. Auch soll er gerne gegessen haben, was in Anbetracht der Lebensnotwendigkeit dieser Tätigkeit nur bedingt überrascht.

Als Ästhet begeisterte er sich auf seinen Reisen für den englischen Schlosspark. So sehr, dass er seinen Schlosspark in Muskau nach seinem Vorbild anlegen ließ. Dafür verschuldete er sich stark, ließ einen Fluss umleiten, Bäume und auch Dörfer versetzen. Wie gesagt, er war Ästhet, kein Philanthrop. Sein Werk ist heute Weltkulturerbe. Zum problematischen Teil seiner Vita kommen wir später. Erstmal klären wir die Eisfrage.

Etwa ab 1854 führte er Tafelbücher, in denen er die Menüs sowie seine Gäste festhielt. Und genau dort stand das Fürst-Pückler-Eis nicht. Enttäuschend, aber wahr. Stattdessen ist es in einem Kochbuch des preußischen Kochs Ferdinand Jungius zu finden. Er erwähnte es 1839. Der Koch war eine Zeitlang an Pücklers Hof angestellt und widmete es seinem ehemaligen Arbeitgeber.

Ursprünglich bestand das Gericht aus Sahne, Zucker und Früchten. Aufgrund des hohen Fettgehalts gefror die Masse nur halb. Aus dem Dessert entwickelte sich später das Fürst-Pückler-Eis, das wir heute kennen. Wer letztlich für die Neuausrichtung verantwortlich ist, unklar. Einen Dank hätte er sich aber verdient.

Da wir die Namensherkunft nun geklärt hätten, kommen wir zum unangenehmen Teil.

Pückler, der Playboy

Der blaublütige Pückler galt nicht nur als Ästhet, sondern auch als Playboy – wäre er nicht reich gewesen, würde man wohl Lustmolch sagen. So soll er mit unzähligen Frauen diverser Gesellschaftsschichten ein Verhältnis gehabt haben. Eine hatte es ihm wohl besonders angetan. Auf seinen Reisen in den Orient lernte er auf einem Markt in Kairo die junge Machbuba kennen. Er verliebte sich in sie und zog mit ihr gemeinsam weiter.

Eine schöne Geschichte, fehlen nur ein paar kleine Fakten: Besagter Markt war ein Sklavenmarkt, die junge Machbuba zehn Jahre alt und "gemeinsam zogen sie weiter" bedeutet, dass er sie für hundert Taler kaufte, sie ergo keine Wahl hatte, als ihn zu begleiten.

Pückler beschrieb ihren Körper als üppig ausgebildet, ihren Geist aber als unbeschriebenes Blatt. Doch wie unbeschrieben mag es sein, wenn sie verschleppt und verkauft wird? Pückler wollte das anscheinend nicht sehen.

In seinen Aufzeichnungen schrieb er zunächst von heftigen Auseinandersetzungen und darauf, dass sie sich ihrem Schicksal fügte. Viel anderes blieb ihr auch nicht übrig, sie wurde seine Mätresse. Der Weg dorthin zog sich übrigens nicht bis zu ihrer Volljährigkeit. Sie liebte ihn nicht, aber das schien den Fürsten nicht zu kümmern. Drei Jahre reisten sie gemeinsam durch Ägypten, den Libanon und die Türkei. Es schien sogar halbwegs herzlich.

Pückler, der Egoist

Sie tauschten sich über Kulturen aus, sie pflegte ihn, wenn er krank war. Am Ende ihrer Reise nahm er sie mit in die sächsische Provinz. Kurz darauf reiste er nach Berlin und ließ sie zurück. Sie versuchte zu fliehen, scheiterte, wurde krank und starb mit nur 15 Jahren. Unser blaublütiger Dandy ließ sie allein. All das ist aus heutiger Sicht hochproblematisch. Er selbst soll noch während ihrer Reisen geschrieben haben, wie es in der "Moz" heißt:

"Übrigens versteht es sich von selbst, dass ich ein zu gewissenhafter und selbst zu freier Preuße bin, um sie jetzt noch als Sklavin zu behandeln. Mit dem Eintritt in mein Haus war sie eine Freie ..."

Nicht geklärt ist, warum sie fliehen wollte. Auch dass er sie in Sachsen zurückließ, scheint unschlüssig. Eine Theorie ist, dass ein Lebemensch wie Pückler nicht mit dem Tod zu tun haben wollte. Die an Tuberkulose erkrankte Machbuba stand also im Widerspruch zu seinem Lebensstil. Seine anfängliche Begeisterung schwand wohl mit den ersten Problemen.

Stellt sich nun die Gretchenfrage, ob das nach ihm benannte Eis weiterhin so heißen sollte.

Schwieriges Thema

Wer bis hierhin durchgehalten hat, ohne, dass ihm das Eis auf die Hose tropft, wird womöglich den Kopf schütteln. Immerhin hat ursprünglich ein Koch das Dessert dem Fürsten gewidmet.

Andererseits kaufte der eine minderjährige Sklavin und machte sie zur Mätresse. So liberal (in der Zeit betrachtet) seine Einstellung auch gewesen sein mag, das war eine menschenverachtende Aktion. Viele Dinge, die einen problematischen Namen haben, werden aktuell umbenannt. Sollte man es hier auch tun?

Du kannst uns hier deine Meinung dazu schreiben – auf Basis des neu hinzugewonnen Wissens. Wir freuen uns über sachliche Diskussionen.

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zweiundvierzig 16.08.2020 17:11
    Highlight Highlight Sehr geehrter Herr Kröplin - Sie sollten vielleicht mal überlegen ob Ihr Geschreibsel hierzu geführt hat und Sie die Mitschuld daran tragen:
    https://www.mdr.de/sachsen/bautzen/goerlitz-weisswasser-zittau/vandalismus-fuerst-pueckler-park-100.html
    • Zweiundvierzig 17.08.2020 17:35
      Highlight Highlight Hut ab - das dies veröffentlicht wurde.
    • Tim.kroeplin 18.08.2020 16:25
      Highlight Highlight Hallo, den Beitrag habe ich mir angeschaut. Es wäre durchaus überraschend, wenn meine unaufgeregte Nacherzählung historischer Ereignisse zum Vandalismus im Pücklerpark geführt hat. Leider wissen wir nicht, was die Täter oder Täterinnen motivierte. Großartig spekulieren beißt sich mit meinem Berufsethos, also vermeide ich das. Außerdem wäre es äußerst unschön, wenn sich eine Annahme im Nachhinein als falsch herausstellt. Da schreibe und diskutiere ich lieber über Dinge, die auch bestätigt sind - etwa Pücklers Geschichte mit all ihren Ecken und Kanten.
    • Thorsten 21.08.2020 11:35
      Highlight Highlight 42,was heißt Geschreibsel, wenn dich der Bericht nicht interessiert, les ihn einfach nicht. Ich fands interessant,mehr auch nicht.

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