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Jon und 4 weitere "Game of Thrones"-Charaktere, die mich nur noch nerven

Es gibt Charaktere, die ich seit ihrer ersten Szene in "Game of Thrones" liebe. Und dann gibt es solche wie Jon Snow, eine Figur, die scheinbar nur einen Gesichtsausdruck hat. (Achtung, Spoiler!)

Um hier nicht wegen Überhitzung den Kopf gegen die nächstgelegene Wand zu rammen, ist diese Annahme für alles Folgende sehr wichtig: Nur weil ein Charakter wichtig für die Serie ist, heißt das nicht, dass der Charakter gut oder gut gespielt ist. Oder um es mal in "GoT"-Sprech zu sagen: Manche Charaktere könnten längst tot sein. Andere wiederum erfüllen mittlerweile eher die Rolle des netten Beiwerks, ohne wirklich noch in Aktion zu treten. Wie zum Beispiel Charakter Nummer Eins:

Gregor "Der Berg" Clegane

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Bild: HBO

Die krasseste Kampfmaschine in der ganzen Serie hat ihren letzten wirklichen Auftritt als solche in der vierten Staffel gehabt. Seitdem ist die Hauptaufgabe von Gregor Clegane: Cercei wird von XY bedroht, Clegane macht einen Schritt nach vorne, eine Hand auf das Heft des Schwertes, die Kamera zoomt kurz nah an die Zombie-Augen heran. Und das wars.

Ganze zwei Mal hat seine anfangs sehr bedrohliche Bewegung Konsequenzen (er tötet zwei unterlegene "Spatzen" mit einer Hand). Aber nach vier Staffeln Rumgestehe ist es für mich zum Running-Gag geworden, wenn der mächtige "Berg" wieder bedrohlich nach vorne trippelt, denn danach passiert immer: nichts. Schade eigentlich.

Bran Stark

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Bild: HBO

Kaum eine Fantheorie hält sich so wacker wie die, dass Bran der Nachtkönig sei. Und die Serie wäre sicher nicht so erfolgreich, wenn es nicht möglich wäre, hinter jedem Charakterzug eine Falltür zu erwarten, ABER: Was für ein verdammter Douchebag ist Bran bitte?

Er weiß ALLES. Er weiß einfach wirklich über alle alles, was in der Vergangenheit geschehen ist. Nur erzählt er niemanden irgendetwas. Und wenn er dann mal etwas verrät, dann schickt er andere vor, die frohe Botschaft zu verkünden, beispielsweise, dass Jon mit seiner Tante schläft.

Baby-Boy-Bran, ich will mehr!

Bran aber schaut die ganze Zeit so apathisch, wie ich beim Osterbrunch mit den Schwiegereltern, die über die Beschaffenheit des chinesischen Messersets labern, das sich Tante Sabine gekauft hat. Und wenn er dann doch mal etwas sagt, dann tröpfelt alles im Schneckentempo aus ihm raus. Dabei ist er aber leider so anmutend wie eine C&A-Schaufensterpuppe, die gerade erst zu sprechen gelernt hat.

Alle, die dafür gesorgt haben, dass Bran in Winterfell landet und nicht vom Nachtkönig in einen Eiszapfen verwandelt wird, sind tot. Sie haben sich für ihn aufgeopfert. Dafür will ich mehr, als geflissentliches Starren. Baby-Boy-Bran, ich will mehr!

Qyburn

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Bild: HBO

Wer ist das? Woher kommt der? Warum hat er so eine prominente Beraterrolle, obwohl wir nichts über ihn wissen, außer, dass er mal ein Niemand war und jetzt sowas wie der zweitmächtigste Mann in Königsmund. Großmaester Pycelle hatte wenigstens noch eine eigene Story. Die bestand zwar hauptsächlich aus Prostituierten, Intrigen und ein bisschen Heilkunde, aber hey, wir sind hier bei "Game of Thrones", da liegen die Prioritäten anders.

Wenn Qyburn in der nächsten Folge von Tyrion mit einem ungespitzten Zahnstocher umgebracht werden würde – ich würde nichts fühlen.

Maester Pycelle hatte also wenigstens noch den Anstand, ein mieses Arschloch zu sein. Als er letzten Endes von Straßenkindern und Prostituierten umgebracht wird, verspürte ich sowas wie Erleichterung.

Qyburn leitet diesen Mord zwar an und es wird versucht, auch ihn als echt miesen Typen darzustellen – ihm wird aber zu wenig Bildschirmzeit gewidmet. Er ist einfach da. Wenn Qyburn, die Hand der Königin, in der nächsten Folge von Tyrion mit einem ungespitzten Zahnstocher umgebracht werden würde – ich würde nichts fühlen.

Jon Snow

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Bild: HELEN SLOAN / HBO

"Aber warum Jon, der ist doch so ein Guter!?". Ja, ist er. Anscheinend ist der Rolle des Jon Snow das so wichtig, dass der Schauspieler Kit Harrington vergessen hat, Emotionen zu zeigen – um ja nichts falsch zu machen. Stattdessen schaut Jon Snow immer gleich, nämlich so:

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Bild: HBO

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Bild: HBO

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Bild: HBO

Seine Geschichte in der Serie ist so super, seine Rolle passt perfekt, seine Entwicklung, sein Charakter – alles, alles macht Sinn. Und es macht Spaß, zuzuschauen. Aber letzten Endes bringt Jon immer zu wenig Emotionen mit. Er ist weder so gut im Verzweifeltsein, wie sein Serienvater Eddart Stark (Sean Bean), noch so hingebungsvoll im Hassen wie beispielsweise Oberyn Martell (Pedro Pascal).

Mich hat das schon länger gestört, aber jetzt, in der achten Staffel, wo sich wirklich alles um ihn und Daenerys dreht, geht mir die Rolle des ausdruckslosen Trauerkloßes Jon Snow einfach nur noch auf die Nerven.

Varys

Staffel 8

Bild: HBO

War er in den ersten sechs Staffeln noch der Meisterspion, Mitglied des kleinen Rats, Strippenzieher, mysteriöser Ränkeschmied und Sidekick-Counterpart von Tyrion, ist er jetzt nur noch, naja, halt da. Der Anfang der ersten Folge von Staffel acht zeigt die ganze Tragik dieser Rolle: Tyrion reißt einen Witz darüber, dass Valerys ja "keine Eier zum Abfrieren" hat. Badummtssss. Das war die Pointe. Danach hat Varys aber nichts mehr zu tun. Wie auch? Er ist kein Krieger und von seinem Spionagenetzwerk hat man auch schon lange nichts mehr gehört.

Die Serie hat ihn einfach überrundet.

Abgesehen davon, dass seine einzige Daseinsberechtigung zwei Prophezeiungen sind, von der eine "Du stirbst in Westeros" und die andere uns unbekannt ist, sieht man ihn eigentlich nur noch andere Leute belabern, in seinem Willen zu handeln. Aber aus welchem Grund sollten sie das tun? Welches Ass hat Varys im Ärmel? Seit zwei Staffeln eher keines.

Es gibt Seriencharaktere, die wachsen mit der Zeit. Es gibt Seriencharaktere, die verblassen mit der Zeit. Und es gibt jene Seriencharaktere, die versinken in Bedeutungslosigkeit. Varys ist für letztere ein Paradebeispiel. Die Serie hat ihn einfach überrundet.

All men must die...

... was übersetzt soviel heißt wie "Alle gehen drauf, niemand ist sicher." George R. R. Martin und seine Drehbuchschreiber sind wahre Meister darin, trotz vieler losen Handlungssträngen und eines wahren Charakter-Monsters trotzdem nichts erwartbar erscheinen zu lassen. So befinden wir uns in Staffel acht, Folge zwei und haben keine wirkliche Ahnung, was als nächstes passiert.

Doch diese Art, eine Serie zu gestalten, setzt eben voraus, dass einige Charaktere mitgetragen werden, weil sie womöglich noch eine Rolle spielen KÖNNTEN. Ob sie es tun, werden wir hoffentlich in den nächsten Folgen erfahren.

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