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Mom at Work

Mutter mit Vollzeit-Job wütet über unangebrachten Kommentar beim Arzt

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Sport ist gesund. Leider kommt unsere Autorin, seit sie Mutter ist, nicht mehr oft dazu. Bild: Shutterstock / Vart
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Als berufstätige Mutter zum Sport? Einmal die Woche ist ein Erfolg

Ehrlich, direkt und subjektiv: Unsere Redakteurin Julia schreibt in ihrer Kolumne "Mom at Work" einmal pro Monat über die Freuden und Leiden einer in Vollzeit arbeitenden Mutter.
08.01.2024, 09:1408.01.2024, 09:17
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Sport ist wichtig. Das lernte ich schon von klein auf. Darum waren wir Kinder mit den Eltern schon in jungen Jahren Wandern, Skifahren, Schwimmen, Eislaufen oder Radeln. Ohne seine morgendliche Joggingrunde, pflegte mein Vater mir zu sagen, hätte er wegen seines stressigen Berufs schon längst einen Herzinfarkt bekommen.

Ich merkte: Sport ist nicht nur wichtig für den Körper, sondern auch für den Kopf. So wurden auch wir Kinder mehr oder weniger freiwillig zu einem sportlichen Lebensstil erzogen. Nur das Joggen werde ich wohl niemals gern tun.

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So war ich auch in meinem Erwachsenendasein vielleicht keine Sportfanatikerin, aber auch kein Sportmuffel. Zum Sport zu gehen, gehörte für mich genau so zum Alltag, wie gelegentliche Siege gegen meinen inneren Schweinehund.

Doch seit ich berufstätige Mutter bin, ist alles anders.

Sport ist jetzt eigentlich mehr denn je etwas, das ich brauche, um nicht kaputtzugehen. Denn er ist das beste Mittel gegen Rückenschmerzen und einen vollen Kopf. Und gleichzeitig ist er im Alltag einer berufstätigen Mutter fast unmöglich.

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Sport tut gut, doch als Mutter ist kaum Zeit dafür.Bild: iStockphoto / Iona Studio

Empört über Sport-Shaming beim Arzt

Der Sport verabschiedete sich schleichend aus meinem Leben, schon als ich schwanger war. Denn Schwangerschaftsyoga und Rückbildungsgymnastik kann man kaum als sportliche Tätigkeit beschreiben. Doch auch nach der Genesung von der Geburt wurde es kaum besser.

Die Zeiträume für eigene Bedürfnisse sind nun mal als Mutter, noch dazu als berufstätige, kaum vorhanden. Wenn ich schon erschöpft und mit Schlafmangel den Tag beginne, habe ich abends kaum genug Energie für Sport. Aber ich gebe weiterhin meine Bestes und bin richtig stolz, wenn ich es einmal die Woche schaffe, mich zu bewegen.

Deshalb war ich umso empörter, als ich letztens beim Arzt war und er mich fragte, wie oft ich denn Sport treibe. Stolz erzählte ich ihm, dass ich es meistens einmal die Woche schaffe, auch wenn es schwer sei wegen des Kleinkindes. Statt des erwarteten Lobs erhielt ich jedoch nur ein Stirnrunzeln und väterlich-tadelnde Worte: "Also zwei, drei Mal die Woche sollten Sie schon zum Sport!"

Beinahe fiel mir die Kinnlade herunter vor Fassungslosigkeit: Da saß ein älterer, selbstzufriedener Mann mit dickem Bauch vor mir, der aussah, als habe er noch nie in seinem Leben Sport gemacht oder sich um ein Kind gekümmert und hielt MIR vor, ich sollte mehr Sport machen? Ich empfand das in dem Moment einfach nur als unverschämt.

"Warum sollte eine Mutter plötzlich einen gesundheitlichen Sonderfall darstellen, der ein spezielles Sportprogramm braucht?"

Natürlich will der Arzt nur mein Bestes, nehme ich an. Doch er kennt scheinbar die Realität von Müttern kein bisschen. Und Verständnis für meine Situation zeigte er auch nicht. Mütter haben kaum Zeit, um mal allein auf die Toilette zu gehen oder Freund:innen zu treffen. Und da verlangte dieser Kerl allen Ernstes von mir ein Sportprogramm, das ich nicht einmal als kinderlose Frau hinbekommen habe. Und auch sonst fast niemand, den ich kenne.

Kleinkinder sind zwar schön schwer, als Hantel-Gewicht jedoch völlig ungeeignet.
Kleinkinder sind zwar schön schwer, als Hantel-Gewicht jedoch völlig ungeeignet. Bild: Image Source / Henglein and Steets

Mütter und Sport: Ein schwieriges Thema

Das Thema Mütter plus Sport ist ohnehin schwierig. Es taucht immer wieder in meiner Bubble auf. Viele Frauen trauern ihm hinterher wie einer verflossenen Liebe und andere versuchen, ihn trotzdem in ihr Leben einzubauen. So findet man im Internet Mütterlaufgruppen und extra Sportcoaches für Mamas.

Das kann sogar so groteske Züge annehmen, wie Videos von sportlich durchtrainierten Frauen, die ihre Kinder wie Hanteln in die Luft stemmen. Wie um zu beweisen, dass es eben doch geht, ein Workout im Mama-Alltag einzubauen: Wenn du es nicht schaffst, bist du eben zu faul oder nicht kreativ genug.

Früher dachte ich mir, ich würde einfach einen Jogging-Kinderwagen kaufen und mit dem Kind laufen. Nichts leichter als das, oder?

"Ich will tanzen, schwimmen, oder boxen, bis ich vor Erschöpfung fast umfalle. Und zwar als Mensch, nicht als Mutter."

Bis mir andere Mütter erzählten, sie hätten das ebenfalls versucht und wegen der einseitigen Belastung Gelenkschmerzen bekommen. Zudem fiel mir auf, dass ich den Kinderwagen bis zur Joggingstrecke erst einmal einen Berg hinaufschieben müsste. Und dass das Kind darin nicht seelenruhig spielte oder schlief, sondern dauernd quengelte und etwas von mir wollte. Da hatte ich dann also einen joggingtauglichen Kinderwagen, aber keine Motivation mehr. Davon abgesehen, dass für mich, wie bereits erwähnt, Joggen mein unbeliebtester Sport ist.

Schwanerschaftssport
Sport in der Schwangerschaft: Ums Auspowern geht es da selten.Bild: Pexels / Yan Krukau

Sport bedeutet: Das Mamasein auch mal zu vergessen

Mich speziellen Mütter-Sportgruppen anzuschließen, fände ich aber äußerst deprimierend. Warum sollte eine Mutter, sobald sie genesen ist, plötzlich einen gesundheitlichen Sonderfall darstellen, der eine spezielle Art von Sportprogramm braucht? Ich will den Sport machen, der mir guttut und mir Spaß macht. Dazu gehört nicht, wie eine Horde Mutterschafe die Straße auf- und abzutraben oder 15 Minuten sanftes Yoga zu machen, das mich kein bisschen auspowert.

Ich will tanzen, schwimmen, HIIT machen oder boxen, bis ich vor Erschöpfung fast umfalle. Und zwar als Mensch, nicht als Mutter.

Gerade beim Sport kann man doch so herrlich seine mütterlichen Pflichten und Sorgen für eine Weile vergessen. Eine spezielle Mutter-Sportgruppe wäre für mich deshalb ein Paradox.

Doch das Problem bleibt: Ich habe als berufstätige Mama zu wenig Zeit und Energie für ausreichend Sport. Natürlich würde ich es auch gerne zweimal die Woche zum Sport schaffen. Aber das will auch mein Mann und dann hätte ich die ganze restliche Woche abends weder Zeit für mich noch meine Freund:innen. Das wäre dann ja auch wieder kein ausgeglichenes Leben.

"Dafür kann ich dem Arzt jetzt sagen, dass ich jeden Tag Sport mache. Ich freu mich schon auf sein Gesicht."

Gerne mache ich mir darum mit sportlichen Freund:innen einfach Sportdates aus, bei dem man sich danach noch auf ein alkoholfreies Bier trifft. Das ist toll, weil man eher zum Sport geht, wenn man zu zweit ist und danach gleich noch mit der Freundin quatschen kann. Aber auf Dauer ist es dann doch kein Ersatz für gemütliche Kaffeerunden oder Kneipentouren.

Vielleicht lustig, aber kein wirklicher Sport: Wenn das Kind mitturnen will.
Vielleicht lustig, aber kein wirklicher Sport: Wenn das Kind mitturnen will.Bild: Image Source / Henglein and Steets

Stufe für Stufe zu mehr Bewegung

Man muss ganz ehrlich sein, meine Prioritäten liegen wohl einfach nicht stark genug auf Sport. Ich will lieber auch mal abends Freund:innen treffen, Fernsehschauen oder Töpfern. Als Mutter ist der Alltag anstrengend genug, da habe ich keine Energie, auch meine Freizeit zu optimieren.

Immerhin aber, habe ich eine Sache begonnen, die ich hier stolz zu meiner Liste sportlicher Aktivitäten hinzufügen kann: Ich nehme jetzt die Treppe statt des Aufzugs oder die Rolltreppe. Man muss klein anfangen. Dafür kann ich dem Arzt jetzt sagen, dass ich jeden Tag Sport mache. Ich freu' mich schon auf sein Gesicht: Treppenlaufen ist immerhin ein offiziell anerkannter Sport.

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