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Bianca, Jasmine, Karina, Mirjam und Britta lesen sich das Drehbuch eines Mainstream-Pornos durch. Bild: Sat.1

Wenn Mütter einen Porno drehen: "So vorbereitet, wie Muttis vorbereitet sein können"

Die 36-jährige Jasmine, Mutter zweier Kinder, hat gut vorgesorgt: Aus einer großen Plastiktüte holt sie eine Schachtel voller Kondome und Gleitgel. Dabei lacht sie breit in die Kamera und sagt: "Wir sind so vorbereitet, wie Muttis vorbereitet sein können." Gedacht sind die Utensilien nämlich für Silvan und Gabi, mit denen Jasmine und vier weitere Mütter kurz davor sind, einen Porno zu drehen.

Das Konzept von "Mütter machen Porno", der zweiteiligen Sat.1-Doku, wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich – und auf den zweiten unfassbar sinnvoll: Denn hier sagen fünf Frauen der Porno-Industrie den Kampf an, indem sie einen eigenen Sexfilm drehen. Und zwar einen, den sich die eigenen Kinder angucken könnten – sexpositiv, gewaltfrei und wertschätzend gegenüber Frauen.

Frauenfreundliche Pornos, bei denen mehr gezeigt wird als Hoppeln und Hecheln

Nachdem Jasmine, Bianca, Mirjam, Carina und Britte im ersten Teil der Doku-Serie in die Tiefen der Mainstream-Porno-Industrie eingetaucht sind, um für ihren eigenen Film zu recherchieren, entdecken sie im zweiten Teil eine andere Seite der Branche. Inspiriert von alternativen und feministischen Porno-Produzentinnen setzen die fünf Frauen als Highlight der Doku ihre Idee in Tat um – und produzieren ihren ersten eigenen Sexfilm, "Vanilla X".

Beraten werden die Mütter dabei von Paulita Pappel, sie feministische Pornos produziert und auch selbst in ihnen mitspielt. Sie stellt den Kontakt zu Erika Lust in Barcelona her – einer Koryphäe der alternativen Porno-Branche: Denn Erika Lust gewinnt regelmäßig Preise für ihre erotischen Filme, die im Gegensatz zu den meisten Mainstream-Pornos alle Geschlechtspartner gleichwertig in den Vordergrund rückt.

Am Film-Set von Erika Lust zeigen sich die Mütter begeistert: Keine Spur von billigem Hinterzimmer mit schmuddliger Couch, auf der gehoppelt und gehechelt wird. Stattdessen eher ein Szenario, das an einen Kunstfilm erinnert: Schöne Menschen jedes Körpertyps tanzen um ein Pärchen herum, das in der Mitte des Raumes leidenschaftlichen Sex hat. Die Mütter sind begeistert: Dieselbe Leidenschaft und Zärtlichkeit, die das Paar hier miteinander zeigt, möchten sie auch in ihrem eigenen Porno sehen.

Im Durchschnitt sehen Kinder ihren ersten Porno mit 11 Jahren

Was die fünf Frauen bisher gesehen haben, kam nicht ansatzweise an die Erika-Lust-Filme heran: Vor allem nach ihrer Internet-Recherche im ersten Teil der Doku waren die Mütter schockiert darüber, wie einfach es ist, im Netz gewaltvolle und frauenverachtende Pornos zu finden. So einfach, dass auch Kinder schnell auf einschlägigen Seiten landen. Im Schnitt konsumiert ein Kind in Deutschland mit 11 Jahren seinen ersten Porno, 40 Prozent der Minderjährigen suchen nach Sexfilmen in Netz – und landen dann auf Portalen, die für sexuell unerfahrene Menschen durchaus verstörend sein können.

Wie Sex auch anders dargestellt werden kann, zeigen die Mütter dann in "Vanilla X": Bei dem 20-minütigen Porno, den die Frauen mit Unterstützung Paulita Pappels in Berlin-Kreuzberg drehen, tanzen ein junges Paar, Silvan und Gabi, in einem Club, küssen sich und driften langsam in eine Sex-Fantasie ab. Während die beiden miteinander schlafen, feiern die anderen Clubgänger im Hintergrund weiter: Hier küssen sich zwei Männer, dort zwei Frauen, woanders schmiegen sich auch drei Personen aneinander. Alles scheint erlaubt, aber nichts erzwungen.

Am Ende des Drehtags wirken die Mütter glücklich mit dem Ergebnis: Sie haben schließlich einen Sexfilm produziert, den sie guten Gewissens selbst ihren eigenen jugendlichen Kindern zeigen würden. Porno geht eben auch anders.

(ak)

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