Bei ostdeutschen Rewe-Filialen werden derzeit "NVA Feldsuppen" angeboten.
Bei ostdeutschen Rewe-Filialen werden derzeit "NVA Feldsuppen" angeboten.bild: picture alliance / Soeren Stache

Rewe sorgt mit Dosensuppe für heftige Kritik – "fassungslos"

12.08.2022, 15:20

Ob Schlager-Süßtafeln, rote Grütze oder Eierbecher in Hühnerform: Obwohl die Wiedervereinigung Deutschlands bereits 32 Jahre zurückliegt, bleibt bei vielen Leuten die Sehnsucht nach einigen DDR-Produkten. Insbesondere Menschen, die früher selbst in der DDR gelebt haben, verfallen hin und wieder der sogenannten Ostalgie.

Seit elf Jahren bietet das Familienunternehmen "Kelles Klädener Suppenmanufaktur" deshalb Konservensuppen im DDR-Dekor samt Hammer und Sichel an. Darunter sind unter anderem "Nudeln mit Tomatensoße und Jagdwurst", "Schulküche Soljanka" mit Kind in Pionier-Uniform auf der Dose und eine "NVA-Feldsuppe".

Kritik an Rewe wegen "NVA-Feldsuppe"

Das Interesse der Kundschaft an den Konservensuppen scheint überwältigend. "Ostdeutsche Männer (und Frauen) löffeln begeistert einen Suppen-Schlager, der an alte Armee-Zeiten erinnert", heißt es auf der Website des Herstellers. "Wir haben schon Lieferprobleme, die Nachfrage ist riesig."

Von dem Erfolg will anscheinend auch Rewe profitieren, weshalb der Supermarkt-Riese die Ostalgie-Produkte in sein Sortiment aufgenommen hat. Dafür wird er nun von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung heftig kritisiert.

Stiftungsdirektorin Dr. Anna Kaminsky wandte sich nach eigenen Angaben direkt an die Supermarktkette und konfrontierte sie mit dem Vorwurf, die SED-Diktatur zu verharmlosen. In ihrem Schreiben erläuterte sie, dass "das DDR-Staatswappen das Symbol der SED-Diktatur" sei und es "zum erinnerungskulturellen Konsens des vereinten Deutschlands gehören" müsse, um den Opfern des SED-Regimes würdevoll zu gedenken.

Die Rewe-Pressestelle Region Ost erklärte sich in einer Stellungnahme für nicht zuständig: Die Märkte listeten solche Produkte "auf Wunsch der Kundschaft", zitierte die Stiftung in einer Pressemeldung. Rewe betonte, dass "Verpackung und Produktaufmachung im Verantwortungsbereich des Inverkehrbringers" lägen. Die Stiftung möge sich an die Lieferanten oder gleich an die Justiz wenden.

Stiftung kritisiert Rewe für "Geschichtslosigkeit"

"Die Antwort Rewes ist Ausdruck von Geschichtslosigkeit, die fassungslos macht, weil sich der Konzern vor jeder Verantwortung für sein Sortiment drückt", schrieb die Direktorin der Bundesstiftung Aufarbeitung in der Pressemitteilung weiter. "Wenn der zweitgrößte Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland DDR-Nostalgieprodukte allein mit Kundenwünschen und der Rechtslage rechtfertigt, sind nicht die Konservendosen der Skandal, sondern die Haltung des Konzerns!"

(fw)

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