Logo der Supermarkt Kette Rewe an einer Filiale 02.04.2020 *** Logo of the supermarket chain Rewe at a branch 02 04 2020
Rewe stößt mit einer Neuerung auf den Unmut einiger Rewe-Kaufleute.Bild: www.imago-images.de / Waldmüller
Supermarkt

Supermarkt: Rewe macht große Ankündigung – nun formiert sich Widerstand

12.10.2022, 17:42

Die Inflation bringt Unternehmen zunehmend in die Bredouille – auch Großkonzerne müssen umdenken. So fährt jede Branche und jeder Betrieb seine eigene Strategie, um Kosten einzusparen und die Zahlen schwarz zu halten. Wegen der steigenden Energiepreise und der damit einhergehenden horrend teuren Papierproduktion kündigte Rewe kürzlich an, Abschied nehmen zu wollen: Die gedruckten Handzettel und Prospekte des Supermarkt-Riesen sollten ab 2023 der Vergangenheit angehören und nur noch digital erhältlich sein. Doch nun bröckelt das Vorhaben.

Eigentlich sollten Handzettel bei Rewe bald der Vergangenheit angehören.
Eigentlich sollten Handzettel bei Rewe bald der Vergangenheit angehören.Bild: dpa / Sebastian Gollnow

Rewe-Händler fürchten negative Folgen von Digital-Strategie

So fühlen sich einige selbstständige Rewe-Händler bei der Entscheidung "nicht richtig mitgenommen". Sie befürchten, dass der Wegfall von gedruckten Handzetteln und Prospekten sich negativ auf Frequenz und Umsatz auswirken könnten. Ob der Digitalisierungs-Plan des Unternehmens also wirklich wie angekündigt umgesetzt wird, sei deshalb fraglich, wie die "Lebensmittelzeitung" berichtet.

Demnach hat das genossenschaftlich organisierte Unternehmen die Umsetzung etwas aufgeweicht. Den Kaufleuten der Gruppe sei freigestellt, ob sie der Konzernlinie in Sachen Handzettel folgen.

Bei Rewe droht also ein Flickenteppich. Denn: Der Konzern zählt in Deutschland etwa 1500 Rewe-Kaufleute. Dabei gibt es nur rund 3700 Märkte. Mit über 2000 sind mehr als die Hälfte der Rewe-Märkte in der Hand von selbstständigen Einzelhändlern. So führt der Kölner Konzern immer weniger die Regie über die Konzernbetriebe.

Dennoch gibt sich die Zentrale in Köln optimistisch: Das Management ist laut Bericht überzeugt, die Skepsis in Sachen gedruckte Handzettel in den eigenen Reihen noch auflösen zu können.

Entscheidung gemeinsam getroffen – doch einige fühlen sich übergangen

Schließlich waren der Entscheidung mehrere Tests an einzelnen Orten vorangegangen. Das Ziel, dies nun für alle Rewe-Märkte etablieren zu wollen, wurde teilweise auch mit der Kaufmannschaft getroffen. So trugen Aufsichtsgremien mit Kaufleute-Vertretenden die Handzettel-Abschaffung mit. Das ändert jedoch nichts an der Unzufriedenheit einiger Händler.

Dass sich derartig heftiger Widerstand erhebt, kommt für den Konzern aber unerwartet.

Amberg, Germany - February 26, 2018: Advertising leaflets of some German supermarket chains. Logos and brands are visible. Lidl, Aldi Süd, Penny Markt, Norma, Netto, Edeka, Real, Rewe.
Gedruckte Handzettel sind für einige Einzelhändler nicht wegzudenken. null / Tree4Two

Selbst im Aufsichtsrat ist der Digitalisierungs-Vorstoß in Sachen Handzettel umstritten. So betrachtet etwa Lutz Richath, der dem obersten Kontrollgremium von Rewe angehört, die Abschaffung kritisch. Es gibt Hinweise darauf, dass er auch über den 1. Juli 2023 hinaus am gedruckten Handzettel festhalten will. Bestätigen will er dies zwar nicht, ausschließen aber auch nicht. Er sagt: "Wir haben noch keine Entscheidung getroffen." Richath ist mit dieser Meinung nicht allein. Wie die "Lebensmittelzeitung" schreibt, äußern sich weitere Kaufleute ähnlich.

Doch es gibt auch zahlreiche Leute, die hinter der Konzern-Entscheidung stehen. Frank Runkel etwa will das Print-Produkt schon zum Jahresende 2022 abschaffen: Die Argumente: "Der Schritt ist überfällig. Die Einstellung spart Kosten und ist zum Wohle der Umwelt", sagt der Rewe Händler aus Mettman.

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