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Dunja Hayali im Einsatz. zdf-montage

ZDF-Moderatorin Hayali will Clan-Mitglied sprechen: Sie erhält eine sexistische Antwort

Sie gelten als einflussreich und gewaltbereit. Nicht nur in Berlin diskutiert die Öffentlichkeit über den richtigen Umgang mit kriminellen Mitgliedern arabischer Großfamilien, die auch als Clans bezeichnet werden.

Verurteiltes Clan-Mitglied will von Kriminalität in der Familie nichts wissen

Das Team von ZDF-Moderatorin Dunja Hayali besuchte für ihre Sendung am Mittwochabend auch Ali Mahmoud, ein Cousin von Arafat Abou-Chaker, der als Anführer eines als hochkriminell geltenden Berliner Clans gilt.

Arafat Abou-Chaker war auch lange Manager des Rappers Bushido – mittlerweile wird gegen Abou-Chaker ermittelt. Wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung, Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung.

Ali selbst kann in seiner eigenen Familie dennoch keine mafiösen Strukturen erkennen – dabei war er selbst vor zwei Jahren in eine Schießerei während eines "Rapper-Kriegs" vor seiner Autowerkstatt verwickelt. Ali wurde später wegen schwerer Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sein Anwalt hat Berufung eingelegt.

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zdf-screenshot

Das Berliner Clan-Mitglied sagt: "Wir sind eine normale Familie, die normal arbeiten geht." Ermittler sehen das ganz anders: In dem Clan gibt es mehrere verurteilte Mehrfachtäter, Abou-Chaker-Mitglieder gelten auf den Berliner Straßen als gewaltbereite Leute, wegen denen man gerne lieber mal die Straßenseite wechselt.

Alis Anwalt, Burkhard Benecken, beklagt im ZDF, dass die Familienmitglieder diskriminiert würden: "Es gibt großangelegte Razzien und die gibt es nur bei arabischen Großfamilien." Im vergangenen Jahr rechnete die Polizei 45 Verfahren "Mitgliedern ethnisch abgeschotteter Subkulturen" zu – dabei wurden 654 Tatverdächtige erfasst.

Clankriminalität: Anwalt kritisiert Polizeiarbeit

Bei Hayali beschreibt Michael Kuhr, Chef einer Berliner Security-Firma und Kenner der kriminellen Szene, die Gefahr, die von den Clans ausgeht: "Die Araber haben das Zepter übernommen und stehen im Fokus, weil sie ganz große Dinge reißen." Kuhr erinnerte etwa an einen vom Abou-Chaker-Clan organisierten Raubüberfall auf ein Berliner Pokerturnier im Jahr 2010.

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Benecken und Kuhr am Mittwochabend bei Dunja Hayali. zdf-screenshot

Benecken spricht von "Einzelfällen", der Berliner Anwalt vertritt zahlreiche Großfamilien vor Gericht. Benecken ist ein gefragter Mann. Angst vor seinen Klienten hat er nicht, die ZDF-Moderatorin Hayali hat da durchaus andere Erfahrungen gemacht.

Moderatorin bei Razzia sexistisch angegangen

Hayali begleitete eine Razzia in einer Shisha-Bar in Essen. Im ZDF ist zu sehen, wie der Vater des Barbetreibers die Journalisten attackieren will. Polizisten halten ihn ab.

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Laut der Polizei soll die Bar einem deutschlandweit aktiven Clan gehören. Hayali fragt einen Polizisten, ob sie mit dem wütenden Mann sprechen könne. Der Beamte übermittelt Hayali die Antwort des Clanmitglieds:

"Der Herr sagte, wenn Sie ihm einen blasen wollen, dann gerne."

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Ein Polizist übermittelt Hayali die unmögliche Botschaft eines Clanmitglieds. zdf-screenshot

Dieses unmögliche Verhalten erklärt der Polizist so: "Das ist grundsätzlich ein Problem bei den Clanmitgliedern, dass sie das als Problem ansehen, dass sie das als Ehrverletzung empfinden, wenn Kolleginnen die Dominanz in dem Fall haben."

Immer wieder käme es bei Einsätzen zu Beleidigungen "auf sexueller Grundlage" gegen Polizistinnen.

Kriminalitätsexperte warnt vor "gefährlicher Situation" der Clankriminalität

Der Kriminaldirektor beim LKA in Nordrhein-Westfalen, Thomas Jungbluth, warnt bei Hayali: "Wir schätzen das als sehr gefährliche Situation ein." Anwalt Benecken ist auch da zur Stelle und kritisiert das harte Vorgehen der nordrhein-westfälischen Polizei gegenüber arabischen Großfamilien: "Sie wollen ja gerade zeigen, dass sie kriminell sind – dabei machen die ganz, ganz kleine Verstöße."

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Anwalt Benecken bei "Hayali". zdf-screenshot

Allein in NRW gab es laut ZDF zwischen 2016 und 2018 14.225 Straftaten, die unter Clankriminalität fielen. Sicherheitsexperten Kuhr behauptet angesichts solcher Zahlen: "Der Staat hat komplett versagt." Kuhr, der Mitglied bei der erzkonservativen Werteunion ist, fordert härtere Strafen für Straftäter, die aus dem Umfeld von Clankriminalität stammen.

Der Ermittler Jungbluth meint etwas differenzierter: "Der Staat hat zulange weggeschaut." Auch über die Prävention von Clankriminalität wurde bei Hayali gesprochen. Dabei im Zentrum: Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sind. Nach einem Besuch von Polizeimaßnahmen gegen Clankriminelle in Essen sagt die ZDF-Moderatorin Hayali: Die Flüchtlinge seien "wie ein Topf, aus dem sich die Clans bedienen".

Nur in einem Punkt wird sich die Runde so richtig einig: Derselbe Nachname, dasselbe Aussehen – der Generalverdacht gegen arabischstämmige Menschen, doch sicherlich etwas mit Kriminalität zu tun zu haben, hält Menschen in der Clankriminalität. Und bringt weitere dorthin hinein.

Doch eine Lösung für den Kampf gegen Clankriminalität ist diese Einsicht auch nicht.

(pb)

Die Geschichte des Bundestages in 17 Daten

Ab jetzt AfD-Osten? So ein Quatsch!

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