LKWs liefern in Hamburg Container zum Tollerort-Terminal, um Containerschiffe zu beladen. (Archivbild)
LKWs liefern in Hamburg Container zum Tollerort-Terminal, um Containerschiffe zu beladen. (Archivbild)
Bild: dpa / Markus Scholz

Weihnachts-Planung: Müssen Kunden ihre Geschenke jetzt früher bestellen?

11.10.2021, 19:18

Seit Wochen sind Lebkuchen und mittlerweile auch Adventskalender in den Supermarkt-Regalen zu finden, doch von Weihnachtsartikeln aus dem Non-Food-Bereich fehlt bisher jede Spur. Das könnte auch so bleiben – dies legen zumindest Ergebnisse eine Mitgliederumfrage des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) nahe, die der Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ vorliegt. Demnach sagte die Verbandsvorsitzende Gundula Ullah:

„Viele der befragten Einkaufsmanager berichteten von anhaltenden Schwierigkeiten, dringend benötigte Artikel für die letzten drei Monate des Jahres bei ihren Lieferanten zu beschaffen.“

Dabei soll doch ausgerechnet das Weihnachtsgeschäft das Jahresergebnis des von der COVID-19 Pandemie gebeutelten Einzelhandels retten. Und nun droht die Versorgungskette zwischen den Nordseehäfen und dem europäischen Hinterland einzubrechen. So sagt Oliver Gutmann, Importeur von Bilderrahmen, Spiegeln und Aktionsware für Einzelhändler, dem Blatt: „Wir bekommen unsere Container aus Häfen wie Rotterdam und Hamburg nicht mehr heraus.“ Er mahnt: „Manche Artikel werden deshalb zum Fest wohl nicht mehr pünktlich und vollständig geliefert.“

Explosion der Preise für Schiffscontainer

Ein Grund für ausbleibende Dekoartikel ist der weltweite Rohstoffmangel, aber auch die stark gestiegene Nachfrage. Was jedoch noch mehr ins Gewicht fällt, sind die kaum verfügbaren Schiffscontainer, wie die „Tagesschau“ berichtet. Dies hat zur Folge, dass die wenigen verfügbaren Container zu absurd hohen Kosten gebucht werden müssen, was wiederum einen starken Preisanstieg bei den Waren bedeutet. Die "Tagesschau" berichtet hier von zehnfachen Kosten für einen Schiffscontainer und von bis zu 15 Prozent Preisanstieg der Weihnachtsware – vor allem für solche, die viel Platz beim Transport einnimmt.

Vielerorts werden diese Lücken im Sortiment aktuell mit neutralen Sommerartikeln aufgefüllt. Dabei ist das Geschäft mit Weihnachtsdeko für Händler von zentraler Bedeutung im Jahreserfolg: Es wird mit Ausgaben für Weihnachtsdekoartikel von einer Milliarde Euro gerechnet, wie die Tagesschau weiter berichtet.

Lieferengpässe auch bei Geschenk-Artikeln

Doch nicht nur die Dekoration könnte in den Regalen knapp werden – auch um Weihnachtsgeschenke sollten sich Verbraucher in diesem Jahr früher Gedanken machen: Wer plant, seine Geschenke günstig am sogenannten Black Friday zu besorgen, der sollte es sich in diesem Jahr unter Umständen anders überlegen. Erst vor wenigen Tagen warnte die Elektronikkette MediaMarktSaturn vor Lieferengpässen zur Weihnachtszeit.

Entscheidende Treiber der aktuellen Situation waren dabei laut der Tageszeitung „Merkur“ zum einen das Drama um das Containerschiff „Ever Given“, das im Suezkanal im März auf Grund gelaufen war und sechs Tage lang die wichtigste Schifffahrtsstraße zwischen Asien und Europa blockierte. Zum anderen nennt die Zeitung die Hafenschließungen in China aufgrund der COVID-19 Pandemie. Der Hafen Yantian gilt als viertgrößter Containerhafen der Welt.

Weniger Angebote bei Black Friday

Unterdessen rechnen laut einer Umfrage der Shopping- und Vergleichsplattform „Idealo“ rund zwei Drittel der Verbraucher zum diesjährigen Verkaufsevent Black Friday mit längeren Lieferzeiten und sogar einer allgemeinen Knappheit des Angebots wegen der Engpässe. Deshalb gaben laut einer Mitteilung von Idealo bereits ein Drittel der Befragten an, ihre Weihnachtseinkäufe nicht erst zum Aktionstag zu machen, sondern sich schon im Vorfeld bei gegebener Verfügbarkeit.

„Verbraucher werden die angespannte Lage bei Warenbestellungen nicht immer zu spüren bekommen.“
Kühne + Nagel Chef Detlef Tretzger gegenüber "Spiegel"

Dennoch gibt es auch beschwichtigende Stimmen in der Diskussion. So beruhigt Detlef Tretzger, Chef des Logistikkonzerns Kühne + Nagel gegenüber der Nachrichtenseite „Spiegel“: „Verbraucher werden die angespannte Lage bei Warenbestellungen nicht immer zu spüren bekommen.“

"Suche nach Weihnachtsgeschenken gesichert"

Hauptgeschäftsführer des Handelverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft kein Grund zur Sorge bestehe: „Die Suche nach passenden Weihnachtsgeschenken ist auch in diesem Jahr gesichert."

Zwar können Neuerscheinungen und sehr gefragte Produkte knapp werden, wie Spielekonsolen, „dass die Menschen bei ihrem Weihnachtseinkauf vor leeren Regalen stehen, ist aber nicht zu erwarten“, sagte Genth.

(lc)

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