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Besser shoppen fürs Klima: So will Snap den Online-Einkauf revolutionieren

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Das war's mit langwierigen Samstagen im Einkaufszentrum: Der Konzern Snap will die Art und Weise, wie wir online einkaufen, revolutionieren. Bild: Pexels / Andrea Piacquadio
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Besser shoppen fürs Klima: So will Snap den Online-Einkauf revolutionieren

06.07.2023, 08:09
Mehr «Nachhaltigkeit»

Ein Klick – und schon ist das Paket mit dem neuen Sommerkleid auf dem Weg zu uns nach Hause. Und damit auch ja nichts schiefgeht, am besten in zwei Farben und zwei Größen. Man weiß ja nie. Immerhin braucht man ein Outfit für die Party am Wochenende. Unbedingt.

Doch auch wenn das Schlafzimmer bequem zur Umkleidekabine umfunktioniert wird – das Online-Shopping birgt gravierende Probleme: Wer nämlich scrollend auf dem Sofa liegt, bestellt aus einer Laune heraus mehr Teile, als er oder sie eigentlich benötigt.

Zumal eine Ungewissheit immer bleibt: Passt das Kleidungsstück oder nicht? Also bestellen wir lieber zwei oder drei Größen. Die Folge: Was nicht passt oder gefällt, schicken wir getrost zurück. Ist schließlich kostenlos.

Ein Klick – und schon ist das neue Kleid auf dem Weg zu uns: Online-Shopping ist bequem.
Ein Klick – und schon ist das neue Kleid auf dem Weg zu uns: Online-Shopping ist bequem.bild: pexels

Dementsprechend hoch ist auch die Retouren-Quote: Bei Fashion-Händlern liegt diese eigenen Angaben zufolge bei etwa 50 Prozent. "Es entstehen also sehr, sehr viele Retouren, die auch für die Händler Probleme verursachen", sagt Sebastian Schulze, CEO und Co-Founder von Fit Analytics, einer Firma des Snapchat-Mutterkonzerns, im Gespräch mit watson.

Im Vergleich zum Rest der Welt ist die Retouren-Quote damit in Deutschland mit am höchsten.

Online-Shopping: Retouren sind besonders schlecht fürs Klima

Doch dass die Rücksendung kostenlos ist, ist ein trügerischer Schein. Laut einer Studie des EHI Retail Institutes müssen Händler im Schnitt Kosten in Höhe von zehn Euro pro Rücksendung einkalkulieren.

Die Kosten, die durch den Versand und die mögliche Entsorgung zusätzlich für die Umwelt entstehen, sind darin nicht einmal enthalten. "Denn dazu kommt natürlich, dass es alles andere als gut fürs Klima ist, wenn ständig so viele Pakete quer durch die Welt geschickt werden", kritisiert Schulze.

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Täglich werden tausende von Paketen quer durch die Welt geschickt. Bild: AFP / SEM VAN DER WAL

Um die Retouren zu minimieren und das Online-Shopping einfacher und nachhaltiger zu machen, tüftelt Sebastian Schulze an einem neuen Tool, das in die Apps und Websites der Klamotten-Händler integriert werden soll.

Denn: "Es geht ja nicht einmal nur darum, dass irrsinnig viele Pakete hin und hergeschickt werden", sagt er. "Die Kleidung muss ja im Anschluss auch geprüft werden: Kann man sie noch weiterverkaufen? Muss sie aufbereitet werden?" Für die Händler verursacht das Kosten im Milliardenbereich.

Doch dieses Problem lässt sich mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) und Augmented Reality (AR) schmälern – und ist längst keine ferne Zukunftsmusik mehr.

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Einfacher shoppen mit Augmented Reality und künstlicher Intelligenz

Das Tool, das Snap entwickelt hat, bringt die Kompetenzen von Künstlicher Intelligenz und Augmented Reality zusammen – "Shopping Suite" nennen sie das.

Die Künstliche Intelligenz etwa soll dabei helfen, die passende Größe bei Kleidungsstücken zu finden. Schulze erklärt das folgendermaßen:

"Dafür kannst du online einfach Informationen wie Körpergröße, Gewicht und Präferenzen, wie locker du deine Kleidung gern trägst, angeben."

Weil Größe und Schnitt von Marke zu Marke variieren, kann man zusätzlich angeben, welches Modell welcher Marke einem besonders gut passt und gefällt. Bei Schuhen ist das Prinzip das Gleiche: "Du sagst uns, welche Größe dir bei welcher Marke passt – wodurch wir dir dann für jeden anderen Schuh die passende Größe empfehlen können."

Schuhe virtuell anprobieren – mit Augmented Reality funktioniert das.
Schuhe virtuell anprobieren – mit Augmented Reality funktioniert das.

Dieses Prinzip funktioniert schon heute, unter anderem bei About You, Calvin Klein, Tommy Hilfiger oder P&C. "Schon heute erhalten so mehr als 100 Millionen Nutzer Größenempfehlungen", betont Schulze.

Doch das allein reicht Schulze nicht. Er will das Shopping-Erlebnis noch besser machen, dafür sorgen, dass die bestellten Klamotten noch besser passen.

Und hier kommt die Augmented Reality ins Spiel. Er sagt:

"Das kennt man vielleicht von Snapchat, wo man einfach die Handykamera auf die eigenen Füße richten und so Schuhe anprobieren kann. Das Ganze geht also noch einen Schritt weiter: Man bekommt nicht nur die passende Größe empfohlen, sondern kann auch sehen, wie beispielsweise der Schuh an einem selbst aussieht."

Retouren reduzieren – und so Klima und Umwelt schonen

Einfach gesagt bedeutet das: Man lässt sich seine richtige Größe ermitteln und kann die Teile "quasi mithilfe der Augmented Reality anprobieren und es auch von allen Seiten begutachten".

So sollen die Kund:innen bequemer und zeitsparender einkaufen – und vor allem: "So sollen auch die Retouren vermieden und CO₂ eingespart werden."

Steht mir das? Um das herauszufinden, kann man die Klamotten mithilfe von Augmented Reality anprobieren.
Steht mir das? Um das herauszufinden, kann man die Klamotten mithilfe von Augmented Reality anprobieren.

Denn die Hälfte der Retouren entstünden dadurch, dass die Leute die falsche Größe bestellen. Der zweite Grund, weswegen Klamotten zurückgeschickt werden: "Das Kleid oder Shirt, das man bestellt hat, sieht dann doch nicht so aus, wie man es erwartet hat." Oder es steht einem schlicht nicht.

Auch hier soll die "Shopping Suite" helfen.

Konsum wird weiter angekurbelt – und schadet so auch Klima und Umwelt

Der Ansatz von Snap – zumindest mit Blick auf die Reduktion von Retouren – ist nicht falsch. Denn wie das TV-Magazin "Frontal 21" im Juni 2018 aufdeckte, werden im deutschen Online-Handel neuwertige Produkte, die als Retouren zurückgeschickt und eigentlich wieder in den Verkauf aufgenommen werden könnten, stattdessen im großen Stil vernichtet.

Der Grund: Das Sichten und Neuverpacken der Waren sei zu arbeitsintensiv und würde sich daher nicht lohnen. Das macht Retouren gleich doppelt klimaschädlich, denn: Es werden erstens wertvolle Ressourcen verschwendet und zweitens durch den Transport viele CO₂-Emissionen ausgestoßen.

Greenpeace zufolge benötigt allein der Warenversand riesige Mengen an Verpackungsmaterial wie Papier, Pappe, Karton und Plastik: 2016 machten diese Materialien mit knapp 45 Prozent und 8,1 Millionen Tonnen den Großteil des Verpackungsmülls in Deutschland aus. Zahlen des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik belegen, wie der boomende Online-Handel die Paketzahlen weiter in die Höhe treibt – und damit das Problem verschlimmert.

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Die Klamottenproduktion ist nicht nur mit einem hohen Ressourcenverbrauch, sondern auch mit Chemikalien verbunden.Bild: Anadolu / Anadolu Agency

Doch Retouren hin oder her – ein gravierendes Problem bleibt bestehen: Denn auch wenn Retouren durch Snaps Tool reduziert werden, wird der Konsum weiter gefördert. Und der treibt erwiesenermaßen die Klimakrise weiter an. Denn je mehr wir verbrauchen, umso stärker schädigen wir unsere Lebensgrundlagen. Wichtige Rohstoffe werden knapp, der Grundwasserspiegel sinkt, Giftstoffe durch Produktion und Müll belasten die Umwelt.

Das bedeutet: Insbesondere in der westlichen Welt müssen wir den Sprung aus dem Überkonsum schaffen, also insgesamt weniger Ressourcen verbrauchen und damit auch weniger Klamotten kaufen.

Da hilft auch ein Tool zur virtuellen Anprobe nicht.

Noch 2023 soll die "Shopping Suite" in erste Marken-Apps integriert werden

Und dennoch: Dass sich die Retouren merklich mindern lassen, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Und der funktioniert, wie Schulze an einem ihrer amerikanischen Kunden bereits beobachten kann.

Allein durch den eingeführten Größenberater hätten sich die Retouren seines Kunden um 20 Prozent reduziert. "Da tut sich also sehr, sehr viel." Würde der Größenberater noch durch die Augmented Reality ergänzt, würde das die Retouren-Quote noch weiter mindern, ist Schulze überzeugt.

"Es soll für die Kunden so einfach wie möglich sein – man soll sich also nicht extra eine separate App runterladen müssen."
CEO und Co-Founder von Fit Analytics, Sebastian Schulze

Marktreif ist die "Shopping Suite" schon jetzt. Und noch in diesem Jahr soll sie bei den ersten Marken in Apps und Websites integriert werden. Dann funktioniert das virtuelle Anprobieren nicht mehr über die Snapchat-App, sondern direkt über den Anbieter, bei dem man bestellen will.

"Es soll für die Kunden so einfach wie möglich sein – man soll sich also nicht extra eine separate App runterladen müssen", sagt Schulze. Stattdessen lädt man einfach ein Foto von sich hoch, beantwortet ein paar Fragen zu seiner Größe, Gewicht und den persönlichen Präferenzen. Und schon kann man sehen, ob einem das auserwählte Outfit auch tatsächlich passt – und steht.

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