17.01.2023, Australien, Brisbane: Jana «Urkraft» Pallaske sichert sich an Tag 5 der RTL-Show «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!» in der Dschungelprüfung «Fiesenrad» in 25 Metern Höhe den letzten ...
Schauspielerin Jana "Urkraft" Pallaske ist als selbst ernannte Schamanin besonders naturverbunden. Als Kandidatin in diesem Jahr hat sie sich bei einer Dschungelprüfung einen Stern gesichert. Bild: RTL / Stefan Thoyah
Dschungelcamp

Wie zeitgemäß ist das Dschungelcamp in Zeiten der Klimakrise noch?

27.01.2023, 08:17

Seit 18 Jahren heißt es für zehn bis zwölf Prominente in fast jedem Jahr seit 2004: Ab ins Dschungelcamp! Unter ständiger Beobachtung durch Fernsehkameras und ein Millionenpublikum leben die Stars bis zu zwei Wochen am Rande des australischen Dschungels. Ihr Ziel: Möglichst lange im Camp zu bleiben, um zur Dschungelkönigin oder zum Dschungelkönig gewählt zu werden.

Dafür müssen die Promis zahlreiche Challenges absolvieren – unter anderem müssen sie etwa exotische Tiere in Ekelprüfungen verspeisen.

ACHTUNG: SPERRFRIST 14. JANUAR 00:30 UHR. ACHTUNG: DIESER BEITRAG DARF NICHT VOR DER SPERRFRIST, 14. JANUAR 2023 00.30 UHR VERÖFFENTLICHT WERDEN! EIN BRUCH DES EMBARGOS KÖNNTE DIE BERICHTERSTATTUNG ÜB ...
Zwölf Promis leben für zwei Wochen am Rande des australischen Dschungels und absolvieren zahlreiche Challenges.Bild: RTL / S.Thoyah

Aber sind Fernsehshows wie das Dschungelcamp, in denen Promis und Fernsehteams um die halbe Welt geflogen werden, um im australischen Dschungel zu hausen und exotische Tiere zu verspeisen, in Zeiten der Klimakrise noch zeitgemäß? Watson hat bei Experten und RTL nachgefragt.

Ekelprüfungen: Schweinepenis und Ziegenanus

"Ekel-Skandale mit lebenden Tieren wirken völlig aus der Zeit gefallen. Wir leben in Zeiten eines riesigen Artensterbens", sagt Kilian Dreißig. Er ist Gründer der Veganen Agentur Berlin und hat sich auf Marketing rund um Veganismus und Naturkost spezialisiert.

Zudem könnten solche Prüfungen Dreißig zufolge dazu führen, dass die Fernsehzuschauer:innen eine Abneigung gegenüber bestimmten Tierarten entwickeln würden, "obwohl diese eine wichtige Rolle in den Ökosystemen der Erde spielen". Er ergänzt:

"Statt exotische Tiere für einen toxischen Quoten-Kampf zu opfern, sollten Sender lieber darüber berichten, wie komplex und spannend unsere Ökosysteme sind, auch in den Tropen. Und wie schützenswert! Natur- und Artenschutz schützt nicht nur die 'ekeligen' Tiere, sondern uns alle."
Von Schweinepenis und Krokodilaugen bis hin zu Stiersperma müssen die Kandidat:innen exotische Dinge essen.
Von Schweinepenis und Krokodilaugen bis hin zu Stiersperma müssen die Kandidat:innen exotische Dinge essen.Bild: RTL / Stefan Thoyah

RTL weist Tier-Problematik bei Dreharbeiten von sich

"Jede Dschungelprüfung mit Tierbeteiligung wird vorab der australischen Tierschutzorganisation 'RSPCA Notification of Animal Usage Form' zur Abnahme und Freigabe vorgelegt", erklärt Ernst Rudolf, Sprecher bei RTL, auf Anfrage von watson.

Ohne eine Abnahme und Freigabe durch die Tierschützer finde keine Dschungel-Prüfung mit lebenden Tieren statt. Auch hätte die RSPCA jederzeit das Recht, für unangekündigten Kontrollen oder Überprüfungen vorbeizukommen. Rudolph ergänzt:

"Die Tierschützer garantieren bei der Dschungelshow die Unversehrtheit der Tiere, prüfen die kurzzeitige sach- und artgerechte Haltung, die Herkunft, den Transport und kontrollieren den sach- und artgerechten Umgang mit den Tieren vor, nach und bei den Prüfungen."

Veganismus im Dschungelcamp – führt das zum Image-Wandel der Ernährung?

Dass mit Tessa Bergmeier eine von Kindertagen an überzeugte Veganerin und Tierschützerin in das Dschungelcamp eingezogen ist, findet Dreißig aber gut. Gegenüber watson sagt er:

"Grundsätzlich ist es schön, wenn vegan lebende Menschen in der Öffentlichkeit über ihre Gründe berichten können. Auch ein Format wie das Dschungelcamp kann dabei also durchaus Gutes bewirken. Ich bin da absolut optimistisch!"

Schwierig werde das lediglich, wenn die vegane Ernährung als "vermeintliche Macke" dargestellt würde. "Das wird aber zum Glück immer seltener."

"Pflanzenbasierte Ernährung ist der wichtigste Schritt, den wir alle direkt für Klima und Umwelt tun können."
Kilian Dreißig, Gründer der Veganen Agentur Berlin

Der Marketing-Profi erklärt außerdem, dass es keine konkreten Verhaltensvorschriften für Veganer:innen gebe oder diese einem bestimmten Rollenbild entsprechen müssten. "Alle Menschen können vegan leben, egal ob exzentrisch oder nicht", sagt Dreißig. "Pflanzenbasierte Ernährung ist der wichtigste Schritt, den wir alle direkt für Klima und Umwelt tun können."

ACHTUNG: SPERRFRIST FÜR ALLE MEDIEN BIS MITTWOCH, 18.01.2023, 23.45 UHR !!! Tag 6 im Camp. Cecilia Asoro (.) und Tessa Bergmeier geraten am Lagerfeuer aneinander, weil Tessa erneut darüber klagt, wie  ...
Unter den Teilnehmenden des Dschungelcamps gibt es immer mal wieder Zoff, hier zwischen Tessa (rechts) und Cecilia.Bild: rtl+

Einmal um die halbe Welt – und wieder zurück

Die Ekel-Prüfungen sind das eine, die Reise um die halbe Welt bis in den australischen Dschungel das andere. Denn Fliegen ist die klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen.

Laut dem Umweltbundesamt verursacht allein ein Flug von Deutschland nach Sydney und zurück eine Klimawirkung von knapp sieben Tonnen CO₂ – pro Person. Dass nicht nur die zwölf Dschungelkandidat:innen, sondern auch noch zahlreiche andere Menschen – vom Kameramann über die Moderator:innen – nach Australien geflogen werden, ist klar.

Fliegen ist die klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen.
Fliegen ist die klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen.bild: pexels / Cameron Casey

Muss das sein – in Zeiten der Klimakrise, in der schon jetzt überall auf der Welt multiple Krisen durch die Folgen der Erderwärmung ausgelöst werden?

Laut RTL, ja. Sprecher Ernst Rudolf erklärte gegenüber watson:

"'Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!' lebt von der Charakteristik des Dschungels und ist dadurch ein großer Publikumsmagnet. Aus diesem Grund haben wir uns für dieses Jahr erneut für eine Produktion im Ausland entschieden."

Dennoch liege dem Sender das Thema Klimawandel "sehr" am Herzen. "Wir sind uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und nutzen unsere große Reichweite, um unter anderem mit unseren großen Nachhaltigkeitswochen im Programm zu informieren, zu unterhalten und zu inspirieren."

"Es reicht nicht, sich um ein paar Reiche und Verrückte zu kümmern. CO₂-Kompensationen sind jedenfalls für Flugreisen keine Lösung."
Felix Ekardt, Professor und Leiter der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik

Im Schulterschluss mit dem Arbeitskreis "Green Shooting" hätte RTL zudem Mindeststandards für klimafreundliche Produktionen festgelegt, die an immer mehr Produktionen angewandt würden. "Dort werden mit einem vegetarischen Tag, Informationen zu Ernährungsweisen und der Verwendung von ökologischen und regionalen Produkten auch die Ernährung berücksichtigt."

Auch hätte RTL 2022 den Schutz für ein 7500 Quadratkilometer großes Waldstück in der Eifel übernommen, das aus über 160 Jahre alten Buchen und Eichen bestehe. Dafür kooperiert der Sender mit der von Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben gegründeten Waldakademie.

"Sinnarme Aktionen wie das Dschungelcamp erledigen sich von selbst"

Für Felix Ekardt, Professor und Leiter der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik in Leipzig, rechtfertigt dies einen solch aufwendigen und CO₂-reichen Dreh dennoch nicht. Gegenüber watson erklärt er:

"Die EU muss für die Einhaltung des Pariser 1,5-Grad-Ziels in wenigen Jahren aus allen fossilen Brennstoffen aussteigen. Ein gezieltes Zurückfahren würde die Fossilen schrittweise stark verteuern – sinnarmen Aktionen wie ein Dschungelcamp in Australien erledigen sich damit."

Er betont allerdings, dass Diskussionen über Einzelverbote nur davon ablenken würden, dass wir alle "postfossil" werden müssten. "Es reicht nicht, sich um ein paar Reiche und Verrückte zu kümmern. CO₂-Kompensationen sind jedenfalls für Flugreisen keine Lösung."

Zwar müssten Emissionen in Mooren und Wäldern gebunden werden, "aber nicht, um Luxusemissionen aus Flügen auszugleichen, sondern um lebenswichtige Restemissionen etwa aus der Nahrungsmittel-Erzeugung zu kompensieren, die selbst in einer postfossilen Welt übrig bleiben".

Neues Schiff soll Kalifornischen Schweinswal retten

Tierschützer haben ihren Wettlauf gegen die Zeit wiederaufgenommen, um den Kalifornischen Schweinswal doch noch vor dem Aussterben zu retten. Begleitet von der mexikanischen Marine kreuzt das speziell ausgerüstete Schiff "Seahorse" seit Kurzem vor der Küste Mexikos mit der Mission, alle illegalen Fischernetze aus dem Gebiet, in dem die kleinsten Wale der Welt leben, herauszuhalten. Das berichtete die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd.

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