Jane Goodall, English primatologist and anthropologist, addresses a press conference during the 50th annual meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Wednesday, January 22, 2020. The meeting brings together entrepreneurs, scientists, corporate and political leaders in Davos from January 21 to 24. (KEYSTONE/Alessandro della Valle) |

Jane Goodall ist vor allem für ihre Forschung zum Verhalten von Schimpansen bekannt. Bild: KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE

Jane Goodall warnt nach Corona-Krise: "Sonst sind wir am Ende"

Gerodete Regenwälder, Massentierhaltung, zerstörte Natur: Wir muten unserer Umwelt viel zu. Und das könnte dramatische Folgen haben. Die Verhaltensforscherin Jane Goodall, die vor allem durch ihre Studien mit Schimpansen berühmt wurde, warnt jetzt: Wenn wir nicht auf die Corona-Pandemie und die Klimakrise reagieren und unser Nahrungsmittelsystem verändern, wird die Menschheit "am Ende" sein.

Goodall sagte am Dienstag bei einem Online-Event der Kampagnengruppe Compassion in World Farming, dass das Coronavirus aufgrund der Ausbeutung natürlicher Ressourcen ausgebrochen sei: Wegen gerodeter Wälder, zerstörter Lebensräume und ausgerotteter Spezien. Vermutlich wurde das Coronavirus von einem Wildtier auf einem Markt in Wuhan auf einen Menschen übertragen.

"Wir haben uns das selbst eingebrockt mit unserer absoluten Respektlosigkeit gegenüber Tieren und der Umwelt", zitiert der britische "Guardian" die Wissenschaftlerin am Mittwoch.

"Unsere Respektlosigkeit gegenüber Wildtieren und unsere Respektlosigkeit gegenüber Nutztieren hat eine Situation geschaffen, in der Krankheiten auf Menschen übertragen werden können."

Nur wenig Zeit bis zur Katastrophe

Der Massentierhaltung und der Zerstörung von Lebensräumen müsse Einhalt geboten würde, warnt Goodall – wegen der Bedrohung durch Krankheiten und den Klimawandel. "Wenn wir uns nicht anpassen und die Dinge nicht anders machen, sind wir am Ende", sagte sie. "Wir können nicht mehr sehr viel länger so weitermachen."

Die Menschheit sei an einem Wendepunkt in der Beziehung mit der Natur gekommen, sagt Goodall dem "Guardian" zufolge – und es gebe nur ein kleines Zeitfenster für drastische Veränderungen, bevor es zur Katastrophe komme. "Eine der Lektionen, die wir von dieser Krise gelernt haben, ist, dass wir unseren Weg ändern müssen", sagte sie. "Wissenschaftler sagen, dass wir unsere Ernährung drastisch ändern und zu pflanzlichen Lebensmitteln wechseln müssen, um zukünftige Krisen zu vermeiden. Zum Wohle der Tiere, des Planeten und der Gesundheit unserer Kinder."

Goodall hat seit den 60er Jahren in Afrika Schimpansen beobachtet und die Verhaltensforschung umgewälzt. Die 86-Jährige meldet sich häufig zu Umweltthemen zu Wort.

(ftk)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kolos 04.06.2020 14:16
    Highlight Highlight Gerodete Regenwälder, Massentierhaltung, zerstörte Natur: Wir muten unserer Umwelt viel zu. Und das könnte dramatische Folgen haben.

    Wie Recht sie hat. Diese Menschensünden, diese Zerstörung unserer Erde und damit unserer Lebensbedingungen, müssen bestraft werden. Dafür sollen die jungen Hüpfer auf die Strasse gehen. Das hängt auch mit dem Klima zusammen. Das ganze schöpferische Werk wird aus dem Gleichgewicht gebracht, so auch das ganze perfekt funktionierte System der Erde, die Selbsterhaltungsfähigkeit. Nur der Mensch/Raubkapitalismus ist fähig, alles zu zerstören auch sich selbst.

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