Jacob Beautemps und Eckart von Hirschhausen
Youtuber Jacob Beautemps (links) und Bestseller-Autor Eckart von Hirschhausen haben ein gemeinsames Thema: die Klimakrise. Bild: Youtopia / Julian Engels
Doppelinterview

Wie schafft man es, trotz Klimakrise die gute Laune nicht zu verlieren?

30.09.2022, 19:0630.09.2022, 20:04

Der eine ist Wissenschafts-Youtuber und erzielte bisher mit seinen Videos über 73 Millionen Aufrufe. Der andere ist Deutschlands bekanntester Arzt und Bestseller-Autor. Die Rede ist von Jacob Beautemps und Eckart von Hirschhausen.

Was die beiden jetzt verbindet, ist die YouTopia. Denn Beautemps ist nicht nur Science-Creator, sondern auch Initiator der YouTopia. Und Eckart von Hirschhausen ist als Gründer der Stiftung "Gesunde Erde – Gesunde Menschen" in diesem Jahr als Gast dabei.

Mit Influencern auf der Suche nach Lösungen für die Klimakrise

Das Multi-Channel-Event geht an diesem Freitag unter dem Motto "Gemeinsam für die Umwelt" in die dritte Runde: Noch bis Montag leben Influencer:innen um Beautemps gemeinsam in einer riesigen Kuppel im Kölner Süden und streamen dabei live, wie sie mit prominenten Gäst:innen und Influencer:innen aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Medien über verschiedene Themen rund um Klimawandel, Umweltschutz und Nachhaltigkeit sprechen – immerzu auf der Suche nach Lösungen für das größte Problem unserer Zeit: die Klimakrise.

Darum ging es auch im watson-Interview mit den beiden.

watson: Herr Beautemps, Sie sind Science-Youtuber und sagen, dass es das Versprechen bräuchte, dass es gleich spannend wird, um die Leute zum Zuhören zu bewegen. Die Klimakrise ist ein technisches und schwer zu greifendes Thema – warum sollten die Menschen Ihnen dennoch zuhören und dieses Interview lesen?

Jacob Beautemps: In diesem Interview soll es um mögliche Lösungen gehen und ich glaube, das ist etwas, was jeder gern liest, weshalb man auf jeden Fall bis zum Ende dranbleiben sollte.

"Wie erreicht man die jungen und älteren Menschen heutzutage? Durch Influencer."
YouTopia-Initiator Jacob Beautemps

Welche Botschaft muss in Bezug auf die Klimakrise unbedingt bei den Leuten ankommen? Und wie schaffen Sie es, sie spannend an junge Menschen zu vermitteln?

Beautemps: Aus meiner Sicht ist das Wichtigste, dass wir das nur zusammen schaffen. Deshalb ist ein Zusammenhalt in der Gesellschaft – und zwar weltweit – auch so unglaublich entscheidend. Und da sind wir auch schon ein Stück weit beim Thema Lösungen, denn: Wie erreicht man die jungen und älteren Menschen heutzutage?

"Wir müssen wieder mehr Lust auf Zukunft machen. Angst lähmt. Humor verbindet."
Arzt und Autor Eckart von Hirschhausen

Durch die sozialen Medien?

Beautemps: Ja – durch Influencer. Das Wort kommt aus dem Social-Media-Bereich und da geht es darum, dass die Leute auf Insta, Youtube und Co. ihr Publikum beeinflussen. Und zwar ganz besonders, weil sie eine Bindung zu den Menschen haben. Aber genauer betrachtet sind wir alle Influencer. Und wenn man jetzt einen Schritt für den Umweltschutz geht und darüber mit Freunden spricht, dann ist man bereits selbst Influencer. Wenn man dann mehr als eine Person überzeugt und die das Gleiche machen, kann man schon mit kleinen Schritten etwas bewegen.

Science-Youtuber und Initiator der YouTopia Jacob Beautemps spricht dieses Wochenende über die Klimakrise.
Science-Youtuber und Initiator der YouTopia Jacob Beautemps spricht dieses Wochenende über die Klimakrise.Bild: SWR/i&u TV / -

Herr von Hirschhausen, mit Ihrem Humor reißen Sie Jung und Alt mit, dabei ist die Klimakrise samt ihrer Folgen alles andere als lustig. Lässt sich die Krise nur mit Humor ertragen?

Von Hirschhausen: Ja. Wir müssen wieder mehr Lust auf Zukunft machen. Angst lähmt. Humor verbindet. Über den aktuellen Zustand der Welt kann man verzweifeln, verrückt werden oder lachen – und sich zusammentun. Genau das braucht es jetzt. Deshalb schreibe ich humorvolle Bücher wie "Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben", gehe auf die Bühne, ins Fernsehen – und gern auch wieder in die Kuppel zu Jacob. Eine Weltretter-Kuppel-Show, das ist doch großartig!

"Gegen Ohnmacht hilft vor allem: Arsch hochkriegen, engagieren, Mund aufmachen – und vorher schlau machen. Diese Reihenfolge bitte einhalten!"
Arzt und Autor Eckart von Hirschhausen

Und dennoch: Beim Scrollen durch die Nachrichten bekommt man nicht nur schlechte Laune, sondern landet auch schnell in einer Art Starre: Krieg, Energiekrise, Corona – und dann auch noch die Klimakrise. Wie kommt man aus dieser Ohnmacht?

Von Hirschhausen: Die Krisen hängen enger zusammen, als die meisten Menschen wissen. Pandemien sind die Folge des Artensterbens und der Zerstörung von Lebensräumen von Wildtieren. Wenn wir die Tiere krank machen, machen die uns krank. Deshalb freue ich mich, dass ich dieses Mal gemeinsam mit der Tierärztin Hannah Emde YouTopia unterstütze. "One Health" bedeutet: Gesunde Menschen gibt es nur mit gesunden Tieren und intakter Natur. Denn letztlich sind wir auch nur Säugetiere, die ihre Körpertemperatur konstant halten müssen – sonst sterben wir. Gegen Ohnmacht hilft vor allem: Arsch hochkriegen, engagieren, Mund aufmachen – und vorher schlaumachen. Diese Reihenfolge bitte einhalten! (lacht)

Eckart von Hirschhausen ist mit der Tierärztin Hannah Emde im Wald unterwegs.
Eckart von Hirschhausen ist mit der Tierärztin Hannah Emde im Wald unterwegs.bild: Laura Moneke

Beautemps: Aus meiner Sicht müssen wir öfter auf mögliche Lösungen schauen. Dass wir ein großes Problem haben, wissen die meisten und viele können es nicht mehr hören. Aber oft ist einem gar nicht so klar, was man denn machen kann und was das dann wirklich bringt. Eckart nutzt dafür das tolle Wort "Impact" – also was bringt meine Handlung? Und wenn man da mehr drüber spricht, dann können die Leute damit etwas anfangen, da es ihnen dabei hilft, wirklich etwas zu ändern.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Beautemps: Einen wirklich großen Impact hat das Thema Heizen. Hier spart man pro Grad weniger, das man heizt, sechs Prozent Heizenergie. Das bedeutet nicht nur Geld, sondern auch jede Menge CO2-Einsparung.

Nun haben Sie, Herr von Hirschhausen, einen Beruf, der mit einer gewissen Neutralität verknüpft ist, setzen sich aber dennoch für mehr Klimaschutz ein. Ist der Klimawandel eine solch große Katastrophe, dass sich Wissenschaft und Aktivismus nicht länger voneinander trennen lassen?

Von Hirschhausen: Finden wir ein cooleres Wort für "Aktivismus"? Es klingt so schnell nach Straßen blockieren und Steine werfen. Das mache ich nicht. Ich versuche Menschen aus ihren eigenen Denkblockaden zu befreien und Ideen in die Runde zu werfen. Friedlich, so sehr ich den Frust von vielen verstehen kann, dass seit 50 Jahren die Wissenschaft warnt und wie bei dem Film "Don´t look up" kaum einer reagiert. Zum ersten Mal wünsche ich mir, dass sich die Forschung irrt. Leider ist alles, was wir gerade erleben, eine Katastrophe mit Ansage.

"Wir müssen nicht das Klima retten – sondern uns."
Arzt und Autor Eckart von Hirschhausen

Also reicht Wissenschaft allein nicht?

Von Hirschhausen: Nein. Wissenschaft muss die Menschen erreichen und berühren. Das macht Jacob ja mit den ARD-Mediathek-Dokus super. Ich mache das mit "Wissen vor acht – Erde" und auf vielen anderen Ebenen. Die Radikalisierung im Netz, in der Sprache, in der Gesellschaft irritiert eher die Mitte der Gesellschaft, als dass es hilft, neue Mehrheiten hinter dem wichtigsten Gemeinschaftsprojekt der Welt zu versammeln: Wir müssen nicht das Klima retten – sondern uns.

Dieses Jahr hat noch mehr gezeigt, wie sich die Krisen – ausgelöst durch die Erderwärmung – überschlagen. Schon bald könnten erste Kipppunkte überschritten werden, was irreversible Folgeschäden mit sich brächte. Haben Sie trotzdem noch Hoffnung, dass wir das 1,5 Grad-Ziel einhalten können?

Von Hirschhausen: Wir sind die erste Generation, die am eigenen Leib in Europa erfährt, was Klimakatastrophe bedeutet. Und wir sind die letzte, die etwas daran ändern kann, bevor Kipppunkte für immer überschritten werden. Wir haben eine Jahrhundertaufgabe vor der Nase, für die wir noch nicht einmal mehr zehn Jahre Zeit haben. Aber Pessimismus ist keine Option. Es lohnt sich, für jedes Zehntel Grad verhinderte Überhitzung, für jede ersparte Tonne Treibhausgas zu kämpfen. Und wer das nicht versucht, hat schon verloren.

"Ja, klar habe ich Angst. Wir haben alles zu verlieren, was ein gutes Leben ausmacht. Und gleichzeitig haben wir viel zu gewinnen."
Arzt und Autor Eckart von Hirschhausen

Haben Sie Angst vor dem, was droht, wenn es uns nicht gelingen sollte, das 1,5 Grad-Ziel einzuhalten? Immerhin sind die Folgen bei jetzt 1,1 Grad schon dramatisch.

Von Hirschhausen: Ja, klar habe ich Angst. Aber das ist ein schlechter Ratgeber. Wir haben alles zu verlieren, was ein gutes Leben ausmacht. Und gleichzeitig haben wir viel zu gewinnen. Eine grüne, autofreie Innenstadt, in der ich stressfrei mit dem Rad von A nach B komme, ist ein Gewinn an Lebensqualität. Sich pflanzenbasiert zu ernähren, ist ein Gewinn an Lebenszeit – und ein "Verzicht" auf Herzinfarkt und Schlaganfall. Es gibt die Forschung, es gibt die Lösungen – wir müssen es jetzt nur noch ganz schnell angehen und zeigen, was heute alles schon geht. Wenn wir immer behaupten, wir sind die schlaueste Art auf dem Planeten, sollten wir aufhören, unser eigenes Zuhause zu zerstören.

Entspannt mit dem Fahrrad von A nach B zu kommen, wie hier in Kopenhagen, macht das Leben entspannter.
Entspannt mit dem Fahrrad von A nach B zu kommen, wie hier in Kopenhagen, macht das Leben entspannter.bild: jochen tack

Beautemps: Definitiv. Und ich glaube, das geht den meisten Menschen so, auch wenn wir das wahrscheinlich ungern zugeben. Wichtig ist, dass es nicht zur lähmenden Angst wird, aber so ist es bei mir nicht. Und auch wenn es komisch klingt, habe ich die Hoffnung, dass dieses Problem historischen Ausmaßes eine Chance ist, diese zerrüttete Welt wieder zusammenzurücken.

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Ob der Schauspieler Leonardo DiCaprio ein Schuh-Fanatiker ist, wissen wir nicht. Aber eins ist sicher: Er ist ein riesengroßer Fan von unserem Planeten. Seit Jahren setzt er sich für Klima-, Arten- und Umweltschutz ein. Von dieser Motivation ist auch sein neuestes Projekt getragen.

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