Bleiben bei schlechtem Wetter lieber im Stock: Honigbienen sind 2021 wegen viel Niederschlag wenig ausgeflogen und haben deutlich weniger Honig erzeugt als 2020.
Bleiben bei schlechtem Wetter lieber im Stock: Honigbienen sind 2021 wegen viel Niederschlag wenig ausgeflogen und haben deutlich weniger Honig erzeugt als 2020.Bild: Zoonar.com/Anton Eine / Anton Eine

Zu nass für Bienen: Wegen des regnerischen Sommers fällt die Honigernte mager aus

15.10.2021, 08:59

Kalt und nass – da bleiben selbst die Bienen lieber zu Hause. Imker beklagen, dass die Honigernte aus diesem Sommer weitaus geringer ausfällt als in vorherigen Jahren. „Im Durchschnitt wurden deutschlandweit pro Bienenvolk nur 18 Kilo geernteter Honig entnommen“, erzählt Torsten Ellmann, Präsident des Deutschen Imkerbundes, im Gespräch mit watson. Nach Angaben des Fachzentrums Bienen und Imkerei in Mayen sind das ganze 12,7 Kilo weniger als 2020 – damals ernteten Imker noch rund 30,7 Kilo Honig je Bienenvolk.

"Am wenigsten Nektar haben Bienen dieses Jahr in Baden-Württemberg, Bayern und in Rheinland-Pfalz gesammelt."
Torsten Ellmann
Präsident des Deutschen Imkerbundes

Schuld daran waren die vielerorts kühlen Sommertemperaturen und die große Menge an Niederschlag. „Die Bienen fliegen bei Regen nicht aus, sondern bleiben im Stock sitzen, da sie auf gutes Wetter angewiesen sind, wenn sie ausfliegen sollen“, begründet Marina Meixner, Vorsitzende am Institut für Bienenforschung in Hessen. Demnach könnten Bienen ihren Stock bei Regen nicht verlassen, da Wassertropfen ihre Flügel so stark beschweren würden, dass sie nicht mehr fliegen könnten. „Letztendlich hat sich durch den vielen Niederschlag damit die Zahl der Ausflüge verringert“, so Meixner.

Als weiteren Grund für die geringe Honigproduktion führt die Bienenforscherin auch eine verkürzte Blütezeit zahlreicher Pflanzen durch die vielen Regengüsse auf. „Viele dieser Pflanzen haben später geblüht oder hatten dann auch zum Teil weniger Nektar, weil es zu kalt gewesen ist.“

Bienen aufpäppeln statt ihre Vorräte anzuzapfen

Doch wie steht es um die Bienenvölker selber? Generell entnehmen Imker Bienenstöcken nur überschüssigen Honig. Speisehonig sei damit normalerweise das, was die Bienen nicht selbst zum Überleben bräuchten – sondern vielmehr ein Vorrat, so Meixner gegenüber watson. "Es ist aber dieses Jahr auch vorgekommen, dass Imker zum Teil bei ihren Bienenvölkern mit Zuckerwasser oder Sirup zufüttern mussten, weil der Nahrungseintrag insgesamt so gering war, dass es für die Eigenversorgung der Bienen nicht gereicht hat." Um den Bienen nicht ihre Reserven zu nehmen, hätten Imker dieses Jahr verhältnismäßig wenig Honig aus den Stöckern entnommen, so Ellmann.

Als bestmögliche Unterstützung für die Bienenvölker empfiehlt Meixner, "auf eine vielfältige Vegetation mit einem breiten Blütenangebot zu setzen, was auch möglichst über den Sommer hinweg kontinuierlich blühen kann". Wäre das Pflanzenangebot nicht nur auf Grünflächen in der Stadt, sondern vor allem auch auf dem Land kontinuierlich vorhanden, wäre den Bienenvölkern am besten geholfen.

Honig könnte teurer werden

Die gering ausfallende Honigernte, die immer direkt vom Wetter abhängig sei, könne schon bald zu einer Preiserhöhung von in Deutschland produziertem Honig führen, sagt Ellmann. Bei vielen Imkern stehe aber nicht die Honigleistung im Vordergrund, sondern die Bestäubung von Pflanzen durch die Bienen als Beitrag zur Biodiversität. „Jeder sollte sich natürlich im Klaren darüber sein, wie viel er für Honig und somit für die Bestäubungsleistung heimischer Bienen ausgeben will“, so Ellmann.

Wie kalt wird der Winter – und welche Rolle spielt dabei die Klimakrise?

Mit der ersten Adventswoche kam auch der erste Schnee, zumindest in Teilen Deutschlands. Was früher nichts Besonderes war, lässt Herzen heute höher schlagen. Der Grund: "Mit dem Klimawandel werden unsere Winter immer wärmer", sagt Daniela Domeisen, Klimawissenschaftlerin der ETH Zürich, gegenüber watson. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit für Schnee.

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