Eine selbstfahrende S-Bahn soll zusammen mit digital gesteuerten Shuttle Bussen das Verkehrsnetz effizient ausbauen.
Eine selbstfahrende S-Bahn soll zusammen mit digital gesteuerten Shuttle Bussen das Verkehrsnetz effizient ausbauen.
Bild: picture alliance

Smarte Ampeln und selbstfahrende Züge: Messe zeigt Entwicklungen der digitalisierten Mobilität

12.10.2021, 14:38
Miriam Meyer
Miriam Meyer
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Smarte Ampeln, eine autonom fahrende S-Bahn und Drohnen, die medizinische Proben via Lufttransfer in der HafenCity transportieren: Diese Woche läuft in Hamburg mit dem Weltkongress für Intelligente Verkehrs- und Transportsysteme (ITS) der nach Veranstalterangaben weltweit größte Fachkongress zu Smart Mobility und Digitalisierung des Verkehrs. Bis zum 15. Oktober steht hier die Planung der Mobilität und Logistik der Zukunft im Fokus.

Experten für Verkehr, Logistik und Digitalisierung diskutieren hier, wie gewerblicher und privater Verkehr bei der voranschreitenden Klimakrise und gleichzeitig steigenden Mobilitätswünschen aussehen kann. Der Kongress wird jedes Jahr vom Veranstalter ERTICO in einer anderen europäischen Großstadt organisiert. Die Wahl fiel dieses Jahr auf die Stadt Hamburg, die erst vergangene Woche den Bitkom-Preis als "SmartCity" im Bereich der Massenmobilität gewonnen hat. Beispiele für innovative Smart-City-Lösungen in Hamburg sind etwa die Tiefenvermessung von Hafenbecken und Elbe mit autonom fahrenden Fahrzeugen.

Hamburg wird zur Modellstadt

Rund 400 Aussteller aus aller Welt zeigen auf der Zukunftsmesse Ideen und Lösungen für intelligente Verkehrssysteme. Das kommt der Stadtverwaltung Hamburg ganz recht: Sie arbeitet seit Längerem an Konzepten für eine nachhaltige Zukunft und gründete dafür 2020 eine eigene Behörde – die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM). "Unsere ITS-Strategie basiert komplett darauf, dass wir Mobilitätsangebote entwickeln, die den Hamburgerinnen und Hamburgern dauerhaft zur Verfügung stehen sollen", sagt Dennis Heinert, Pressesprecher der BVM in Hamburg, im Gespräch mit watson. Mit mehr als 170 innovativen und vor allem praxisnahen Projekten will sich die Hansestadt zur Modellstadt für smarte Transport- und Logistiklösungen entwickeln.

Ein Beispiel sind smarte Ampeln: Sie sollen dazu beitragen, dass der Verkehr in Städten flüssiger und dadurch die CO2 Emissionen geringer werden. Mithilfe einer intelligenten digitalen Vernetzung von Ampeln und Fahrzeugen können Auto- und Fahrradfahrer über eine Smartphone-App ihre Fahrgeschwindigkeit so wählen, dass sie immer auf der sogenannten Grünen Welle fahren. Innovationen wie diese kommen der Stadt Hamburg, die bis 2030 lokale CO2-Emissionen auf Null herunterschrauben will, zugute.

"Automatisiertes und vernetztes Fahren bietet auch im Schienennetz ein enormes Potential, wenn das Angebot auf ganz Hamburg ausgeweitet wird, was die Verdichtung der Taktung und der Frequenz der Züge betrifft."
Dennis Heinert

Behörde für Verkehr und Mobilitätswende

Auch im ÖPNV plant Hamburg eine automatisierte Zukunft. "Zu unseren Projekten gehört eine selbstfahrende S-Bahn zwischen den Stationen Berliner Tor und Bergedorf/ Aumühle, die am Montag eingeweiht wird", wie Sebastian Troch, von der Stadt beauftragter Referatsleiter der ITS, watson sagte. Die S-Bahn fährt das erste Mal eigenständig ohne Lokführer und ergänzt damit den digital gesteuerten Shuttle Bus, der bereits seit 2019 in der HafenCity eingesetzt wird.

Der Sprecher der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende, Dennis Heinert, sagt hierzu: "Automatisiertes und vernetztes Fahren bietet auch im Schienennetz ein enormes Potential. Damit könnten wir zukünftig effizientere Mobilitätsangebote für die Menschen hier vor Ort anbieten."

Mit der Drohne vom Labor in den OP

Auch für die Gesundheitsbranche gibt es neue Initiativen. Mithilfe von Drohnen statt mit dem Krankenwagen oder Taxi könnten etwa medizinische Güter wie Gewebeproben schneller und emissionsärmer in spezielle Labors transportiert werden.

Weitere Veranstaltungen des Mobilitäts-Kongresses sind Vorträge, unter anderem vom Wissenschaftsjournalisten und Fernsehmoderator Ranga Yogeshwar oder der angehenden ersten deutschen Astronautin Suzanna Randall. Am Donnerstag öffnet der Kongress dann seine Türen unter 2G-Bedingungen auch für die Öffentlichkeit.

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