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Mehr als Luftreiniger: Wälder können auch Mikroplastik speichern

Improved mental health: Walking can reduce stress, improve mood, and decrease symptoms of anxiety and depression.
Bäume nehmen Kohlenstoffdioxid auf und setzen lebenswichtigen Sauerstoff frei, doch das ist nicht ihr einziges Talent.Bild: getty images / la maca
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Mehr als Luftreiniger: Wälder können auch Mikroplastik speichern

18.05.2024, 12:04
Mehr «Nachhaltigkeit»

Rund ein Drittel der gesamten Erdoberfläche besteht aus Wald. Warum er für uns eine wichtige Lebensgrundlage darstellt, liegt auf der Hand: Bäume erzeugen Sauerstoff, den wir atmen. Ohne diesen wäre ein Leben für uns auf der Erde unmöglich.

Zudem bietet der Wald Schutz und Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Bäume befreien außerdem das Grundwasser im Boden von toxischen Giften. Das sind nur ein paar Vorteile, die der Wald für den Menschen und die Umwelt bietet.

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Nun gesellt sich ein weiterer Benefit dazu: Forschende haben herausgefunden, dass Wälder gigantische "Mikroplastik-Staubsauger" sein könnten.

Überall um uns herum befindet sich Mikroplastik in unvorstellbarer Menge – in der Luft, im Boden oder im Wasser. Die Teilchen sind kleiner als fünf Millimeter und entstehen unter anderem durch den Zerfall von achtlos weggeworfenen Tüten, Flaschen oder Verpackungen aus Plastik, die selbstständig nicht verrotten.

Macro shot on a bunch of microplastics that cannot be recycled.
So sieht eine Nahaufnahme von Mikroplastik aus, das nicht recycelt werden kann.Bild: getty images / Svetlozar Hristov

Ohne es zu bemerken, nehmen wir die Kunststoffpartikel permanent auf. Das kann beispielsweise über die Luft, das Trinkwasser, Lebensmittel, Staub oder kosmetische Produkte geschehen. Die winzigen Teilchen können sogar in unsere Organe eindringen. Kaum zu glauben, aber pro Woche atmen wir die Plastikmenge einer kompletten Kreditkarte ein.

Forschende untersuchen japanische Eichenart auf Mikroplastik

Theoretisch könnte es noch mehr Plastik sein, das beim Einatmen in unsere Lungen eindringt. Diese These stellten Forschende um Natsu Sunaga von der Japan Women’s University in Tokio auf.

Sie haben festgestellt, dass Baumblätter das in der Luft schwirrende Mikroplastik an ihrer wachsartigen Oberfläche sammeln und es so aus unserer Luft filtern. Genauer gesagt erforschen Sunaga und ihre Kollegen die Blätter der Eichenart Quercus serrata und wie viel Mikroplastik sie wirklich aufnehmen kann.

Um das herauszufinden, sind sie folgendermaßen vorgegangen: Zuerst wuschen sie die Blätter vorsichtig mit Wasser ab und behandelten sie weiter mit einer alkalischen Lösung aus zehn Prozent Kaliumhydroxid. Damit löste sich die Wachsschicht inklusive Mikroplastik von den Blättern. Schließlich konnten sie die exakte Menge der Kunststoffpartikeln messen.

Wälder sind laut japanischer Studie Mikroplastik-Senken

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Pro Quadratzentimeter Blattoberfläche fand das Team um Sunaga 0,07 Stücke Mikroplastik. Besonders präsent sind darunter die typischen Verpackungsmaterialien Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP).

White plastic beads on wood background, Polymers bead or polymer resin, polymer pallet, Product from petrochemical plants. granules polymer,
Der Kunststoff Polypropylen zersetzt sich unter dem Einfluss von UV-Strahlung.Bild: getty images / Kriengsak Tarasri

Für den ein oder anderen hört sich das im ersten Moment enttäuschend wenig an. Doch Sunaga erklärt den Befund im Hinblick auf ganze Wälder. Die Quercus serrata-Wälder Japans nehmen ungefähr 32.500 Quadratkilometer Fläche ein.

Wenn die Zahlen miteinander verrechnet werden, ergibt sich eine stattliche Summe: Jährlich schnappen sich die Baumkronen ungefähr 420 Billionen Stücke Mikroplastik aus der Luft heraus. Dem Magazin "natur.de" zufolge können Wälder daher als Senken für schädliches Mikroplastik in der Luft dienen.

Das Auffangen der Partikel gelingt den Bäumen mithilfe ihrer feinen Blatthaare und mit speziellen Anziehungskräften, die durch ihre wachsähnliche Blattoberfläche bedingt sind.

Die Bäume beweisen sich dadurch als "Staubsauger" für giftige Kunststoffteilchen und schützen die Gesundheit unserer Lungen. Die Folgen für die Wälder selbst sind jedoch noch unbekannt: Da das Mikroplastik unserem Körper schaden kann, ist es nicht unwahrscheinlich, dass es auch das Innenleben der Bäume zerstören und damit komplette Ökosysteme angreifen kann.

Forscher alarmiert wegen verschwundenen Touristen in Griechenland

Anfang des Monats wurde Michael Mosley, ein Arzt und bekannter Fernsehmoderator aus Großbritannien nach einer Wanderung bei sengender Hitze auf der griechischen Insel Symi tot aufgefunden. Ein Video, das ein Restaurant nicht weit entfernt von ihm aufzeichnete, zeigt Mosley, wie er in der Nähe des Lokals minutenlang über die Felsen irrt und plötzlich zusammenbricht.

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