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Indien: Neues Mega-Kraftwerk soll 16 Millionen Haushalte mit Strom versorgen

Solar panels are installed at an under-construction site of Adani Green Energy Limited's Renewable Energy Park in the salt desert of Karim Shahi village, near Khavda, Bhuj district near the India ...
Mitten in der Wüste entsteht das größte Kraftwerk für saubere Energie.Bild: AP / Rafiq Maqbool
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Erneuerbare Energien mitten in der Wüste: Indien baut größtes Kraftwerk der Welt

22.03.2024, 14:4223.03.2024, 08:25
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Indiens Bevölkerung wächst kontinuierlich. Im vergangenen Jahr hat es China als bevölkerungsreichstes Land der Erde abgelöst. Mit den Einwohner:innen steigen auch die Herausforderungen für die Politik. Denn 1,4 Milliarden Menschen müssen mit Energie versorgt werden.

Indien liegt schon jetzt auf Platz drei, was den Energieverbrauch angeht, obwohl er pro Kopf weniger als die Hälfte des weltweiten Durchschnitts beträgt. Das dürfte sich in den kommenden Jahrzehnten radikal ändern. Durch eine stetig wachsende Wirtschaft und steigenden Wohlstand erwartet die Internationale Energieagentur den größten Anstieg an Energieverbrauch weltweit.

Indien stehen gewaltige Umwälzungen bevor, die auch eine Abkehr von fossilen Energien beinhalten. 70 Prozent des Stroms werden nach wie vor aus Kohle gewonnen. Indiens Premierminister Narendra Modi hat das ambitionierte Ziel verkündet, bis Ende 2029 die Hälfte der Energie aus Erneuerbaren zu erzeugen.

Kraftwerk könnte die gesamte Schweiz versorgen

Einen großen Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität soll jetzt ein gewaltiges Energieprojekt bringen. In der Salzwüste im Westen Indiens soll das größte Kraftwerk der Welt entstehen, wie der "Spiegel" berichtet. Der "Khavda Renewable Energy Park" wird fertiggestellt die fünffache Größe von Paris haben und genug Energie erzeugen, dass er die gesamte Schweiz versorgen könnte.

Auf mehr als 500 Quadratkilometern sollen Solar- und Windkraft dafür sorgen, dass in absehbarer Zeit genug sauberer Strom erzeugt wird, um 16 Millionen indische Haushalte zu versorgen.

Brisant: Der Park entsteht nur etwa 20 Kilometer von der Grenze zu Pakistan entfernt, die als eine der gefährlichsten der Welt gilt. Zudem befinden sich Indien und Pakistan seit Jahrzehnten in einem Dauerkonflikt.

Für die Adani Green Energy Limited (AGEL), die sich den Park rund 20 Milliarden US-Dollar kosten lässt, ist die Wüste aber der perfekte Standort. "Eine Region, die so groß ist, eine Region, die so unbelastet ist, es gibt keine Wildtiere, es gibt keine Vegetation, es gibt keine Besiedlung. Für die Nutzung dieses Landes gibt es keine bessere Alternative", sagt Sagar Adani, Geschäftsführer von AGEL bei "CNN".

Mit Hinblick auf den stark wachsenden Energieverbrauch und die einhergehenden Herausforderungen für die Energiewende gibt sich Adani verantwortungsbewusst: "Indien hat keine andere Wahl, als Dinge in einem bisher ungeahnten Umfang und Ausmaß anzupacken", sagt Adani. "Wenn Indien das tut, was China getan hat, wenn Indien das tut, was Europa getan hat, wenn Indien das tut, was die USA getan haben, dann steht uns allen eine sehr, sehr düstere klimatische Zukunft bevor".

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Indes ist die Adani-Gruppe selbst Profiteur fossiler Energien. Das Energieunternehmen ist Indiens größter Kohleimporteur. Außerdem betreibt sie die umstrittene Carmichael Coal Mine in Australien, die Klimaaktivist:innen als "Todesurteil" für das Great Barrier Reef bezeichnen.

Workers install solar panels at the under-construction Adani Green Energy Limited's Renewable Energy Park in the salt desert of Karim Shahi village, near Khavda, Bhuj district near the India-Paki ...
Solarpanels und Windturbinen sollen Strom für 16 Millionen Haushalte liefern.Bild: AP / Rafiq Maqbool

Weitere massive Investitionen in fossile Energien treffen auf scharfe Kritik: "Adani fährt weiterhin zweigleisig", bemängelt Tim Buckley, Direktor des in Sydney ansässigen Thinktanks Climate Energy Finance gegenüber CNN.

Der Weg zur Klimaneutralität bleibt lang und beschwerlich. Mega-Projekte wie der Khavda Renewable Energy Park geben aber Befürworter:innen Grund zur Hoffnung. In fünf Jahren soll er fertig sein.

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