Nachhaltigkeit
An outhouse in a wooded area with a heart window.

Komposttoiletten und Plumpsklos gibt es oft dort, wo kein Wasseranschluss zur Verfügung steht. Bild: iStockphoto / Akchamczuk

Gute Nachricht

Warum Dünger aus menschlichen Exkrementen bald dem Klima helfen kann

In Deutschland gibt es für absolut alles ein Gesetz. Es ist zum Beispiel verboten, auf der Autobahn einen leeren Tank zu haben, im Gleichschritt über eine Brücke zu marschieren oder im Abwasserkanal zu schwimmen. Da wundert es kaum noch, dass es auch eine sogenannte Düngemittelverordnung (DüMV) gibt, die vorgibt, was auf deutsche Felder darf und was nicht. Bislang galt, dass menschlicher Kot und Urin dort verboten sind, auch in kompostierbarer Form. Eine neue Richtlinie könnte das ändern und menschliche Fäkalien ökologisch nutzbar machen.

Trockentoiletten sind keine Neuheit mehr. Besonders auf Festivals, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, kommen immer öfter Komposttoiletten von Betreibern wie Goldeimer, Ökolocus, Goldgrube oder Finizio zum Einsatz. Sie sind mobil und benötigen nur Sägespäne – es wird keine Chemie verwendet. Nichtsdestotrotz kann der "Abfall" kaum weiter verwertet werden. Enno Schröder von Goldeimer hält es laut "Taz" für möglich, dass menschliche Fäkalien bis zu 25 Prozent der derzeitigen Düngemittelmenge ersetzen könnten. Ökolandbauern hätten bereits Interesse angemeldet, die technische Umsetzbarkeit und die anfallenden Kosten könne er jedoch noch nicht abschätzen.

Das ökologische Potential von Düngemittel aus menschlichem Kot und Urin sei hoch, schätzt der Experte Joachim Clemens. Gegenüber der "Taz" betonte er, man müsse Kot und Urin allerdings voneinander getrennt weiterverarbeiten: "Urin enthält viele mineralische Nährstoffe, Fäkalien eher organisch gebundene Nährstoffe."

Rechtliche Hindernisse

Ein Problem, das der rechtlichen Genehmigung von Düngemittel menschlichen Ursprungs im Weg steht, ist, dass sich in Kot auch Keime, Krankheitserreger, Arzneimittelrückstände und Hormone befinden können, die nicht in den Boden gelangen dürfen. Schröder verweist der "Taz" gegenüber auf eine Risikoanalyse des Deutschen Instituts für Normung, der zufolge es "vielfache, bereits technisch ausgereifte und etablierte Verfahren" gebe, mit denen sich mögliche Erreger beseitigen ließen.

Am 1. Dezember erschien darüber hinaus eine DIN-Richtlinie, die erstmals Qualitätsstandards für die landwirtschaftliche Nutzung menschlicher Fäkalien festlegt. Davon ausgehend werden jetzt Kompostierverfahren für Exkremente geprüft, die Goldeimer-Partnerfirma Finizio hat bereits erste Experimente gestartet.

Menschlichen Kompostdünger auf den Feldern zu verwenden, hat einige ökologische Vorteile: Laut Schröder sei die Herstellung von Stickstoffdünger energieintensiv und klimaschädigend unter Nutzung fossiler Ressourcen und sei außerdem oft mit Schwermetallen belastet. Der Kot-Dünger be­inhalte hingegen organische Substanzen in Form von Humus, der sogar dabei hilft, CO2 im Boden zu binden.

(sb)

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