Nachhaltigkeit
Waldsterben im Harz. Im Nationalpark und gesamten Harz sterben Fichtenforste in großem Umfang ab, zumeist in der letzten Stufe durch die Borkenkäfer dahingerafft. Torfhaus, 06.09.2020 *** Forest dieback in the Harz Mountains In the National Park and throughout the Harz Mountains, spruce forests are dying off on a large scale, mostly in the last stage of decay due to bark beetles Peat house, 06 09 2020 Foto:xU.xStammx/xFuturexImage

Der Wald, die grüne Lunge – wenn er einmal von Borkenkäfern heimgesucht wurde, ist davon nicht mehr viel übrig. Bild: www.imago-images.de / Ulrich Stamm

Gute Nachricht

Forscher tricksen Schädling aus – und wollen so den Wald retten

Borkenkäfer sind nur wenige Millimeter groß, doch sie können ganze Wälder innerhalb kürzester Zeit zerstören. Von tiefgrünen Bäumen bleiben am Ende nur kahle Gerippe übrig. Denn der Borkenkäfer sitzt unter der Rinde und durchtrennt die Kohlenhydratzufuhr zwischen Wurzeln und Baumkrone. Die Folge: Wurzeln sterben ab und können kein Wasser mehr transportieren.

Dürre-Sommer wie die der vergangenen drei Jahre machen alles noch schlimmer und die Bäume anfälliger für Schädlinge. Laut Statistischem Bundesamt stieg das Volumen des aufgrund von Insektenschäden entfernten Schadholzes zwischen 2017 und 2019 von rund sechs Millionen Kubikmetern auf 32 Millionen Kubikmeter – das entspricht einer Versechsfachung.

Nur: Wie kann den gefräßigen Insekten und damit dem Waldsterben Einhalt geboten werden? Forscher der TU Dresden haben laut MDR eine Möglichkeit gefunden. Sie tricksen die Tierchen mit ihren eigenen Lockstoffen aus, sogenannten Pheromonen.

Mit diesen Stoffen locken Borkenkäfermännchen Weibchen an – oder zeigen anderen Männchen, dass an der betroffenen Stelle Nahrung zu finden ist. Allerdings machen sie mit ihrem Geruch auch Fressfeinde und Parasiten auf sich aufmerksam. "Daraus entstand der Gedanke: Gibt es nicht Möglichkeiten, die Antagonisten des Borkenkäfers anzulocken, ohne gleichzeitig den Borkenkäfer anzulocken?", so Michael Müller, Professor für Waldschutz an der TU Dresden, gegenüber dem MDR.

Bäume müssen sich selbst regenerieren

Die Möglichkeit gibt es – denn unterschiedliche Borkenkäferarten produzieren unterschiedliche Lockstoffe. Der Laubwald-Borkenkäfer kann beispielsweise den Lockstoff des Nadelwald-Borkenkäfers nicht riechen und umgekehrt. Bei den Feinden des Käfers ist das anders: Sie riechen die Lockstoffe sämtlicher Borkenkäfer. Die Forscher machten sich diesen Umstand zunutze und verteilten den Lockstoff der Laubwald-Borkenkäfer im Nadelwald und andersrum. Die Fressfeinde sollen so an den betreffenden Stellen eingreifen – und dafür sorgen, dass die Borkenkäfer nicht überhandnehmen.

"Wir haben die ersten kleineren Holzlager, an denen wir Versuche gemacht haben, wo wir eine deutliche Minderung des Befalls zeigen können. An einzelnen Hölzern sind wir in der Lage, den Befall um 70 bis 80 Prozent zu senken", so Müller.

Den Anspruch, mit der Methode den Wald zu retten, haben die Wissenschaftler aber nicht. Die derzeit stattfindende Massenvermehrung des Borkenkäfers könne mit der Methode nicht verhindert werden – entscheidend sei der Gesundheitszustand der Bäume. Und wenn die ausgetrocknet sind und sich nicht mehr selbst vitalisieren können, sind sie eben auch eine leichte Beute für die gefräßigen Insekten.

Allerdings kann mit den Lockstoffen verhindert werden, dass bereits geerntetes Nutzholz vom Borkenkäfer angefallen wird. Und auch in Normalzeiten ohne große Dürre kann Müller zufolge die Population des Borkenkäfers gering gehalten werden.

(ftk)

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