In den glatten Betonwänden finden kleine Meerestiere keinen Zuschlupf.
In den glatten Betonwänden finden kleine Meerestiere keinen Zuschlupf.
Bild: www.imago-images.de / CHROMORANGE
Gute Nachricht

Statt glattem Beton im Hafenbecken: 3D-Drucker schafft Lebensraum für Meerestiere

17.11.2020, 12:18

An naturbelassenen Küsten lässt sich eine extrem große Artenvielfalt entdecken. Dort leben beispielsweise Schnecken und Seepocken – die kleinen Tiere nutzen vor allem dünne Spalten und Risse, um sich vor Fressfeinden und der Sonne zu schützen. An immer mehr Orten wird die natürliche Beschaffenheit allerdings durch menschliche Bauten mit glatten Betonwänden ersetzt. Dadurch können sich die Tiere nicht mehr verstecken und die Artenvielfalt nimmt ab.

Ein Forschungsteam aus Hongkong hat eine mögliche Lösung für dieses Problem entwickelt: Am glatten Beton lassen sich Kacheln aus einem 3D-Drucker anbringen, welche die natürlichen Begebenheiten der Küste imitieren. Dadurch kann die Biodiversität auch an den Küstengebieten, die zuvor durch Gebäude gestört wurden, erhalten bleiben.

Die Kacheln imitieren die natürlichen Begebenheiten der Küste.
Die Kacheln imitieren die natürlichen Begebenheiten der Küste.
bild: City university of hong kong

Das Team unter der Leitung von Professor Kenneth Leung Mei-yee, Direktor des staatlichen Schlüssellabors für Meeresverschmutzung an der City University of Hong Kong (CityU), befestigte die ersten Kacheln an vertikalen Mauern in Sham Shui Kok auf der Insel Lantau und Lok On Pai in Tuen Mun. Durch die Erhöhung der Oberflächenkomplexität mit Spalten bieten die Kacheln Schutz und senken die Oberflächentemperatur, wodurch laut Professor Leung eine größere Vielfalt von Arten wie Gastropoden und Napfschnecken leben und wachsen kann.

Die Risse und Spalten an naturbelassenen Küsten entstehen im Laufe von Jahrhunderten, weshalb es laut "Trends der Zukunft" kein spezielles Muster gab, das die Forscher kopieren konnten. Daher entwarfen sie zunächst verschiedenen Designs, die sie an insgesamt 27 Standorten in 14 Häfen weltweit testeten. Nach einem Jahr konnten die Forscher vielversprechende Ergebnisse feststellen: Die Kacheln wirken sich nachweisbar positiv auf die Artenvielfalt vor Ort aus. Sie werden individuell an die jeweiligen Standorte und die Bedürfnisse der heimischen Tiere angepasst.

Durch den Einsatz von Austern konnten die positiven Ergebnisse noch verstärkt werden.
Durch den Einsatz von Austern konnten die positiven Ergebnisse noch verstärkt werden.
bild: city university of hong kong

Der positive Effekt ließ sich noch verstärken durch die Verwendung von Muscheln: Die Forscher brachten an der Kaimauer in Hongkong die heimische Steinauster an und konnten damit den marinen Lebensraum noch natürlicher nachbilden. Die Kacheln mit Austern förderten zudem das Wachstum neuer Austern und versorgten Raubtiere mit Nahrung, was ein gesundes Ökosystem förderte.

Solche Eingriffe in das natürliche Ökosystem werden unter dem Begriff "Green Engineering" zusammengefasst. Das australische "World Harbour Project" will unter Verwendung dieser Technik die Belastung der Natur durch die Häfen reduzieren. "Die Ergebnisse unserer Studie zeigen deutlich, dass wir die biologische Vielfalt der Meere an Meeresmauern effektiv verbessern können, indem wir die Komplexität der Lebensräume durch Green-Engineering erhöhen", sagte Leung in einer Mitteilung der City University of Hong Kong. "Diese Technologie kann auf alle vorhandenen Meeresmauern in Hongkong angewendet werden."

(sb)

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