Gleichstrom-Erdkabel der Stromtrasse Nordlink laufen in der Nähe von Büsum aus dem Erdreich zu einer sogenannten Muffenstation.
Gleichstrom-Erdkabel der Stromtrasse Nordlink laufen in der Nähe von Büsum aus dem Erdreich zu einer sogenannten Muffenstation.
Bild: dpa / Carsten Rehder
Gute Nachricht

"Leuchtturmprojekt der Energiewende": Nachhaltige Stromtrasse Nordlink zwischen Deutschland und Norwegen eröffnet

28.05.2021, 08:19

Die Energiewende in Europa bekommt neuen Aufschwung: Zwischen dem Städtchen Wilster in Schleswig-Holstein und dem norwegischen Dorf Tonstadt verläuft von nun an Nordlink, eines der weltweit längsten Seekabel. Es verknüpft erstmals die Stromnetze von Deutschland und Norwegen miteinander.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg eröffnen die rund zwei Milliarden Euro teure Stromtrasse offiziell am Donnerstag. Nach einem mehrmonatigen Probebetrieb war die Leitung vor einigen Wochen in Betrieb gegangen. Der Netzbetreiber Tennet spricht von einem "Leuchtturmprojekt der Energiewende", die deutsche Förderbank KfW von einem "technologisch einzigartigen Projekt".

Wichtiger Schritt für die Energiewende in Deutschland

Nordlink ist insgesamt 623 Kilometer lang, 516 Kilometer davon liegen im Grund der Nordsee. Über die Stromtrasse fließt je nach Produktion und Bedarf Windstrom nach Norwegen oder in Gegenrichtung Strom aus Wasserkraft nach Deutschland. Die riesigen Wasserspeicher Norwegens können so als indirekter Speicher für überschüssige deutsche Windenergie dienen. Im Gegenzug kann Deutschland eventuelle Versorgungslücken beim Windstrom durch Wasserkraft aus Norwegen ausgleichen. Die Kapazität der Leitung wird mit 1400 Megawatt angegeben. Damit können laut Netzbetreiber Tennet mehr als 3,6 Millionen Haushalte mit Strom versorgt werden.

Die geplante offizielle Inbetriebnahme im schleswig-holsteinischen Wilster scheiterte an der jüngsten Zuspitzung der Corona-Pandemie. Stattdessen wird die Fertigstellung von Nordlink nun als digitale Zeremonie inszeniert, zu der neben Merkel und Solberg auch Ministerpräsident Daniel Günther und Wirtschaftsminister Peter Altmaier zugeschaltet werden.

Für das Gelingen der Energiewende in Deutschland ist die Inbetriebnahme von Nordlink deshalb wichtig, weil so grüner Strom aus dem Norden in die Bundesrepublik transportiert werden kann. Es sind außerdem noch vier weitere große Stromtrassen in Planung: Suedlink führt von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg, Suedostlink von Sachsen-Anhalt nach Bayern, Ultranet soll Emden mit Baden-Württemberg verbinden und der B-Korridor Schleswig-Holstein mit Nordrhein-Westfalen. Um langfristig wegzukommen von den fossilen Brennstoffen Kohle und Gas, ist die Errichtung dieser Stromtrassen Experten zufolge unerlässlich.

(sb/dpa-afxp)

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