Studie legt nahe, dass akustische Signale Vögel von Glasfassaden fernhalten

Millionen Vögel sterben jedes Jahr, weil sie gegen Fenster und gläserne Häuserfassaden fliegen. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / paulacobleigh

Forscher schützen Vögel davor, gegen Glasscheiben zu fliegen – mit speziellen Tönen

Ein aufgeregtes Flattern, ein dumpfer Aufprall und dann liegt der Vogel meist leblos vor der Glasscheibe. Tagtäglich fliegen zahlreiche Vögel ungebremst gegen die Fenster von Wintergärten, Bushäuschen oder Häuserfassaden. Laut BUND sterben auf diese Weise allein in Deutschland jedes Jahr mindestens 18 Millionen von ihnen. Die Zahl geht auf Untersuchungen aus den USA zurück, wonach durchschnittlich ein bis zehn Vögel jährlich an einem Wohnhaus verenden.

Um die Vögel vor einer Kollision zu bewahren, bringen viele Menschen schwarze Aufkleber auf Fenster und Glasfassaden an. Die dunkle Greifvogel-Silhouette verfehlt aber oftmals ihre Wirkung, denn die vorbeifliegenden Tiere erkennen sie meist nicht als potentielle Bedrohung. Stattdessen sehen sie den Himmel oder einen nahestehenden Baum, der sich im Glas spiegelt, und steuern direkt darauf zu.

Mehrere US-amerikanische Biologen haben deshalb anstelle visueller Stimuli akustische Warnsignale getestet – und das mit Erfolg. Im Umfeld zweier rund 100 Meter hoher Gebäude haben sie Lautsprecher aufgestellt und im 30-Minuten-Takt zwei unterschiedlich frequentierte Töne abgespielt. Dazwischen lagen ebenso lange Kontrollphasen ohne akustische Warnsignale. Durch spezielle Kameras konnten die Wissenschaftler dann die Flugbewegungen der Tiere analysieren.

Wegen der Töne reduzierten die Vögel ihre Flugrichtung

In der Ende April veröffentlichten Studie kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass sich durch den Einsatz der "akustischen Leuchttürme" bis zu 16 Prozent weniger Vögel im Umfeld der Gebäude bewegen als in der Kontrollphase ohne Ton. Beide Töne hatten zur Folge, dass die Vögel zumindest ihre Fluggeschwindigkeit verringerten. Bei dem Signal mit einer niedrigeren Frequenz von vier bis sechs Kilohertz änderten die Tiere sogar früher ihre Flugrichtung.

Trotz dieses Erfolgs wenden die Wissenschaftler ein, dass sich die Option akustischer Warnsignale nicht für jeden Standort eignet. Die Töne sind nämlich auch für Menschen und andere Tierarten hörbar und könnten sich beispielweise negativ auf deren Stressempfinden auswirken. In Phasen mit besonders hohem Aufkommen von Zugvögeln könnten die "akustischen Leuchttürme" trotzdem gut an Hochhäusern oder Windrädern angebracht werden und so viele Vogelleben retten.

(la)

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