Die australische Rennfahrerin Molly Taylor sitzt auf Continental Reifen während des Ocean X-Prix am Lac Rose See (Senegal) im Mai 2021.
Die australische Rennfahrerin Molly Taylor sitzt auf Continental Reifen während des Ocean X-Prix am Lac Rose See (Senegal) im Mai 2021.
Bild: imago-images / Charly Lopez
Gute Nachricht

Reifen aus Altplastik: Continental will ab 2021 PET-Flaschen recyceln

09.08.2021, 11:53

Kunststoff aus recycelten Flaschen soll vom kommenden Jahr an in die Pkw-Reifenherstellung bei Continental einfließen. Wie der Autozulieferer ankündigte, werden zuvor herkömmlich produzierte Polyester-Verbindungen dabei komplett durch ein nachhaltiges Polyester-Garn ersetzt. Dieses stammt aus dem wiederaufbereiteten Plastikflaschen-Kunststoff PET. "Im Rahmen des sogenannten Upcyclings wird so aus einer PET-Kunststoffflasche ein PET-Hochleistungswerkstoff", erklärte der Dax-Konzern aus Hannover.

Es gehe um ein Verfahren, bei dem das zerkleinerte Flaschenmaterial in den Wertkreislauf der Reifenkunststoffe zurückgeführt werden könne. Die zusammen mit dem Faser- und Textilhersteller OTIZ entwickelte Technologie, soll Anfang September auch auf der Automesse IAA vorgestellt werden.

Plastik als Klimakiller

Klassische Kunststoffproduktion verschlingt – wie viele Prozesse der industriellen Chemie – große Mengen fossiler Kohlenwasserstoffe aus Erdölgemischen. Auch Reifenhersteller, die neben Kautschuk vor allem verformungsfähige Kunststoffe benötigen, versuchen daher, Teile der Produktion auf Recycling-Material umzustellen. Der französische Reifenhersteller Michelin etwa tat sich mit dem schwedischen Start-Up Enviro zusammen, um Ruß und weitere Stoffe zurückzugewinnen, ehe diese für neue Reifen oder Förderbänder verwendet werden. Recyceltes Plastik wollen die Franzosen ab 2024 einsetzen.

"Bisherige Labor- und Reifentests zeigen, dass Fasern aus Sekundärrohstoffen ebenso leistungsfähig sind, wie bisher verwendete Fasern"
Continental auf der Unternehmenswebseite

Bei Continental laufen zudem Projekte, in denen Naturkautschuk nicht aus Großplantagen mit entsprechendem Flächen- und Wasserverbrauch, sondern aus Löwenzahn stammt. Er könnte später eventuell in Serie gehen. Denn am bisherigen Anbau von Kautschuk gibt es heftige Kritik wegen der ökologischen und sozialen Folgen. Die Branche plant auch, besser verträgliche Substanzen zu verwenden. Der Reifenhersteller Goodyear ist bei biochemischen Verfahren und Reifenmaterialien ebenfalls aktiv, die US-Amerikaner forschten beispielsweise an Zuckerrohr als möglichem Ausgangsstoff.

Komplett nachhaltige Produktion geplant

Die Forschung zum Recycling läuft parallel dazu. "Bisherige Labor- und Reifentests zeigen, dass Fasern aus Sekundärrohstoffen ebenso leistungsfähig sind, wie bisher verwendete Fasern", heißt es in Hannover. Bis 2050 sollten spätestens alle Reifenmaterialien aus nachhaltigen Prozessen stammen, Abfall sei "zukünftiges Produktionsmaterial". Zur Wiederverwertung von Industrieruß in Reifen sind ähnliche Kreislaufsysteme geplant.

(fs/dpa-afxp)

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