Mit Drohnen werden Kapseln, gefüllt mit Saatgut, über trockenen Gebieten abgeworfen.
Mit Drohnen werden Kapseln, gefüllt mit Saatgut, über trockenen Gebieten abgeworfen.bild: airseed technologies
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Von Drohnen bis Spinifex: So bekämpft Australien die Klimakrise

28.02.2022, 12:28

Das Zentrum Australiens ist wegen seiner harschen Lebenskonditionen dünn besiedelt. Laut einer Statistik von 2016 leben 85 Prozent der Australier nicht weiter als 50 Kilometer von der Küste entfernt. Denn im Outback, das 70 Prozent Australiens ausmacht, können wüstenartige Bedingungen mit Temperaturen von über 40 Grad herrschen.

Umweltschützer und Unternehmen beschäftigen sich mit der Frage, wie man Dürren, verheerende Brände, Rekordtemperaturen und Überschwemmungen verringern kann. Besonders verheerende Buschfeuer gab es im australischen Sommer 2019/2020.

Die extrem ausgetrockneten Böden begünstigen dabei gerade, dass es momentan im Osten Australiens zu katastrophalen Überschwemmungen kommt. Tagelange sintflutartige Regenfälle, die durch ein sich nur langsam bewegendes Tiefdruckgebiet ausgelöst wurden, sorgten für das Extremwetter. Ein Ende ist derzeit nicht absehbar – auch für die nächsten Tage sagen Meteorologen Regenfälle voraus.

Drohnen werfen Kapseln mit Saatgut ab

Das junge australische Unternehmen AirSeed will der Dürre im Outback Australiens ein Ende setzen und bis 2024 Millionen von Bäumen pflanzen - aus der Luft. Und zwar da, wo Brände und Rodung die Vegetation stark angegriffen haben. Gemeinsam mit Ökologen erstellt die 2019 gegründete Firma Bepflanzungsmuster und produziert Kapseln mit Samen und Nährstoffen, die dann von Drohnen über einem ausgewählten Gebiet abgeworfen werden.

"Unsere Hauptaufgabe ist die Wiederherstellung verloren gegangener Biodiversität durch die Anpflanzung einheimischer Baum-, Strauch- und Grasarten", sagte Geschäftsführer Andrew Walker der Deutschen Presse-Agentur. "Alles, was wir pflanzen, muss den lokalen Ökosystemen nutzen."

Die Drohnen können dabei entlegenste Gebiete erreichen. "Unser Ansatz ist etwa 25 Mal schneller und 80 Prozent kosteneffizienter als manuelle Anpflanzungsmethoden", betonte Walker. Bis heute hat AirSeed auf diese Weise nach eigenen Angaben bereits 150 000 Bäume gepflanzt, in den nächsten Monaten sollen hunderttausend Weitere folgen.

Unternehmen will Netzwerk von Saatgutsammlern aufbauen

Greening Australia, ein Non-Profit-Unternehmen, will seine Vision von "gesunden und produktiven Landschaften, in denen Mensch und Natur gedeihen" mit Projekten der Wiederherstellung zerstörter Lebensräume verwirklichen: Dazu gehört das Baumpflanzprojekt im Outback, aber auch der Schutz des Great Barrier Reefs und die Begrünung von Städten.

Unter anderem wollen die Umweltschützer ein nationales Netzwerk von Saatgutsammlern aufbauen und gleichzeitig nach neuen Wegen zur Produktion von einheimischem Saatgut suchen.

Aber die klimatischen Umstände sind schwierig und kaum kalkulierbar. "Australien ist ein trockener Kontinent. Die Niederschläge kommen in großen Mengen, aber zu unvorhersehbaren Zeiten", sagt Glenda Wardle, Professorin für Ökologie und Evolution an der Universität Sydney. "Es gibt viele trockene Jahre und dann viel Regen. Also von schlechten Bedingungen kommt man zu plötzlichen Chancen, bei denen es grünt."

"Es ist wohl ein Irrglaube, dass man Australien dauerhaft künstlich begrünen kann."

Deshalb ist die Wissenschaftlerin skeptisch, was eine permanente Begrünung trockener und halb-trockener Outback-Gebiete betrifft. "Es ist wohl ein Irrglaube, dass man Australien dauerhaft künstlich begrünen kann", sagt sie. "Es gibt zwar Regenwasser und Grundwasser, aber die Vorkommen sind begrenzt. Um eine Wüste grün zu halten, bräuchte man eine konstante Versorgung – und die gibt es nicht."

Nicht immer sei Bewaldung die richtige Lösung: "Wir sollten Wälder nicht an Stellen pflanzen, wo sie nicht hingehören", so Wardle. Es müsse vielmehr dafür gesorgt werden, dass keine weiteren Regionen abgeholzt oder anders modifiziert würden.

Bedrohtes Land soll erhalten bleiben

Für den Erhalt von bedrohtem Land setzt sich die Organisation Bush Heritage Australia ein. Die Organisation arbeitet mit Indigenen und anderen Landeigentümern zusammen und hilft so beim Schutz von Millionen weiteren Hektar Land.

"Wir haben einige Nationalparks und Naturschutzgebiete, aber immer noch zu viele Landschaften, die noch gar nicht oder zu wenig geschützt sind", sagt die Ökologin Anke Frank.

Geschützt werden hier etwa die kreisartig wachsenden Spinifexgräser, die in ariden Regionen weit verbreitet sind. "Das Gras bietet eine Menge Schutz", sagt Anke Frank. "Es ist sehr pieksig und Raubtiere haben ein Problem, Tiere darunter zu fangen." Wenn es aber zu viel Bewaldung gebe, werde das Gras beispielsweise von Vieh zertreten und zerstört. Die Expertin ist überzeugt: Aufforstung an der falschen Stelle kann ein Ökosystem durcheinanderbringen - oder gar zerstören.

(sb/dpa)

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