Great Barrier Reef File photo taken Oct. 9, 2016, shows corals in the Great Barrier Reef in waters off the northeastern coast of Australia. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY

Korallen pflanzen sich eigentlich fort, indem sie zeitgleich Spermien und Eier freisetzen. Bild: www.imago-images.de / Kyodo News

Kampf gegen Klimawandel: Künstliche Befruchtung könnte Great Barrier Reef retten

Nachrichten vom Great Barrier Reef sind selten gut: Durch den Klimawandel und die damit zusammenhängende Erwärmung und Versauerung der Meere sterben die Korallen ab. In den vergangenen dreißig Jahren hat das größte Korallenriff der Welt mehr als die Hälfte davon verloren. Vor wenigen Wochen haben die Vereinten Nationen die Überlebenschancen des Riffs sogar erstmals als "kritisch" eingestuft – die höchst mögliche Warnstufe.

Forscher aus Australien haben jetzt allerdings eine Möglichkeit gefunden, wie das Sterben des Riffs verhindert und die bunte Unterwasserwelt erhalten bleiben könnte. Ihnen ist es gelungen, der Fortpflanzung der Korallen auf die Sprünge zu helfen und mittels künstlicher Befruchtung neue Korallen zu züchten.

Schon 2016 hatten Forscher Spermien und Eizellen von gesunden Korallen eingesammelt und im Labor zusammengeführt. Die entstandenen Larven wurden in einem Becken kultiviert und dann in Regionen mit zerstörter Korallenpopulation wieder ausgesetzt.

Was sich dort seitdem getan hat, haben die Forscher vor einigen Tagen überprüft – und festgestellt, dass sich aus den Larven inzwischen große Korallen entwickelt haben. Insgesamt 60 davon sind der Nachrichtenagentur Reuters zufolge im Laufe der Zeit in der Nähe von Heron Island entstanden. Sie haben nicht nur die Korallenbleichen der vergangenen Jahre überstanden, sondern sind auch kurz davor, sich weiter fortzupflanzen. "Das beweist, dass die Larvenrestaurationstechnik genauso funktioniert, wie wir es vorhergesagt haben, und dass wir innerhalb weniger Jahre sehr große Korallen aus winzigen mikroskopisch kleinen Larven züchten können", sagte Peter Harrison, der Direktor des Marine Reseach Centers der Southern Cross University gegenüber Reuters.

Spermien verursachen Unterwasser-Schneesturm

Wer in puncto Korallen-Sexualkunde noch ein wenig Nachhilfe braucht: Die meisten Korallen sind Zwitter und produzieren sowohl Sperma als auch Eier. Während des jährlichen Korallenlaichens werden diese gleichzeitig freigesetzt – ein gigantischer Unterwasser-Schneesturm entsteht durch die Billionen Spermien, die durcheinanderwirbeln, schließlich an die Oberfläche steigen und dort einen braunen Teppich bilden. Aus den befruchteten Eizellen entstehen Larven, die dann an einer geeigneten Stelle ansiedeln und festsetzen.

Angesichts des massenhaften Korallensterbens reicht diese Art der Fortpflanzung aber oft nicht mehr aus. Zudem wurde im Roten Meer bereits beobachtet, dass das Laichen der Korallen aus dem Takt gerät – Spermien und Eier wurden also zu unterschiedlichen Zeitpunkten freigesetzt, mit denkbar unbefriedigendem Ergebnis für die Fortpflanzung. Die künstliche Befruchtung könnte auch hier weiterhelfen, und dafür sorgen, dass uns Korallenriffe auch in Zukunft erhalten bleiben.

(ftk)

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