Mit ihren veganen Rezepten inspiriert Maya auch die Menschen in ihrem Umfeld.
Mit ihren veganen Rezepten inspiriert Maya auch die Menschen in ihrem Umfeld.
bild: joerg schieferecke studio
Interview

"Es ist nicht kompliziert, vegan zu kochen": 17-jährige Foodbloggerin Maya Leinenbach im Interview

17.08.2021, 14:2417.08.2021, 14:42

Maya Leinenbach ist erst 17 Jahre alt und hat durch ihren Instagram-Account "fitgreenmind" trotzdem schon Fans rund um die Welt – über 880.000 Menschen folgen ihr zurzeit auf Instagram. Der Grund: ihre veganen Rezeptvideos. Die Gerichte, die sie zeigt, sind meist schnell gemacht und sehr vielfältig.

Von cremiger Pasta über fluffiges Bananenbrot bis hin zu veganem Lahmacun und Tempeh Nuggets – Maya macht vor keiner Küche der Welt halt und lässt sich immer wieder neu inspirieren. Täglich lädt sie neue Videos hoch – doch wie schafft sie das, während sie nebenbei noch Abitur macht? Und wie kam es überhaupt dazu, dass sie sich vegan ernährt?

Im Interview mit watson spricht die 17-Jährige über Nachhaltigkeit, Fitness, blöde Veganer-Klischees und ihr erstes eigenes Kochbuch.

watson: Wie bist du auf die Idee für deinen Blog gekommen?

Maya: Ich hatte schon immer den Traum, mal ein Kochbuch rauszubringen. Aber ich dachte damals: Wenn ich jetzt ein Kochbuch schreibe, bringt das nichts, denn mich kennt ja niemand. Also wollte ich es zuerst mit Instagram probieren. Ich hatte keine Ahnung von Fotografie oder Film, ich habe einfach drauf losgepostet und mir dann durch Bücher und YouTube-Videos alles selbst beigebracht – learning by doing.

Wie bist du vegan geworden?

Das war etwa zur gleichen Zeit, als ich auch meinen Account gestartet habe, also Anfang 2019. Darauf gekommen bin ich durch die Schule, weil ich ein Referat zu veganer Ernährung halten musste. Als ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt habe, habe ich gemerkt, dass die Ernährung einen großen Einfluss auf die Umwelt hat. Zu der Zeit hatten wir auch unseren kleinen Hund noch gar nicht lange, ich habe mich deswegen auch mehr mit dem ethischen Aspekt von Ernährung auseinandergesetzt. Meine Schwester war schon lange Vegetarierin, deswegen war das nichts völlig Neues in unserer Familie.

Dein Channel heißt "fitgreenmind" – wie wirkt sich deine vegane Ernährung auf deine Fitness aus?

Ich habe keinen großen Unterschied gemerkt, als ich meine Ernährung umgestellt habe – ich fühle mich nach wie vor super fit! Auf jeden Fall ist es nicht so, dass man mehr drauf achten muss, alle Nährstoffe zu bekommen, wenn man sich vegan ernährt. Das fällt mir zum Beispiel beim Pausenbrot in der Schule auf: obwohl meins vegan ist, ist es wahrscheinlich nährstoffreicher als das von den anderen.

Wie reagieren deine Mitschülerinnen und Mitschüler auf deinen Channel?

Alle waren super unterstützend, es gab gar keine blöden Kommentare. Als ich dann immer mehr Abonnenten bekommen habe, fanden das in der Schule alle voll cool und haben in die Klassengruppe einen Countdown gepostet, als ich vor den 100.000 stand. Und wenn ich die Millionen knacke, dann feiern wir zusammen eine Party.

Wissen deine Lehrerinnen und Lehrer davon?

Ja, es kam sogar letztens eine Lehrerin zu mir und hat gemeint, sie hätte meine Brownies ausprobiert und wäre total darauf abgefahren.

Also musst du nicht mit Vegan-Klischees aufräumen?

In meinem Umfeld nicht wirklich, aber online schon manchmal. Was ich doof finde, ist, wenn gesagt wird, dass Veganer ja gar nichts mehr essen können – das stimmt einfach nicht. Wenn man auf meinen Account guckt, dann sieht man, dass es nicht kompliziert ist, vegan zu kochen. Es kann auch genauso gut, wenn nicht sogar besser schmecken.

"Wenn man auf meinen Account guckt, dann sieht man, dass es nicht kompliziert ist, vegan zu kochen."

Hast du das Gefühl, du konntest Menschen in deinem Umkreis inspirieren, auch vegan zu leben oder mehr Veganes auszuprobieren?

Ja, in der Familie konnte ich schon etwas anregen. Wir kochen jetzt eigentlich Zuhause fast immer vegan, sogar meine Oma backt veganen Kuchen für meinen Geburtstag. Und ich bekomme auch viele Nachrichten von Leuten, die erzählen, dass sie mit veganer Ernährung nichts am Hut hatten, jetzt aber zufällig durch meine Rezepte ab und zu was Veganes kochen, und das ist immer schön zu lesen.

Wie schaffst du es, Schule und Videodrehen unter einen Hut zu bringen?

Ich koche immer samstags und nehme die Videos auf, sonntags schneide ich sie dann. Jedes Wochenende gibt es bei uns einen veganen Brunch, zu dem wir meine Oma einladen. So habe ich unter der Woche genug Zeit für Hausaufgaben und so was.

Hat sich für dich etwas verändert, seitdem der Unterricht online ist?

Mir hat es eigentlich in die Karten gespielt. Zumal ich auch zu der Zeit gerade an meinem Kochbuch gearbeitet habe und das war dann nochmal ein bisschen mehr Arbeit. Durch den Online-Unterricht konnte ich mir die Zeit noch besser einteilen.

Wann wird dein Kochbuch erscheinen?

Im Oktober ist es endlich so weit. Das war ja meine Hauptintention, überhaupt den Blog zu starten und deswegen bin ich jetzt super aufgeregt.

Auf Youtube zeigt Maya noch mehr von ihrem Alltag.

Du drehst all deine Videos auf Englisch, fiel dir das am Anfang schwer?

Schwer ist es mir nie gefallen, aber natürlich war es am Anfang ein bisschen ungewohnt, weil es ja nicht meine Muttersprache ist. Aber dadurch, dass ich das durchgezogen habe, bin ich auch besser geworden, weil ich es jeden Tag geübt habe. Ich war schon immer ganz gut im Englisch-Unterricht in der Schule und durch das tägliche Üben haben sich meine Noten noch weiter verbessert, was ein ganz schöner Nebeneffekt war.

Bekommst du hin und wieder auch Hass-Kommentare?

Das hält sich bei mir echt in Grenzen. Wenn mal ein blöder Kommentar kommt – mit steigender Reichweite kommen natürlich auch mehr von solchen Kommentaren – sind die eigentlich fast nie persönlich, sondern eher auf Veganismus bezogen. Dann kommt ein Klischee oder sowas, aber richtig "hate" bekomme ich eigentlich gar nicht. Und meine Community ist voll lieb, meine Fans kommentieren dann immer dagegen – aber nie hasserfüllt, sondern immer noch sachlich. Allgemein habe ich den Eindruck, dass meine Kommentarspalten immer sehr positiv sind.

Hast du Angst, irgendwann keine neuen Ideen für Rezepte zu haben?

Nein, eigentlich gar nicht, weil es so unendlich viele Möglichkeiten gibt, was man kochen kann. Und man kann sich überall Inspiration holen. Wenn ich bei meiner Oma bin, schaue ich mal in alte Kochbücher rein und im Urlaub in anderen Ländern lasse ich mich inspirieren, wenn ich mit der Familie essen gehe.

"Wenn ich bei meiner Oma bin, schaue ich mal in alte Kochbücher rein und im Urlaub in anderen Ländern lasse ich mich inspirieren, wenn ich mit der Familie essen gehe."

Hast du eine Lieblingsküche?

Ich finde, jede Küche hat etwas, das sie ausmacht und was super lecker ist. Und es kommt auch ein bisschen auf die Jahreszeit an: Im Sommer ist etwas frisches Vietnamesisches super lecker, im Winter esse ich gern gute deutsche Hausmannskost.

Was ist dein Lieblingsgericht?

Wenn es schnell gehen muss, ist ein Curry eigentlich immer gut. Oder ein Nudelgericht.

Hast du abgesehen von deinem Kochbuch noch Pläne, die du umsetzen willst nach dem Abi?

Auf jeden Fall, das Kochbuch im Oktober ist erst der Anfang. Auf lange Sicht ist ein großes Ziel von mir, eigene Produkte in den Supermarkt zu bringen – Convenience-Food in gesund und vegan! Und natürlich will ich noch mehr Leute auf Instagram und YouTube mit veganen Gerichten inspirieren.

Wenn du jemandem mit einem deiner Rezepte vom Veganismus überzeugen wollen würdest, welches wäre es?

Ich habe vor einiger Zeit mal Tofu-Bällchen gemacht, sie sollen an Fleischbällchen erinnern, in einer Tomaten-Curry-Soße – die waren echt lecker. Das Gericht hat auch meinem Bruder richtig gut geschmeckt. So teste ich auch zu Hause neue Rezepte: Wenn meine ganze Familie überzeugt ist, dann weiß ich, dass ein Rezept wirklich gut ist.

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