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Wer nun bei Lidl shoppt, wird eine Menge neue Produkte finden: Und die sind erfreulicherweise vegan. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / Prostock-Studio

Mozzarella, Schnitzel, Fischstäbchen– alles vegan: Der große Lidl-Geschmacks-Test

Seit einigen Wochen gibt es bei Lidl eine Reihe neuer Produkte: Gyros, Pizza, Feta, Joghurt, Frikadellen, Eiscreme – und das alles vegan. Die Lebensmittel werden unter der Lidl-Eigenmarke Vemondo vermarktet und sind von nun an dauerhaft Teil des Sortiments. Insgesamt sollen über 450 vegane Produkte bei Lidl erhältlich sein.

Damit hat Lidl auch etwas fürs Klima getan. Denn wer sich für vegane Alternativen entscheidet, schont die Umwelt nachweislich: Die Fleischindustrie und vor allem die Tierhaltung sind laut Greenpeace für rund 20 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Vemondo-Produkte dagegen sind angeblich komplett klimaneutral produziert worden. Um das zu erreichen, gleicht der Konzern eigenen Angaben zufolge die CO2-Emissionen bei der Herstellung und beim Transport aus.

Vegetarier, Veganer und alle anderen, die Wert auf Klimaschutz legen, dürften begeistert sein, denn die Auswahl ist riesig und die Produkte sind, wie man es vom Discounter gewohnt ist, etwas günstiger als vergleichbare vegane Ersatzprodukte von Firmen wie Simply V oder Veganz. Aber können sie geschmacklich mit den Produkten der etablierten Vegan-Firmen mithalten? Im großen Taste-Test findet watson heraus, was sich lohnt – und was man lieber stehen lassen sollte.

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Das vegane Angebot ist umfangreich und vielfältig. bild: privat

"Milch"-Produkte in tausend Variationen

Hafer Barista

Alternativen zu Kuhmilch gibt es zur Genüge: in den Supermarkt-Regalen findet sich eine Vielzahl pflanzlicher Milchsorten, zum Beispiel aus Soja, Reis, Mandel, Hafer oder Erbsen. Neuerdings werden öfter auch sogenannte Barista-Editionen angeboten. Diese lassen sich besonders gut aufschäumen und eignen sich somit perfekt für Cappuccino, Latte Macchiato und andere Kaffeespezialitäten.

Auch Lidl bietet jetzt eine solche Barista-Milch auf Hafer-Basis an. Nicht nur das Design ist an die berühmte Oatly-Barista angelehnt, auch geschmacklich steht die Milch von Vemondo ihrem Vorbild in nichts nach. Sie lässt sich super aufschäumen und ist dabei noch ein ganzes Stück günstiger als die Oatly-Milch: 1,29 Euro statt 2,19 Euro. Da Oatly nach einem Deal mit dem US-Investor Blackstone, der in Verbindung zu Trump-Fans und Regenwald-Abholzungen stehen soll, stark in der Kritik stand, könnte die Milch von Vemondo eine gute Alternative sein.

Dafür gibt's vier von fünf grünen Katzen:

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Käse-Variationen von Mozzarella bis Feta

Auch im veganen Käseregal lassen sich einige Neuzugänge entdecken: Neben zwei Sorten Genießer-Scheiben (mild und würzig), Reibekäse und Frischkäse, gibt es jetzt sogar Feta und Mozzarella. Wie sind die Preise, sowie Konsistenz und Geschmack?

Veganen Käse zu kaufen ist immer ein Wagnis: Manchmal ist er super lecker, zerläuft auf der Pizza und gibt einem das gleiche wunderbare Comfort-Gefühl wie normaler Käse. Das Gegenteil davon trifft leider mindestens genauso oft zu: Denn nicht selten ist das, was als veganer Käse gehandelt wird, ein geschmacksloser, entweder zu öliger oder zu trockener Klumpen Kokosfett. Gerade, weil die Produkte selten sonderlich preiswert sind, ärgert man sich dann schonmal über die weiß-gelbliche Masse, die einen in der Packung erwartet. Auch bei den Vemondo-Produkten gibt es sowohl Highlights als auch No-Gos.

Uneingeschränkt empfehlen lassen sich die Streichcreme – sie erinnert an Frischkäse und es gibt die Sorten Kräuter und Paprika – sowie die Genießer-Scheiben. Auch der Reibekäse ist nicht schlecht, die Erwartungen an veganen Reibekäse sollten allerdings generell ein bisschen heruntergeschraubt werden. So perfekt knusprig wie Edamer oder Gouda wird der vegane Käse niemals – aber dafür ist er frei von Tierleid und das ist für echte Veganer mindestens genauso viel Wert wie eine goldene Käsekruste. Die Produkte kosten alle 1,99 Euro und sind damit einen Euro günstiger als vergleichbare Produkte von Simply V oder Bedda.

Für den Reibekäse, die Genießer-Scheiben und Streichcreme gibt es:

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Nun zu den Exoten. Veganen Mozzarella und Feta gibt es nicht von besonders vielen Marken. Dass Lidl diese beiden Käsesorten kreiert hat, ist somit schon außergewöhnlich. Und es lässt sich sagen: Die beiden Produkte könnten nicht verschiedener sein. Der Mozzarella kostet 1,29 Euro – das ist zwar günstig, aber eine Kaufempfehlung lässt sich dafür sicherlich nicht aussprechen, denn der Mozzarella schmeckt nach absolut nichts. Geschichtet mit Tomaten und Pesto kann er sich vielleicht als Mozzarella tarnen, denn die Konsistenz des italienischen Originals ist gut nachgeahmt worden. Aber probiert man ihn einzeln, merkt man, dass er nahezu keinen Eigengeschmack besitzt.

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So sieht der vegane Mozzarella von Lidl aus. bild: privat

Den Mozzarella finden wir eher so mittel:

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Ganz anders ist es beim Feta, der mit 2,99 Euro zwar eher teuer ist, aber mit seinem Geschmack auch Nicht-Veganer überzeugen dürfte. Er ist extrem würzig, cremig und einfach lecker. Zudem bleibt der mitunter strenge Geschmack aus, den man manchmal bei Schafs- oder Ziegenkäse im Mund hat.

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Der vegane Feta ist auf Basis von Kokosnussöl. bild: privat

Der vegane Feta von Lidl überzeugt:

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Eiscreme, Joghurt und andere Desserts

Zu dem veganen Sortiment von Lidl gehört von nun an auch veganer Joghurt, verschiedene Kokosdesserts, die an Pudding erinnern, sowie einige Eissorten und ein Kaffee to go. All diese Produkte machen einen guten Eindruck: Die Konsistenzen stimmen, geschmacklich sind sie auch top. Manche sind fruchtig, andere cremig und süß. Besonders überzeugt hat das Eis am Stiel in der Sorte "Mandel". Es erinnert an Magnum-Eis, natürlich schmeckt es nicht 1 zu 1 genauso, aber doch sehr ähnlich. Der Preisunterschied kann sich sehen lassen: Während das vegane Magnum-Eis 3,29 Euro kostet, gibt es das Vemondo-Eis schon für 1,99 Euro.

Für die vegane Magnum-Alternative gibt's:

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Wenn's schnell gehen muss: Fake-Fisch & -Fleisch

Dass man als Veganer auf eine Vielzahl von Gerichten verzichten muss und nie wieder Gyros mit Pommes oder Fischstäbchen mit Kartoffelbrei essen kann, ist bekanntlich Quatsch. Schnitzel lassen sich aus Seitan selbst machen, Burger-Pattys zum Beispiel aus Kidneybohnen herstellen. So einfach wie jetzt gerade war es aber noch nie, vegan zu leben. Denn die Auswahl an veganen Fertigprodukten, die man, genauso wie das fleischige "Original" einfach nur in die Pfanne werfen muss, ist gigantisch.

Bei Lidl gibt es jetzt unter anderem vegane Mini-Schnitzel, Nuggets, Fischstäbchen, Frikadellen, Falafel-Bällchen und Gyros. Keins der getesteten Produkte ist geschmacklich durchgefallen. Die Schnitzel waren zwar etwas fade, aber alle anderen Fertigprodukte haben richtig gut geschmeckt. Wer nach der Arbeit nicht lange in der Küche stehen will, sondern einfach nur schnell etwas Leckeres zubereiten und sich dann auf die Couch legen, wird glücklich mit den Vemondo-Produkten.

Für die Fleisch-Ersatz-Produkte von Lidl gibt's:

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Für alle, die wirklich keinen Finger rühren wollen (was auch absolut okay ist, wir leben immerhin in einer Pandemie und alles ist schon anstrengend genug!), hat Lidl auch noch Tiefkühl-Pizza im Angebot.

Besonders cool: Es gibt neben der Margherita auch noch eine Pizza mit veganer Salami. Das ist deshalb so erfreulich, weil oft "vegan" fälschlicherweise mit "gesund" gleichgesetzt wird. Das Ergebnis: Der Pizzateig ist aus Dinkelmehl, obendrauf sind Sonnenblumenkerne und Spinat. Aber warum sollte ungesundes Fastfood nur etwas für Fleischesser sein? Manchmal muss es einfach eine Salami-Pizza sein, ohne Schnickschnack, mit schlechten Nährwerten. Und die Pizza von Lidl schmeckt in Ordnung, die Salami ist nicht zu aufdringlich und der vegane Käse schmilzt genau so, wie man es sich wünschen würde.

Wir vergeben für die vegane Salami-Pizza:

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Dass Fastfood nicht nur etwas für Fleischliebhaber ist und Veganer genauso große Lust auf Burger & Co. haben, ist mittlerweile auch bei den großen Ketten wie McDonalds und Burger King angekommen, die ihr Angebot entsprechend ausgeweitet haben. Jetzt kommen entsprechende Produkte auch im Supermarkt an.

Gerade Menschen, die sich noch nicht lange vegetarisch oder vegan ernähren, wird der Einstieg mit der großen Lidl-Produktpalette erleichtert. Anstatt mit Quinoa, Seitan und Tempeh experimentieren zu müssen, lassen sich so ganz einfach frühere Lieblingsgerichte "veganisieren" und man muss auf nichts verzichten.

In der Tiefkühltruhe gibt es zudem drei neue Frischeprodukte, die Fleisch wirklich zum Verwechseln ähnlich sehen. Burger, Bratwürste und Hack gibt es dort in "roher" Form. Das Hack ist auf Basis von Soja- und Weizeneiweiß und eignet sich in dieser Form perfekt zur Weiterverarbeitung, angebraten mit Zwiebeln und Gewürzen ist es in einer Bolognese der Hit und lässt sich von regulärem Hackfleisch wirklich kaum unterscheiden.

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Das vegane Hack sieht Fleisch verblüffend ähnlich. bild: privat

Das vegane Hack hat uns komplett überzeugt:

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Die vegane Bratwurst ist aus Basis von Kokosfett, Sojamehl und Sojaeiweiß. Man würde meinen, diese drei Komponenten ergäben zusammen etwas relativ Geschmacksneutrales, doch weit gefehlt. Ob es an Gewürzen, Aromen oder Geschmacksverstärkern liegt, bleibt offen. Aber der Geschmack ist so würzig und "fleischig" wie keine andere vegane Bratwurst. Wenn man sich das jetzt noch auf dem Grill vorstellt, zusammen mit Nudelsalat, Bier und Sonne – ein Traum!

Auch für die vegane Bratwurst volle Punktzahl:

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Die veganen Burger bestehen aus Champignons, Möhren und Sojamehl, diesen Gemüseanteil schmeckt man allerdings überhaupt nicht. Ähnlich wie die Bratwurst hat auch der Burger eine sehr fleischige Konsistenz, er bleibt sogar in der Mitte rosa, wenn er gebraten wird. Ähnlich wie ein Steak, das medium rare gegart wird.

Für den veganen Burger gibt's:

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Das Sorgenkind: Tofu

Zu Tofu haben viele Menschen eine starke Meinung. Manche hassen, andere lieben ihn. Dass man als Veganer auf keinen Fall an Tofu vorbeikommt, ist jedenfalls ein Gerücht. Wer mit dem Sojaprodukt also nichts anfangen kann, muss sich nicht dazu zwingen. Aber: Wer es lernt, Tofu richtig zu behandeln und ihn in Marinaden einlegt, anbrät, im Ofen schmort, hat einen Freund fürs Leben gefunden.

Dafür, dass das Endergebnis schmeckt, muss allerdings auch der Tofu stimmen. Und Tofu ist nicht gleich Tofu. Für Desserts und veganes Rührei eignet sich der weiche Seidentofu, im Ofen macht man eher Naturtofu, als Schinkenersatz kommt der Räuchertofu zum Einsatz. Lidl hatte schon Tofu im Angebot, bevor es die Vemondo-Produktpalette gab. Der war allerdings grauenhaft und hatte mit echtem asiatischen Tofu nicht viel gemeinsam.

Der neue Tofu ist von der Konsistenz her eindeutig besser: weniger holzig und dafür weicher, geschmeidiger. Er erinnert schon eher an Tofu, den man im Asiamarkt kaufen kann und lässt sich besser verarbeiten. Den Naturtofu kann man also getrost weiterempfehlen.

Der Lidl-Tofu schmeckt solide:

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Das lässt sich von der geräucherten Variante allerdings nicht behaupten, denn die ist miserabel. Von allen geräucherten Tofusorten, die man so kennt, ist dieser Tofublock der komischste. Er ist nicht so braun, wie man es von Räuchertofu gewohnt ist und er schmeckt zwar rauchig, aber nicht salzig genug.

Deswegen kriegt der Räucher-Tofu nur:

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Fazit

Lidl hat eine riesige Menge an veganen Produkte auf den Markt gebracht und das ist ein echter Gewinn. Denn viel zu oft sind die veganen Spezialitäten teuer und nur im Biomarkt oder Reformhaus erhältlich. Dass jetzt auch die Discounter nachziehen und zahlreiche Artikel anbieten, die ganz ohne tierische Inhaltsstoffe auskommen, klimaneutral produziert sind und dabei noch super gut schmecken, ist nicht nur für Veganer von Vorteil.

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Für Vegan-Einsteiger ist die neue Produktreihe von Lidl ein Traum. bild: privat

Längst ist Veganismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen und genau diese Entwicklung greift Lidl auf und macht es auch Menschen mit einem schmalen Geldbeutel leicht, sich vegan zu ernähren – und das ganz ohne Verzicht! Außerdem könnten viele Kunden allein aus Neugier nach der pflanzlichen Alternative greifen, wenn die Preisunterschiede zwischen veganen und tierischen Produkten zunehmen verschwinden. Dazu hat Lidl einen wertvollen Beitrag geleistet.

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