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Der Formel-1-Rennfahrer Sebastian Vettel jettet für seinen Job um die ganze Welt. Bild: picture alliance
Klima & Umwelt

Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel bei Luisa Neubauer: "Man fühlt sich in Frankreich nicht unfrei, nur weil es ein Tempolimit gibt"

23.02.2022, 07:4223.02.2022, 13:46

Was bedeutet es eigentlich, dass so viel Platz in unseren Städten mit Autos zugestellt und die Luft durch Abgase verpestet wird? Woher kommt unsere Faszination für Autos? Und vor allem: Was bedeutet die Liebe der Deutschen zu ihrem Auto in Zeiten der Klimakrise für unsere Umwelt und Gesundheit?

Diesen Fragen stellt sich Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer in der aktuellen Folge ihres Podcasts "1,5 Grad", in dem – ausgerechnet, oder vielleicht auch gerade deshalb – der vierfache Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel zu Gast ist. Denn der ist nicht nur Autoliebhaber, sondern engagiert sich auch für mehr Klimaschutz.

Autos bringen ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit mit sich

Und Autos, das hört man von Anfang heraus, sind nicht so Luisas Ding. Wie Vettel zu seiner Leidenschaft gefunden hat und was ihn und viele andere so sehr an den Autos reizt, versucht sie trotzdem zu verstehen. "Das ist vielleicht in gewisser Weise vergleichbar – ohne das jetzt auf das gleiche Level zu bringen – mit einer Beziehung", erklärt Vettel seine Liebe zu Autos und den Freiheitsdrang, der mit ihr einhergeht. "Natürlich ist man am Anfang total verliebt und jeder Kuss besonders, man kann nicht genug davon kriegen, so auf die Art. Und nach einer gewissen Zeit ist man nicht mehr die ganze Zeit am Knutschen", überlegt er. Schließlich gäbe es auch viele andere Dinge, die mit der Zeit in einer Beziehung das Besondere verlieren oder an Bedeutung gewännen. Beim Auto sei das in gewisser Weise ähnlich, "nur dass da vielleicht nicht Dinge dazukommen, aber entfallen".

Freiheitsdrang und Glück, das kann Luisa nachvollziehen. Wie sie im Podcast erzählt, träumte sie früher davon, mit einem Bus durch die Welt zu cruisen. Bis sie irgendwann realisiert hat: Das ist alles nur Hollywood-Romantik, die einem vermittelt, man werde nur dann glücklich, wenn man mit einem Auto durch die Welt tuckert. Schwachsinn.

Es braucht eine Verkehrswende – endlich

In Deutschland, erklärt Luisa, mache der Verkehrssektor, und damit allem voran die Autos, 20 Prozent der Emissionen aus. Zu viel. Es brauche eine Verkehrswende, doch die scheint auch mit der Ampel-Regierung noch immer ferne Zukunftsmusik zu sein.

Dabei würde mit weniger Verkehr so einiges besser: Erstens, das Verkehrsaufkommen an sich, denn das ist eine der dominierenden Lärmquellen in Deutschland. Zweitens, die physische Gesundheit, denn Feinstaub und Stickstoff schaden uns. Und drittens, Treibhausgase, denn die beschleunigen die Erderwärmung – "mehr Lebensqualität heißt faktisch: weniger Autos", sagt Luisa.

"Mehr Lebensqualität heißt faktisch: weniger Autos."
Luisa Neubauer

Vettel stimmt ihr zu, schließlich werde es nicht besser, sondern nur noch schlimmer: "Und deswegen ist es umso notwendiger und dringlicher, dass wir unbedingt was tun müssen und nicht mehr nur darüber reden." Dass die Politik sich noch immer nicht zu einem Tempolimit durchgerungen habe, kann der Formel-1-Fahrer nicht nachvollziehen. Mit Freiheit, erklärt er, habe das nichts zu tun, eher mit Gewohnheit: "Man fühlt sich doch in Frankreich nicht unfrei, nur weil es ein Tempolimit gibt." Und davon mal abgesehen, gäbe es kaum eine schnellere und kostengünstigere Maßnahme, CO2-Emissionen einzusparen, gibt auch Luisa zu bedenken. 1,9 Millionen Tonnen könnte Deutschland so jährlich einsparen.

Formel-1-Rennfahrer und Klimaschützer – ein Widerspruch in sich?

Und dennoch – bei allem Engagement Vettels für den Klimaschutz fragt Luisa sich trotzdem: Wie nur kann er diesen Zwiespalt zwischen seiner Arbeit und seinem Engagement für den Klimaschutz vereinbaren? "Mir ist der Zwiespalt in gewisser Weise auch bewusst – jedes Mal, wenn ich jetzt reisen muss oder in den Flieger steige, ist mir bewusst, dass das nicht dazu beiträgt, dass mein Fußabdruck kleiner, sondern im Gegenteil, größer wird", antwortet Vettel. Die logische Konsequenz wäre, "das Lenkrad an den Nagel zu hängen und aufzuhören".

Aber das will Vettel nicht. Zum einen sei das Rennenfahren seine Leidenschaft, zum anderen würde sofort ein anderer nachrücken – und er könne die Aufmerksamkeit, die ihm durch seine Arbeit und seinen Status entgegengebracht würde, nicht mehr nutzen, um das System Formel-1 von innen heraus zu erneuern und den Sport gewissermaßen "in die Pflicht zu nehmen". Jetzt, so argumentiert er, könne er dafür sorgen, dass...

  1. der Kalender besser gestaltet wird, so dass die Rennfahrer nicht mehr unnötigerweise um den Globus jetten
  2. Veranstaltungen besser und smarter organisiert werden und
  3. die Organisatoren ihre Verantwortung ernst nehmen und sich tatsächlich für mehr Klimaschutz in der Formel-1 einsetzen.

Die Mobilität der Zukunft könnte so viel besser sein

Aber zurück zum eigentlichen Thema: der Verkehrswende, oder anders gesagt – einer besseren Zukunft. Um zu zeigen, dass das möglich ist, hat Luisa auch Katja Diehl zu sich in den Podcast eingeladen. Diehl beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit und der Mobilität der Zukunft, erst kürzlich ist ihr Buch "Autokorrektur – Mobilität für eine lebenswerte Welt" erschienen. Der Status quo, dass im Durchschnitt jeder deutsche Haushalt über mehr als ein Auto verfügt, habe sie schockiert. Ihre These: Wir müssen endlich davon weg, dass das Auto privilegiert ist und alle anderen Verkehrsteilnehmer sich unterzuordnen haben.

"Ich habe aber Hoffnung. Weil Deutschland hat das Glück, dass unsere Städte vor dem Auto entstanden sind. In Städten, wo das nicht so ist, ist es schwierig, das Leben ohne Auto lebenswert zu gestalten."
Katja Diehlautorin

Ihr Fazit: Wenn man sich die Freiheit erlaube, Mobilität neu zu denken, könnte die gesamte Gesellschaft davon profitieren. Nicht nur würden die Autos dazu beitragen, die Städte aufzuheizen, sie würden uns auch Lebensraum nehmen. Wenn das mal nicht Mut zur Veränderung macht.

Südkorea produziert kaum noch Lebensmittel-Abfälle

Noch vor 30 Jahren hatte Südkorea ein enormes Müllproblem: Die Deponien der Hauptstadt Seoul galten als überfüllt – eine Lösung musste her. 2013 wurde dann ein landesweites Kompostier-Programm eingeführt. Heute recycelt das Land fast 100 Prozent der Lebensmittelabfälle.

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