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Letzte Generation attackiert Luxushotel auf Sylt: Aktivist erklärt, warum

Die Letzte Generation hat eine Bar in einem Sylter Hotel in orange Farbe getaucht.
Die Letzte Generation hat eine Bar in einem Sylter Hotel in orange Farbe getaucht.bild: dpa / letzte generation / Jonas Gehring
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Aktionen gegen Superreiche: Letzte Generation attackiert Luxus-Hotel und Porsche

09.06.2023, 19:0009.06.2023, 19:05
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Die Letzte Generation hatte es angekündigt: Gezielte Aktionen gegen Superreiche. Die haben nun unmissverständlich begonnen: Zunächst hatten Aktivist:innen einen Privatjet auf Sylt mit oranger Farbe besprüht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in der Sache wegen des Verdachts mehrerer Straftaten.

"Niemand hat das Recht, Privatjet zu fliegen."
Raphael Thelen, Autor und Mitglied der Letzten Generation
Raphael Thelen hat sich der Letzten Generation angeschlossen.
Raphael Thelen hat sich der Letzten Generation angeschlossen.Bild: Imago Images / aal.photo

Raphael Thelen, Autor, ehemaliger Journalist und Mitglied der Letzten Generation, sagt im Gespräch mit watson: "Wir gehen gerade auf die Reichen, weil wir sagen, das sind Emissionen, die kann man schnell und relativ unkompliziert bekämpfen." Thelen findet: "Niemand hat das Recht, Privatjet zu fliegen, genau wie zum Beispiel niemand das Recht hat, giftige Abwässer in einen Fluss zu leiten."

Nun folgten weitere Aktionen – in einem Sylter Luxushotel und im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten von Porsche in Stuttgart.

Letzte Generation besprüht Bar in Luxushotel auf Sylt

Wieder suchten sich die Aktivist:innen ein Ziel auf Sylt, eine Insel, die für ihr gut betuchtes Publikum bekannt ist. Es traf das Fünf-Sterne-Hotel Miramar, eine Luxusunterkunft in Westerland. "Wir markieren Orte und Symbole maßlosen Überkonsums, denn genau hier muss die Regierung eingreifen, um die unumkehrbare Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zu beenden", erklärte Aktivist Hendrik Frey in einer Mitteilung der Letzten Generation.

Die Aktivist:innen besprühten die Hotelbar aus präparierten Feuerlöschern mit orange Farbe, "orange Warnfarbe", wie die Letzte Generation in einer Pressemitteilung schreibt. Außerdem warfen sie orangefarbiges Pulver.

Laut Polizei handelte es sich um Aktivist:innen im Alter von 19 bis 63 Jahren. Die vier Festgenommenen seien auf ein Polizeirevier gebracht worden, zwei weitere Personen seien namentlich festgestellt worden. Der Sachschaden könne bislang nicht beziffert werden.

Und wie waren die Reaktionen? Thelen selbst war bei den Protesten nicht dabei, erklärt er. Von dem Protest an den Privatjets weiß er aber, dass es dort sehr viele positive Reaktionen gegeben haben soll. "Zum Beispiel von Menschen, die vorbeifuhren. Die haben dann den Daumen hochgereckt und gesagt: 'Endlich trifft es die Richtigen.'"

Orangefarbenes Wurfpulver in Anlehnung an Smog in New York

Mit dem Wurf-Pulver will die Gruppe die Rauchschwaden symbolisieren, die die Metropole New York City in orangen Smog hüllen. "Wir können nicht warten, bis die Flammen auch die Reichen in ihren Luxusresorts auf Sylt erreichen und sie zum Umlenken bewegen. Die Regierung ist in der Pflicht, jetzt einzuschreiten", erklärte Hendrik Frey.

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Passant:innen bedecken im verrauchten New York ihre Gesichter.Bild: XinHua / Michael Nagel / dpa

Die Rauchschwaden in New York kommen aus dem Nachbarland Kanada. Dort wüten bereits seit Wochen heftige Waldbrände. Die Flammen lassen sich von der Feuerwehr einfach nicht beherrschen. Der Rauch ist nun mehrere tausend Kilometer weit gezogen. Mit Folgen nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Menschen. Im Nordosten der USA riefen Behörden am Mittwoch eine Gesundheitswarnung für über 100 Millionen Menschen aus.

Aktivisten stören Jubiläums-Show von Porsche in Stuttgart

Auch die Porsche Jubiläumsfeierlichkeiten in Stuttgart-Zuffenhausen wurde zum Ziel der Letzten Generation. In der Nacht erklärten die Klimaaktivist:innen in einer Pressemitteilung, dass "großflächig Pflanzenöl aus Zehn-Liter-Kanistern" vor dem Porschewerk auf die Fahrbahn geschüttet wurde.

Die Aktivist:innen wollten zudem die Anreise der geladenen Gäste stören. Zehn Aktivist:innen sollen sich auf insgesamt drei Zufahrten zum Porsche-Gelände verteilt und festgeklebt haben, sagte ein Polizeisprecher gegenüber "T-Online". "Das war mäßig erfolgreich, die allermeisten Teilnehmer waren da schon längst auf dem Gelände, als der Protest gegen 20.15 Uhr begonnen hatte", sagte der Polizeisprecher.

Für Raphael Thelen hingegen waren die Aktionen ein großer Erfolg. "Das Thema wird jetzt schon diskutiert. Überall gibt es gerade Artikel – über Privatjets, über diese Form des Überkonsums, diese Form der Verschwendung", sagt er.

Letzte Generation spricht gezielt Kanzler Scholz an

Die Letzte Generation richtet sich in ihren Mitteilungen auch gezielt an den Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). "Die Letzte Generation fordert, dass der Sozialdemokrat Olaf Scholz seiner grundgesetzlichen Verpflichtung nachkommt und beginnt, unsere Lebensgrundlagen vor dem Überkonsum der Superreichen zu schützen", schreiben sie etwa. Aimee van Baalen, Sprecherin der Letzten Generation, fragt: "Für wen machen sie eigentlich Politik, Kanzler Scholz? Was wollen wir? Porsche fahren für wenige Einzelne oder die Lebensgrundlagen von uns allen schützen?"

Auch Raphael Thelen findet deutliche Worte in Richtung des Kanzlers. "Wenn der Sozialdemokrat Olaf Scholz es mit seiner Klimakanzlerschaft ernstmeint, wird er genau bei diesen Emissionen ansetzen." Damit meint er die Emissionen der Superreichen. Die seien es, die die Emissionen produzieren und die weit weniger schwer von den Folgen der Klimakrise getroffen würden. Gegenüber watson erklärt er, wer die eigentlichen Leidtragenden sind:

"Betroffen ist der Dachdecker, der bei 44 Grad immer noch auf das Dach hoch muss. Betroffen ist die alte Frau, die zu Hause in der Hitze sitzt und dehydriert. Betroffen sind die Menschen in Neukölln, die in dem völlig zugebauten Stadtteil wohnen, der sich ja viel leichter aufheizt als der Grunewald."

Die Krise werde ungerecht produziert. Gleichzeitig treffe sie auch noch die Ärmsten und Schwächsten.

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Kanzler Scholz kritisiert regelmäßig die Forderungen und Methoden der Letzten Generation. "Nicht ankleben, sondern anpacken", sagte er kürzlich mit Blick auf die Aktivist;innen, die sich auf Straßen festkleben, um ihrer Forderung nach entschiedenerem Klimaschutz Nachdruck zu verleihen. Bei einer anderen Gelegenheit hatte Scholz die Aktionen der Letzten Generation als "völlig bekloppt" bezeichnet.

(Mit Material von dpa und afp)

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