Wenn Trockenperioden mit Hitzewellen zusammenfallen, steigt die Waldbrandgefahr. Auch in Deutschland nimmt die Zahl der Waldbrände zu.
Wenn Trockenperioden mit Hitzewellen zusammenfallen, steigt die Waldbrandgefahr. Auch in Deutschland nimmt die Zahl der Waldbrände zu.bild: picture alliance/dpa | Julius-Christian Schreiner

Klimaforscher erkennen "sehr extreme Feuerwetterlage" in Teilen Deutschlands

18.07.2022, 17:34

In Deutschland wüteten in diesem Sommer schon mehrere Waldbrände. In Brandenburg hat es kürzlich auf einer Fläche von insgesamt 400 Hektar gebrannt – umgerechnet sind das etwa 600 Fußballfelder.

Müssen wir uns künftig an solche Bilder gewöhnen oder gibt es Wege, wie wir unsere Wälder besser schützen können?

Bis zu ein Grad wärmer im Jahresschnitt

Für Sohid Saha vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) war der Brand beängstigend, kam aber nicht überraschend: "Deutschland ist jetzt ein Waldbrandland", lautet sein Fazit. Forschende des KIT hatten im brandenburgischen Treuenbrietzen untersucht, wie sich ein Ökosystem von Bränden erholen kann. Doch die jüngsten Feuer zerstörten einen großen Teil der Versuchsflächen.

"Deutschland ist jetzt ein Waldbrandland."
Sohid Saha, Karlsruher Institut für Technologie

"Als Folge des Klimawandels erleben wir nun extreme Hitzewellen sowie Dürren, und damit steigt natürlich auch die Feuergefahr", sagt Saha. Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) haben jüngst ergeben: In Deutschland soll es in den kommenden Jahren im Jahresschnitt bis zu ein Grad wärmer werden als in den vergangenen drei Jahrzehnten.

Hitzewellen und Wind begünstigen Brände

Klar ist, dass Hitze selbst keinen Brand entzündet. Doch sie kann nach Worten des Klimaforschers Christopher Reyer die Entstehung von Waldbränden begünstigen. "Je heißer es wird, desto mehr Wasser verdunstet", erläutert der Waldexperte vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). "Damit steht mehr trockenes Brennmaterial zur Verfügung." Wenn Hitzewellen mit ausgedehnten Trockenperioden einhergehen, steigt laut Reyer auch das Waldbrandrisiko. Komme es zu einer Entzündung durch Blitz oder Mensch, "brennt es mehr".

Waldbrand in Brandenburg Juni 2022.
Waldbrand in Brandenburg Juni 2022.bild: picture alliance

Für Johann Georg Goldammer ist Wind der wichtigste Faktor, wenn es um Größe und Ausbreitungsgeschwindigkeit von Waldbränden geht. Der Feuerökologe vom Zentrum für Globale Feuerüberwachung am Max-Planck-Institut für Chemie der Universität Freiburg erklärt: Bei Windstille könne ein Feuer sogar in extrem trockener Vegetation leichter aufgehalten werden als bei nur geringem Wind. Dieser Faktor sei "besonders wichtig für das Feuerverhalten und damit die Kontrollierbarkeit eines Wildfeuers", so Goldammer.

Monokulturen sind besonders brandanfällig

Besonders brandanfällig sind Monokulturen aus Nadelbäumen auf sandigem Boden wie in Brandenburg. Das Bundesland stand im Ländervergleich 2021 mit 168 Bränden auf rund 42 Hektar Fläche erneut an der Spitze der Waldbrandstatistik. Auf rund 70 Prozent der Waldfläche wachsen hier laut Potsdamer Forstministerium Kiefern – so viele wie nirgends sonst in Deutschland.

Waldbrand bei Mühlberg, Brandenburg
Waldbrand bei Mühlberg, Brandenburgpicture alliance

In solchen Kiefernforsten brennen nicht nur die Bäume leicht. Auch der aus Kiefernnadeln bestehende Boden trocknet schnell aus und kann ebenfalls brennen. Zudem ist die durchschnittliche Regenmenge in Brandenburg deutlich geringer als etwa in Bayern.

Tage mit Waldbrand-Warnstufe werden mehr

Nach Angaben der Helmholtz-Klima-Initiative gibt es in Deutschland inzwischen deutlich mehr Tage mit hoher Waldbrandwarnstufe: 1961 bis 1990 waren es demnach rund 27 Tage pro Jahr mit hohem oder sehr hohem Waldbrandrisiko, im Zeitraum 1991 bis 2019 schon rund 38 Tage.

Saha geht deshalb davon aus, dass in Deutschland regelmäßig mit großen Waldbränden über mehrere Hundert Hektar zu rechnen sein wird.

Das schätzt Klimaforscher Reyer ähnlich ein. Verschiedene Simulationen am PIK hätten ergeben, dass das klimatische Waldbrandrisiko in Zukunft zunehmen werde. Die Bedingungen in Brandenburg mit hohen Temperaturen, vorheriger Trockenheit und Wind bezeichnet der Klimaforscher als "sehr extreme Feuerwetterlage".

Deutschland braucht eine langfristige Strategie

Was kann jetzt getan werden? In den USA investiert die nationale Forstbehörde die Hälfte ihres Jahresbudgets in den Feuerschutz. Für Deutschland empfiehlt Sohid Saha, unter anderem mehr Fachleute für die Waldbrandbekämpfung auszubilden sowie Strukturen und Verantwortlichkeiten zu reformieren. Außerdem sollten mehr Ressourcen für die Forschung zu Brandvermeidung, Brandbekämpfung, Feuerökologie und Wiederherstellung von Wäldern nach Bränden bereitgestellt werden.

"Unsere künftigen Wälder, die nach den Bränden wiederhergestellt werden, müssen in ihrer Artenzusammensetzung vielfältiger sein."
Sohid Saha vom KIT

Um herauszufinden, wie unterschiedliche Baumarten auf Feuer reagieren, erfordere einen sehr hohen Forschungsaufwand, erklärt der KIT-Experte. Er ist überzeugt, dass es mit einer langfristigen Strategie möglich sei, den deutschen Wald widerstandsfähiger zu machen: "Unsere künftigen Wälder, die nach den Bränden wiederhergestellt werden, müssen in ihrer Artenzusammensetzung vielfältiger sein."

Mischwald kann vergleichbare Brennbereitschaft haben wie Monokulturen

Also heißt die Zauberformel beim Waldumbau Misch- statt Nadelwald? So einfach sei das nicht, sagt Feuerökologe Goldammer. Einige Laubholzarten, die noch vor wenigen Jahren als Kandidaten für den Wald der Zukunft gehandelt wurden, zeigten sich jetzt anfällig.

Das verändere die Lage. In der Waldbrandstatistik lasse sich das über die Jahre anhand der Zunahme des Anteils an Laubwäldern an der Brandfläche ablesen, erklärt Goldammer. Allgemein gelte: "Ein Mischwald kann bei anhaltender Trockenheit in eine vergleichbare Brennbereitschaft geraten."

(sp/dpa)

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