Nachhaltigkeit
133/ #sitzdazu: Sitzaktion der Studierenden der Humboldt-Universitaet zu Berlin im Rahmen der Klimawoche/Public Climate School von Fridays For Future bzw. Studis For Future, Berlin, 27.11.19, | Verwendung weltweit

Im vergangenen Herbst fand die erste Public Climate School statt. Jetzt geht sie in die zweite Runde. Bild: POP-EYE / POP-EYE/Stefan Mueller

Students for Future bringen Hörsaal nach Hause: Was du in der Klima-Uni lernen kannst

9 Uhr: Veganes Frühstücksdate mit der Uni Bochum. 18 Uhr: Livestream der Uni Hildesheim zum Thema Klimamigration. 19.45 Uhr: Poetry Slam unter dem Motto "Climate Justice, Social Justice, Global Justice" live aus der Uni Kiel.

An vielen Universitäten und Hochschulen in ganz Deutschland ist in dieser Woche alles anders. Der normale Unibetrieb wird bestreikt – und stattdessen die digitale Public Climate School ins Leben gerufen. Statt BWL, Geschichte oder höherer Mathematik steht Klimagerechtigkeit auf dem Stundenplan.

Hinter der Aktion stecken Students for Future, der studentische Ableger von Fridays for Future. Das Ziel: eine offene Uni für alle. Freya Stoermer von Students for Future sagt gegenüber watson:

"Wir wollen möglichst vielen Menschen niedrigschwellig Zugang zu politischer Bildung und dem neuesten Stand der Wissenschaft bieten. Das soll auch helfen, argumentationssicher gegen Klimaleugner zu werden. Und wir wollen zeigen, dass es weiterhin wichtig ist, jeder Krise Aufmerksamkeit zu schenken."

Freya Stoermer, Students for Future

"Uns läuft die Zeit davon"

Denn: Neben all der Aufregung um das Coronavirus ist die Bedrohung durch den Klimawandel nicht kleiner geworden, im Gegenteil. "Uns läuft die Zeit davon", appellieren Students for Future. Der globale Temperaturanstieg sei bald nicht mehr unter 1,5 Grad Celsius zu halten, für eine lebenswerte Zukunft brauche es eine ökologisch-gerechte gesellschaftliche Transformation.

Und eben Diskussionen mit denjenigen, die den Klimawandel noch immer leugnen. Um ihnen den Wind aus den Segeln nehmen zu können, gibt es in deutschlandweit 19 Hochschulen und Universitäten von Bayreuth bis Bochum Workshops, Vorträge und Konzerte zum – aber auch zu Rassismus, Feminismus und struktureller Diskriminierung.

Das ganze Programm wird online gestreamt. Über die Homepage von Students for Future oder Youtube kann jeder dabei sein, ganz gleich, wo er sich gerade aufhält. Was bedeutet Klimagerechtigkeit? Wie ökologisch kann die Wirtschaft sein? Wie funktioniert nachhaltiges Bauen mit Stroh? Und wie koche ich lecker vegan? Wer einen Blick auf den Stundenplan wirft, kann sich die spannendsten Veranstaltungen rauspicken.

Hörsaal auf dem Marktplatz

Freya Stoermer nimmt dabei auch die Hochschulen in die Pflicht: "Hochschulen sind Vorbilder und müssen sich endlich zum Ziel setzen, klimaneutral zu werden und die Problematik der Klimakrise in Lehrplänen fest verankern."

Angesprochen werden sollen dabei nicht nur Studentinnen und Studenten. Wie auch jüngere Menschen seien sie ohnehin für das Thema sensibilisiert, sagt Stoermer. "Wir hoffen, dass wir mit den vielfältigen Thematiken jede Gesellschaftsgruppe erreichen." Zum Auftakt der Aktionswoche ging es deshalb raus aus dem virtuellen Hörsaal und rein in die Fußgängerzonen und Marktplätze. Dort wurden Vorlesungen nachgestellt.

"Wissenschaftler haben vor Ort über klimarelevante Themen gesprochen", sagt Stoermer. Und sich dabei insbesondere an Menschen gerichtet, die normalerweise nicht im Hörsaal sitzen. Die Students for Future hoffen, dass sie die Aktionswoche zum Anlass nehmen, sich mehr mit dem Klimawandel auseinander zu setzen. Diskussionsrunden, Vorträge und Onlinekochkurse der Public Climate School sind jedenfalls nur einen Klick entfernt.

(ftk)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Interview

Warum sich Gutverdiener für Klimaschutz interessieren – aber nicht danach handeln

Weniger Fleisch essen, weniger Fliegen und Auto fahren, dafür mehr regional und Bio-Produkte kaufen – eigentlich wissen wir sehr genau, was wir tun müssten, um uns klimafreundlich zu verhalten. In vielen Fällen flüchten wir uns dennoch in Ausreden. Mehr noch: Insbesondere diejenige, die eine hohe Bildung sowie ein hohes Gehalt haben und sich um Umweltschutz viele Gedanken machen, verpesten das Klima, sagt Nachhaltigkeitsforscher Felix Ekardt.

Im Interview mit watson erklärt der Leiter der …

Artikel lesen
Link zum Artikel