Etwa 700 Tonnen Abfall fallen in den Karnevalshochburgen zwischen Weiberfastnacht und Rosenmontag an.
Etwa 700 Tonnen Abfall fallen in den Karnevalshochburgen zwischen Weiberfastnacht und Rosenmontag an.
Bild: www.imago-images.de / Jochen Tack

Karneval fällt aus: So viel Müll wird dadurch gespart – und so geht es nächstes Jahr nachhaltiger

15.02.2021, 18:18

Ein Rosenmontag ohne bunte Mottowagen, ohne fliegende Kamelle, ohne fantasievolle Kostüme. Ohne fremde Menschen, die sich betrunken in den Armen liegen, Körperflüssigkeiten austauschen und zu Musik grölen, von der sie den Rest des Jahres vermutlich behaupten, sie würden ihre Texte nicht kennen. Karneval 2021 ist anders. Oder besser gesagt: nicht vorhanden.

Aber anstatt uns über Dinge zu ärgern, die sich ohnehin nicht ändern lassen, sollten wir uns auf das Positive konzentrieren. Denn hey – den Kater nach Karneval sparen wir uns in diesem Jahr schonmal. Und die Straßen werden deutlich sauberer sein. Keine zertrampelten Schokobonbons, keine leeren Prosecco-Dosen, kein Konfetti, dass sich in den Pfützen zu einem bunten Brei verwandelt.

Denn der Karneval, wie wir ihn bisher feiern, ist alles andere als umweltfreundlich und nach der Narrenzeit türmt sich der Müll: In den Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz sammelten die kommunalen Abfallbetriebe 2018 etwa 700 Tonnen Karnevalsabfall zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch ein. Allein in Köln setzten die Abfallwirtschaftsbetriebe in den vergangenen Jahren 330 Mitarbeiter und 130 Fahrzeuge ein – allein am Karnevalssonntag. Logisch, wenn schon auf den Kölner Umzügen 300 Tonnen Kamellen in die Menge geworfen werden, und die alle einzeln in Plastik verpackt sind. Müll, den wir uns dieses Jahr sparen – Corona sei Dank.

Saatgutkonfetti, Leihkostüme, faire Kamellen

Spätestens im nächsten Jahr soll aber wieder gefeiert, geschunkelt und getrunken werden. Die gute Nachricht: Es geht auch nachhaltiger und mit weniger Müll. Und das fängt schon beim Kostüm an. Statt sich jedes Jahr ein neues Billig-Kostüm zu kaufen, das spätestens an Aschermittwoch ein Fall für die Tonne ist, gibt es inzwischen zahlreiche Geschäfte, die Kostüme verleihen – spart Abfall und sorgt jedes Jahr für eine neue kreative Idee.

Auch die Konfettireste, die noch Wochen später am Straßenrand liegen, müssen nicht sein. Denn es gibt müllfreie Alternativen: Saatgutkonfetti zum Beispiel ist bunt, kompostierbar und enthält die Samen von 26 heimischen Pflanzen. "Erst feiert der Mensch, dann die Natur", so das Motto der Gründer. Biologisch abbaubares Konfetti, das sich beim nächsten Regen einfach auflöst, existiert ebenfalls bereits. Auch das Gesicht kann glitzern und funkeln, ohne dass Mikroplastik im Spiel ist, denn auch nachhaltiger und biologisch abbaubarer Gesichtsglitter ist mittlerweile zu haben. Glitzer aus Zellulose beispielsweise ist zu 99 Prozent zersetzbar und frei von Mikroplastik.

Unter die Kamellen mischte sich übrigens schon in den vergangenen Jahren fair gehandelter Süßkram. Beim Umzug in Monheim etwa werden schon seit einigen Jahren faire Kamellen geworfen, auf dem Kölner Karneval stammen immerhin fünf der insgesamt 300 Tonnen Kamelle von der "Jecken Fairsuchung" – Rohstoffe wie Kakao und Zucker werden also fair gehandelt. Kölsch gibt es mancherorts schon in Mehrwegbechern, auch das dürfte eine Menge Müll sparen. Und mit den Grünen Rheinfunken gibt es seit dem vergangenen Jahr sogar einen ersten nachhaltigen Karnevalsverein. Die nächste – hoffentlich pandemiefreie – Narrenzeit kann also kommen.

(ftk)

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